Angebliches Ölleck in Portowaja Gazprom kündigt längeren Lieferstopp über Nord Stream an

Eigentlich hat Russland versprochen, am Samstag nach mehreren Tagen Wartungsarbeiten wieder Gas durch die Ostseepipeline zu schicken. Doch daraus wird nichts. Dieses Mal soll ein Leck schuld sein.
Foto: Thomas Eugster / Nordstream AG / picture alliance / dpa

Das Bild, das der russische Gazprom-Konzern am Freitagabend verschickt, ist etwas rätselhaft, verheißt aber in jedem Falle nichts Gutes. Darauf zu sehen ist eine technische Installation, Kabel – und um einige herum verteilt sich eine schmierige Flüssigkeit. Es handele sich dabei um ein kleines Ölleck, schreibt der Konzern in einer begleitenden Pressemitteilung, gefunden habe man es bei einer Kontrolle der Gasverdichtungsanlage in Portowaja nahe Sankt Petersburg. Das Fazit: Ein sicherer Betrieb der Anlage sei so nicht möglich. »Der Gastransport zur Nord-Stream-Pipeline wurde bis zur Behebung der Mängel vollständig eingestellt«, so Gazprom.

Wie lange die Unterbrechung dieses Mal dauern soll, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Eigentlich hätten am Samstag die Lieferungen über die Ostseepipeline wieder aufgenommen werden sollen, wenn auch in geringem Umfang. Doch daraus wird nun nichts.

Gazprom verweist auf Weisung russischer Aufsichtsbehörde

Der Umfang der angekündigten Lieferungen entsprach zunächst dem Niveau vor der Unterbrechung, also etwa 20 Prozent der maximal möglichen Menge und damit täglich 33 Millionen Kubikmeter Erdgas. Am späten Freitagnachmittag zeigten die vorläufigen Daten dann nur noch eine kaum nennenswerte Menge an.

Gazprom beruft sich bei der Entscheidung zum Lieferstopp auf eine Weisung der russischen Aufsichtsbehörde Rostechandsor. Diese habe eine Warnung herausgegeben, aus der hervorgehe, »dass die festgestellten Fehler und Schäden einen sicheren, unfallfreien Betrieb des Gasturbinentriebwerks nicht zulassen.«

Problem bei Kabelsteckern?

Gazprom hatte die Gaslieferungen nach Deutschland seit Mitte des vergangenen Jahres immer weiter zurückgefahren. Offiziell bestreitet das Unternehmen eine politische Motivation, verwiesen wurde jedes Mal auf technische Probleme, etwa mit für den Betrieb benötigten Siemens-Turbinen. Dieses Mal sollen laut Gazprom allerdings auch Siemens-Kontrolleure bei der Überprüfung von Portowaja anwesend gewesen sein. Sie hätten den Bericht über das Ölleck auch mitunterzeichnet, so Gazprom.

Im Detail handle es sich bei dem entdeckten Problem um austretendes Öl an Kabelsteckern einer Anschlussplatte, so Gazprom. Die Angaben ließen sich unabhängig nicht überprüfen. Laut dem russischen Konzern habe man das gleiche technische Problem an drei weiteren Turbinen festgestellt. Diese könnten nur von Siemens in einer »spezialisierten Reparaturwerkstatt repariert werden«, so Gazprom.

Siemens: »Kein technischer Grund für Einstellung des Betriebs«

Ein Sprecher von Siemens Energy teilte mit, man habe die jüngsten Meldungen zur Kenntnis genommen. »Als Hersteller der Turbinen können wir lediglich feststellen, dass ein derartiger Befund keinen technischen Grund für eine Einstellung des Betriebs darstellt.« Solche Leckagen beeinträchtigten im Normalfall den Betrieb einer Turbine nicht und könnten vor Ort abgedichtet werden, heißt es im Statement weiter.

»Es handelt sich um einen Routinevorgang im Rahmen von Wartungsarbeiten.« Auch in der Vergangenheit sei es durch den Auftritt dieser Art von Leckagen nicht zu einem Stillstand des Betriebs gekommen. Siemens Energy sei zudem aktuell nicht mit Wartungsarbeiten beauftragt, stehe aber bereit. Unabhängig davon, habe man »bereits mehrfach« darauf hingewiesen, dass in Portovaya genügend weitere Turbinen für einen Betrieb von Nord Stream 1 zur Verfügung stünden.

»Es läuft nur eine Turbine«

Seit Mittwochmorgen fließt kein Gas durch die zuletzt wichtigste Leitung für russisches Gas nach Deutschland. Grund sind laut dem russischen Energiekonzern Gazprom Wartungsarbeiten an einer Kompressorstation.

Der russische Energieriese Gazprom sei nicht schuld daran, dass die Zuverlässigkeit der Leitung durch die Ostsee gefährdet sei, hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge am Mittag gesagt. Es gebe keine technischen Reserven. »Es läuft nur eine Turbine«, sagte er auf die Frage eines Journalisten nach möglichen weiteren Unterbrechungen.

Bundesnetzagentur betont Bedeutung von LNG-Terminals

Die Bundesnetzagentur betonte nach der Ankündigung Gazproms die Bedeutung der deutschen Vorsorgemaßnahmen. »Angesichts der russischen Entscheidung, vorerst kein Gas über Nord Stream 1 fließen zu lassen, gewinnen die LNG Terminals, die relevanten Speicherstände und signifikante Einsparnotwendigkeiten an Bedeutung«, twitterte Behördenpräsident Klaus Müller am Freitag. »Gut, dass Deutschland inzwischen besser vorbereitet ist, jetzt kommt es aber auf jede/n an«, so Müller weiter.

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Das weitaus meiste Erdgas erhält Deutschland inzwischen aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. So flossen am Donnerstag nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 2900 Gigawattstunden Erdgas aus diesen Ländern nach Deutschland. Zum Vergleich: Am Montag, dem letzten Tag vor der angekündigten Lieferreduktion, transportierte Nord Stream 1 rund 348 Gigawattstunden russisches Erdgas. Die eingespeicherte Menge betrug zuletzt immer ein Mehrfaches dieser Liefermenge aus Russland. So wurden etwa am Dienstag 965 Gigawattstunden Erdgas in Deutschland eingespeichert.

beb
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