Beschluss Gazprom muss Gasmenge durch ostdeutsche Pipeline reduzieren

Der russische Energiekonzern Gazprom darf nicht mehr so viel Gas durch ostdeutsche Pipelines transportieren wie bisher. Hintergrund ist der Konflikt um die Pipeline Nord Stream.

Gazprom muss die Gasmengen in ostdeutschen Pipelines herunterfahren
DPA

Gazprom muss die Gasmengen in ostdeutschen Pipelines herunterfahren


Gazprom muss die Durchleitungsmenge in seinen ostdeutschen Pipelines deutlich herunterfahren. Bisher darf der russische Energiekonzern 80 Prozent der Leitungskapazitäten nutzen, muss einen Teil davon aber am Markt verkaufen.

Künftig dürfen die Russen nur noch 40 Prozent nutzen, dies aber komplett in eigener Regie. Das teilte die Bundesnetzagentur als zuständige Regulierungsbehörde mit. Demnach beschloss sie sogenannte Aufsichtsmaßnahmen gegen die Betreiberfirmen Opal Gastransport und gegen Gazprom. Der Beschluss ist keine Überraschung, vielmehr setzt die Bonner Behörde damit ein Urteil des Luxemburger EU-Gerichts um.

Gazprom darf nun so viele Leitungskapazitäten nutzen wie 2016

In dem Streit ging es darum, ob die Gazprom-Kapazitäten auf der ostdeutschen Opal-Pipeline von 40 auf 80 Prozent hochfahren darf - diese war Gazprom 2016 in einem Vertrag erlaubt worden, der von Brüssel genehmigt wurde. Polen sträubte sich dagegen, Warschau klagte und gewann - die Genehmigung der EU-Kommission wurde gekippt und der Vertrag war hinfällig. Nun ist der Zustand wiederhergestellt, den es bereits vor 2016 gab: Gazprom nutzt nur 40 Prozent der Leitungskapazitäten.

Hintergrund ist der Konflikt um Nord Stream. Opal ist die Verlängerung der seit 2011 betriebenen Pipeline, die russisches Gas durch die Ostsee nach Europa transportiert. Opal leitet das Gas dann weiter durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen bis nach Tschechien. Die Russen setzen verstärkt auf den Transportweg Ostsee, Polen pocht hingegen auf den Landweg durch Osteuropa - auch aus Sorge, beim Weg über das Meer vom Gaszufluss abgeschnitten zu werden.

flg/dpa



insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vitalik 13.09.2019
1.
Warum genau fürchtet Polen, dass das Gas, welches über Ostdeutschland geleitet wird, Polen nicht erreicht? Vertraut man Deutschland so wenig? Oder geht es nicht viel mehr wieder um das leidige Thema der Durchleitungsgebühren. In diesem Fall wäre die Begründung der Gerichte interessant, warum reine wirtschaftliche Interessen durch ein Gericht verordnet werden können. Warum haben die Wirtschaftsinteressen der Polen mehr Kraft als die Wirtschaftsinteressen von Deutschland? Frage über fragen und leider wenig Informationen in dem kurzen Artikel.
Jacek G 13.09.2019
2.
So ein Quark. Wirtschaftsinteressen... Polen war bis zum Zusammenbruch der Sowietunion von Russland eingenommen. Die haben zurecht Angst, dass man ihnen einfach mal das Gas abstellt bzw. den Druck so mindert, dass das Gas nach Deutschland kommt, aber nicht mehr nach Polen. Das kann nicht passieren, wenn es nach Deutschland weiter gehen soll. Ausser Deutschland kriegt auch keins. Dann hat Russland aber eben nicht nur Polen an der Backe, sondern auch Deutschland. Man schaue nur in die Ukraine. Das reicht, um zu wissen wovor Polen und andere Oststaaten Angst haben.
Galgenstein 13.09.2019
3. Bei den Erfahrungen die Polen mit Deutschland und der Sowjetunion
gemacht hat, ist diese Reaktion durchaus verständlich. Ein deutsch-russische Politik zu Lasten der unserer osteuropäischen Nachbarn weckt üble Erinnerungen.
senkfuss 14.09.2019
4.
Im Moment wird gerade eine neue Leitung in Brandenburg genau neben der alten Leitung vergraben, die Gesamtkapazität also anscheinend verdoppelt. Da sind wir dann wohl wieder bei den alten 80% Durchleitung.
gunpot 14.09.2019
5. Das ist doch eine vollkommen falsche
Diskussion. Hier wird das Prinzip von Angebot und Nachfrage ausgehebelt. Wenn eine Pipeline zu fast 100% ausgelastet ist, dann kommt das den Verbrauchern zugute. Eine Pipeline, ob Öl oder Gas ist das umwltfreundlichste und wirtschaftlichste Transportmittel für Energie auf unserem Planeten. Es arbeitet Tag und Nacht. Ihre Unterhaltungskosten liegen bedeutend unter denen anderer Verkehrswege. Auch die Flüssiggas transportierenden Superschiffe können hier die Pipeline nicht schlagen; denn sie brauchen eine gut ausgebaute Hafenintrastruktur, verursachen gebrochenen Verkehr. Gewaltige Finanzmittel fliessen in den Bau von Tankern, etc..... Ist Polen jemals bedroht worden, nicht mehr beliefert zu werden? Allen Unkenrufen zum Trotz, ich kann mich nicht erinnern, dass die damalige Sowjetunion oder das heutige Russland jemals einen Liefervertrag nicht eingehalten haben. Bitte, machen Sie weniger Politik und exerhieren Sie mehr Marktwirschaft-
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.