Russischer Gaskonzern Gazprom-Produktion auf historischem Tief 

Gazprom wird in diesem Jahr so wenig Erdgas produzieren wie noch nie zuvor. Die Gründe für den Tiefstand beim russischen Gaskonzern: Preisstreit, Sanktionen des Westens - und Probleme auf dem Binnenmarkt.

Gasförderanlage in Nowy Urengoi, Sibirien: Warnung vor dem Abschwung
Justin Jin for Wintershall / DPA

Gasförderanlage in Nowy Urengoi, Sibirien: Warnung vor dem Abschwung


Moskau - Gazprom zieht eine negative Jahresbilanz: Nach eigenen Angaben wird der russische Konzern in diesem Jahr die geringste Menge Erdgas in seiner Geschichte produzieren. Das Unternehmen rechne mit einem Volumen von 444,4 Milliarden Kubikmeter, wie ein Firmensprecher erklärte. Im vergangenen Jahr seien es 487,4 Milliarden Kubikmeter gewesen.

Zu den Ursachen der Flaute gehört der monatelange Preisstreit und die politische Krise mit der Ukraine sowie die Sanktionen des Westens. Im Juni hatte Gazprom seine Exporte in die Ukraine ausgesetzt, seinen zweitgrößten Markt nach Deutschland. Kürzlich stoppte Gazprom das Pipeline-Projekt South Stream, die Leitung sollte Erdgas durch das Schwarze Meer nach Südosteuropa bringen.

Die Europäische Union ist bemüht, ihre Abhängigkeit von russischen Erdöl zu verringern. 125 Milliarden Kubikmeter - also rund 27 Prozent ihres Bedarfs - deckte sie noch im vergangenen Jahr durch Exporte aus Russland.

Probleme hat Gazprom aber auch auf dem Binnenmarkt. Andere Anbieter wie Novatek, Rosneft und Lukoil treten als Mitbewerber auf. Nach einer Einschätzung der Sberbank CIB haben Gazproms Konkurrenten ihren Marktanteil in diesem Jahr auf 35 Prozent fast verdoppeln können.

Vor Kurzem hatte der russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedew vor einem Abschwung in seinem Land gewarnt. Russland drohe eine schwere Rezession, zitierte die Nachrichtenagentur RIA Medwedew. Einem Bericht der Zeitung "Kommersant" zufolge hatte Medwedew Staatskonzerne per Dekret angewiesen, einen Teil ihrer Devisenreserven auf den Markt zu werfen - betroffen von der Maßnahme war außer dem Energiekonzern Rosneft sowie den Diamanten-Produzenten Alrosa und Kristall auch Gazprom. Die Unternehmen sollten bis März 2015 ihren Devisenbestand auf das Niveau von Anfang Oktober zurückführen.

eth/Reuters



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