Gasversorgung Macron lehnt Pipeline durch die Pyrenäen weiter ab

Deutschland und Spanien drängen auf eine neue Pipeline über die Pyrenäen. Frankreichs Präsident Macron aber bleibt skeptisch – und setzt auf andere Energie.
Emmanuel Macron beim EU-Gipfel in Prag: »Strategie für erneuerbare Energie und Atomkraft«

Emmanuel Macron beim EU-Gipfel in Prag: »Strategie für erneuerbare Energie und Atomkraft«

Foto: LUDOVIC MARIN / AFP

Die Ampelregierung reiste in großer Besetzung nach Spanien, auch um sich Zugang zu Gas aus dem Land zu verschaffen – und künftig auch aus erneuerbaren Energien produziertem Wasserstoff. Damit das Gas von der iberischen Halbinsel auch nach Deutschland kommt, wollen beide Länder eine Pipeline durch die Pyrenäen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron allerdings blickt skeptisch auf die Rohrleitung, die durch sein Land laufen müsste. Und an den Bedenken hat sich trotz des wachsenden Drucks aus Spanien und Deutschland bislang nichts geändert.

Strom ist Macron wichtiger

»Ich denke, dass unsere Priorität eher darin besteht, Netzwerke für Strom in Europa zu haben«, sagte Macron am Rande eines Treffens mit über 40 anderen europäischen Staats- und Regierungschefs in Prag. Er sei grundsätzlich offen für Projekte zum Netzausbau, sagte der französische Präsident. »Aber was braucht Europa in den kommenden Jahren? Die Produktion von mehr Strom auf eigenem Boden und eine Strategie für erneuerbare Energie und Atomkraft.«

Macron monierte, dass der Bau der Midcat genannten Pipeline fünf bis acht Jahre dauern würde. Frankreich wolle außerdem nicht zu einem großen Gasimporteur werden. »Unsere Strategie wird eher Richtung Wasserstoff gehen«, sagte Macron. Man müsse sich aber überlegen, ob man eher Wasserstoff oder Strom durch Europa transportieren wolle. Wasserstoff kann klimafreundlich aus Elektrizität hergestellt und – ähnlich wie Gas – über Pipelines transportiert werden. Dafür wollen Deutschland und Spanien Midcat nutzen.

Die Leitung würde von Barcelona über die Pyrenäen bis zur Anbindung an das französische Netz im südfranzösischen Barbaira führen. In Spanien ist die Röhre bis Hostalric 106 Kilometer südlich der Grenze fertig, in Frankreich fehlen etwa 120 Kilometer.

Ursprünglich war das Midcat-Projekt 2017 wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit abgebrochen worden. Bei den deutsch-spanischen Regierungskonsultationen hatten Bundeskanzler Olaf Scholz und der spanische Regierungschef Pedro Sánchez jedoch einen neuen Vorstoß für den Bau der Pipeline bis 2025 gemacht.

Der SPD-Politiker bekräftigte in Prag, dass die europäische Energie-Infrastruktur verbessert werden müsse. »Es gehört schon dazu, dass wir ein europäisches Netz bauen«, sagte er. Das gelte für Strom, Gas und Wasserstoff.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.