Gasversorgung Bau der Ostsee-Pipeline beginnt

Mit diesem Mammutprojekt soll die EU langfristig mit russischem Erdgas versorgt werden: Der Bau der Gaspipeline Nord Stream durch die Ostsee hat offiziell begonnen. Bis zu 26 Millionen Haushalte könnten in Zukunft versorgt werden - doch Umweltschützer haben bereits Klage eingereicht.

Getty Images

Moskau - "Viel Glück" schrieb Russlands Präsident Dmitri Medwedew auf eine Röhre, bevor zwei Leitungen in der russischen Ostseebucht von Portowaja nahe der Stadt Wyborg verschweißt wurden. Der Bau der 7,4 Milliarden Euro teuren Ostsee-Gaspipeline Nord Stream ist am Freitag mit einem Festakt offiziell begonnen worden. Vor mehr als 200 geladenen Gästen würdigte Medwedew das Gemeinschaftsprojekt als Zeichen einer neuen Qualität der Beziehungen zwischen Westeuropa und Russland. Die Pipeline werde eine verlässliche Verbindung zwischen beiden Partnern sein, betonte er.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Energiekommissar Günther Oettinger begrüßten das Projekt als Beitrag zur Energiesicherheit in Europa. "Für Europa ist dies ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit", sagte Merkel. "Und Russland gewinnt mit verlässlichen Abnehmern in Europa eine hohe Stabilität in der Gasnachfrage." Der Gaslieferant Russland sei ein "fester Bestandteil" auf dem europäischen Energiemarkt, sagte Oettinger.

Deutschland bezieht ebenso wie die anderen Länder der EU einen Großteil seiner Gasimporte aus dem Ausland. Die Gaspipeline werde die Energieversorgung in Europa sicherer machen, sagte Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Europa erhalte damit Zugang zu den riesigen Energieressourcen Sibiriens, sagte der jetzige Nord-Stream-Aufsichtsratschef. Schröder hatte das Projekt mit dem damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin angestoßen.

"Die ersten drei Kilometer sind verlegt", teilte Nord Stream mit. Die ersten Rohre der 1220 Kilometer langen Pipeline von Russland bis nach Lubmin bei Greifswald liegen bereits seit Dienstagabend auf dem Meeresboden nahe der schwedischen Insel Gotland.

Kritik von Umweltschützern und Anrainerstaaten

Die Rohrleitung wird in bis zu 210 Meter Tiefe verlegt und wird die Wirtschaftszonen von fünf Ostsee-Anrainerstaaten - Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland - durchqueren. Ab Ende 2011 soll Gas durch die Röhre strömen. Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Jürgen Trittin, nannte die Pipeline "ein Stück mehr Versorgungssicherheit". Nord Stream allein könne aber die Energieprobleme Deutschlands nicht lösen, sagte Trittin dem Sender MDR Info.

Umweltschützer haben in Deutschland Klage gegen den Pipeline-Bau eingereicht. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien erheblich, kritisieren Umweltverbände wie der BUND. Nord Stream verweist hingegen auf ein Gutachten zur Umweltverträglichkeit der Leitungen. Schröder sagte, es seien 100 Millionen Euro ausgegeben worden, um die Auswirkungen der Rohrleitung auf die Umwelt "minimal" zu halten.

Die Arbeiten vor der deutschen Küste sollen am 15. Mai beginnen, nach dem Ende der Heringslaichzeit. Insgesamt drei Spezialschiffe werden die Rohre verlegen. Gespeist werden soll die Pipeline von westsibirischen Erdgasfeldern. Von Lubmin aus strömt das Gas in die westeuropäischen Netze und wird bis nach Dänemark, Großbritannien und Frankreich weiterverteilt.

Die Pipeline kann jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren

Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Energieunternehmens Wintershall, Rainer Seele, lobte die Pipeline als "Europas bestes Frostschutzmittel". Gebaut und betrieben wird die Pipeline von dem 2005 gegründeten Unternehmen North European Gas Pipeline, das im Jahr darauf in Nord Stream AG umbenannt wurde. Es gehört zu 51 Prozent dem russischen Gasriesen Gazprom sowie zu je 20 Prozent dem deutschen Energiekonzern E.on Ruhrgas und der deutschen BASF-Tochter Wintershall. Neun Prozent hält der niederländische Pipeline-Betreiber Gasunie. Anfang März wurde bekannt, dass sich auch der französische Gaskonzern GDF Suez in das Konsortium einkaufen und dazu offenbar Anteile von E.on Ruhrgas und Wintershall übernehmen will.

Beide Leitungen können zusammen bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr transportieren. Laut Nord Stream entspricht dies etwa elf Prozent des erwarteten Erdgasverbrauchs der EU im Jahr 2030. Rein rechnerisch könnten damit 26 Millionen Haushalte versorgt werden.

lgr/dpa/AFP/Reuters/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.