Ex-Gazprom Germania, Axpo und OMV Weitere Energiefirmen beantragen offenbar Gasumlage

Einem »Handelsblatt«-Bericht zufolge wollen weitere Gasfirmen auf die geplante Umlage zurückgreifen. Die Verbraucherzentralen warnen demnach davor, die falschen Unternehmen zu stützen.
Der Erdgasspeicher Bierwang von Uniper nahe München

Der Erdgasspeicher Bierwang von Uniper nahe München

Foto: Matthias Schrader / AP

Mit der Gasumlage sollen Energieunternehmen entlastet werden – nun wollen laut einem Medienbericht weitere Firmen die Umlage in Anspruch nehmen. Die österreichische OMV, das Schweizer Energiehandelsunternehmen Axpo sowie Sefe, ehemals Gazprom Germania, sollen eine Teilnahme beantragt haben, wie das »Handelsblatt«  unter Berufung auf die Unternehmen berichtete.

Insidern zufolge stehen demnach auch der niederländisch-schweizerische Rohstoffhändler Vitol und sein Schweizer Wettbewerber Gunvor auf der Liste, schrieb das »Handelsblatt« weiter. Vitol selbst wollte sich dem Bericht zufolge nicht äußern. Gunvor habe auf Anfrage lediglich bestätigt, dass das Unternehmen Gas nach Deutschland importiere.

Mitgründer von Gunvor ist Gennadi Timtschenko, der als Profiteur des Systems Putin gilt. Timtschenko hatte bereits 2014 seine Anteile an Gunvor abgegeben , weil er infolge der russischen Annexion der Krim auf einer Sanktionsliste stand.

Zudem war bereits bekannt geworden, dass Uniper, die EnBW-Tochter VNG und der Versorger EWE die Gasumlage nutzen wollen. Der Konzern RWE hingegen teilte mit, er wolle dies nicht tun.

Gasimporteure sind derzeit gezwungen, wegen gedrosselter russischer Lieferungen teuer alternatives Gas einzukaufen, um ihre Verträge einzuhalten. Um Schieflagen zu vermeiden und letztlich die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, können sie ab Oktober 90 Prozent der so entstehenden Zusatzkosten weiterreichen – diese sollen über die Gasumlage auf alle Endkunden verteilt werden. (Lesen Sie hier mehr Details. )

Am Donnerstag hatte Bundeskanzler Olaf Scholz angekündigt, die Regierung wolle zeitlich befristet bis 2024 den Mehrwertsteuersatz auf Erdgas senken, von 19 auf 7 Prozent. Mit dem Schritt sollten die Gaskunden insgesamt deutlich stärker entlastet werden, als sie durch die staatliche Gasumlage belastet werden. (Lesen Sie hier einen Kommentar dazu.)

Bislang kaum Firmen auf staatliche Hilfe angewiesen

In dem »Handelsblatt«-Bericht hieß es, die wenigsten Unternehmen, die von dem Gasumlagesystem profitieren sollen, seien auf staatliche Hilfe angewiesen. Für Uniper hatte die Bundesregierung ein Rettungspaket in Höhe von 15 Milliarden Euro geschnürt, um das Unternehmen vor der Pleite zu bewahren. Sefe wird von der Bundesnetzagentur in Treuhänderschaft verwaltet. Die anderen genannten Unternehmen stünden hingegen »ziemlich gut da«, schreibt die Zeitung.

Die Chefin des Verbraucherzentrale-Bundesverbands (vzbv), Ramona Pop, warnte davor, die falschen Firmen zu stützen. »Die Bundesregierung hat eindeutig formuliert, dass sie mit der Gasumlage Insolvenzen verhindern will, die Absicherung von Gewinnen auf Kosten der Verbraucher aber ausgeschlossen werden soll«, sagte sie dem »Handelsblatt«. Es sei dringend geboten, dass denjenigen Unternehmen, »die trotz sprudelnder Gewinne von der Umlage profitieren wollen, keine Unterstützung gewährt wird«.

kko/AFP
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