Gedrosselte Gaslieferungen Siemens Energy wehrt sich gegen russische Vorwürfe

Russland liefert weniger Gas nach Deutschland und macht dafür auch Verzögerungen bei Reparaturen durch Siemens Energy verantwortlich. Das Unternehmen weist die Anschuldigungen zurück.
Siemens-Energy-Aufsichtsratschef Joe Kaeser: Verärgert über Russland

Siemens-Energy-Aufsichtsratschef Joe Kaeser: Verärgert über Russland

Foto: Filip Singer/epa

Russland hat die Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 seit Mitte Juni deutlich heruntergefahren. Während die Bundesregierung dahinter eine Strategie sieht, um Verunsicherung zu schüren, lautet die Begründung des russischen Staatskonzerns Gazprom: Verzögerungen bei Reparaturarbeiten durch die Firma Siemens verhindern einen regulären Gasfluss.

Nun wehrt sich der Energiekonzern Siemens Energy gegen die Darstellung, Gaslieferungen nach Deutschland müssten gedrosselt werden, weil das Unternehmen Turbinen nicht rechtzeitig warte. »Es ist sehr bequem, ein Unternehmen mit reinzuziehen, das in Russland bekannt ist«, sagte Joe Kaeser, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Siemens Energy, der »Süddeutschen Zeitung«. »Selbst wenn es so wäre, würde das niemals rechtfertigen, den Gasfluss so stark zu drosseln.«

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte die russische Begründung bereits als vorgeschoben kritisiert.

Die gedrosselten Lieferungen sind für Deutschland vor allem deshalb ein Problem, weil die Gasspeicher bis Anfang November zu mindestens 90 Prozent gefüllt sein sollen. Am 11. Juli beginnt zudem eine zehntägige Routinewartung der Pipeline Nord Stream 1. Energieversorger und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sind besorgt, dass Gazprom die Leitung danach nicht wieder anstellen könnte und noch weniger Gas als bisher liefert.

Deutschland bezieht einen Großteil seiner Gaslieferungen über Nord Stream 1.

Laut Daten von Europas Gasinfrastruktur-Betreiber (GIE) sind Deutschlands Gasspeicher inzwischen zu mehr als 60 Prozent gefüllt. Damit seien aber noch nicht alle Risiken für die Gasversorgung der Industrie im Winterhalbjahr gebannt, warnten mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute in einer gemeinsamen Studie. Sie raten dazu, die Preise zu erhöhen, damit weniger Gas verbraucht wird.

Gasspeicher gleichen Schwankungen beim Verbrauch aus. Ihre Bedeutung ist aber begrenzt. Denn selbst wenn sie komplett gefüllt wären, würden ihre Mengen nicht für die komplette Heizperiode ausreichen.

Nach Schätzung des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, würden die Speicher bei einem durchschnittlichen Winter nur zweieinhalb Monate reichen, um die Nachfrage auch ohne russisches Gas zu decken. Daher sucht Deutschland nach anderen Möglichkeiten, etwa Flüssiggas-Lieferungen über schwimmende Terminals.

mmq/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.