Gefälschte Bilanzen Olympus droht Börsenausschluss

Die Finanzaffäre beim Kamerahersteller Olympus könnte die Existenz des Unternehmens gefährden. Die Firma räumte die systematische Fälschung von Bilanzen ein, um Verluste zu verschleiern. Drakonische Strafen drohen.
Olympus-Aufsichtsratschef Takayama: "Ich habe nichts gewusst"

Olympus-Aufsichtsratschef Takayama: "Ich habe nichts gewusst"

Foto: YURIKO NAKAO/ REUTERS

Tokio - Dieses Eingeständnis schockiert Anleger und Analysten: Der Kamerahersteller Olympus hat im Zuge seiner Finanzaffäre Bilanzfälschung in großem Stil eingeräumt. Der Skandal um dubiose Zahlungen hat damit viel größere Ausmaße angenommen als bisher bekannt. Verluste durch Investment-Geschäfte seien seit den neunziger Jahren mit Hilfe von Übernahmen verschleiert worden, teilte das japanische Unternehmen am Dienstag mit.

Die Affäre könnte die Existenz von Olympus gefährden: Anwälte und Analysten sagten, dem Unternehmen drohten ernsthafte Konsequenzen von Klagen wegen Bilanzbetrugs bis hin zu einem Ausschluss von der Börse in Tokio. "Die Zukunft der Firma ist extrem düster", sagte ein Analyst. Olympus-Aktien   verloren fast 30 Prozent an Wert. Seit Ausbruch der Affäre büßten die Papiere mehr als zwei Drittel ihres Werts ein.

Die Affäre hatte der geschasste britische Firmenchef Michael Woodford ins Rollen gebracht, als er im Oktober milliardenschwere Zukäufe der Firma öffentlich kritisiert hatte. Das Unternehmen hatte die Deals erst vehement verteidigt, dann unter dem Druck von Aktionären doch eine unabhängige Kommission mit der Prüfung beauftragt.

Woodford hatte Anfang Oktober die britische Börsenaufsicht kontaktiert und um die Prüfung von dreistelligen Millionenzahlungen gebeten, die bei der Übernahme des britischen Medizinausrüsters Gyrus im Jahr 2008 geflossen waren. Das Misstrauen Woodfords war berechtigt, wie Olympus nun einräumte. Die außergewöhnlich hohen Zahlungen an einen Finanzberater beim Kauf von Gyrus seien Teil der Bilanzfälschung gewesen, teilte das Unternehmen mit. Damals flossen dem Berater vor allem über den Rückkauf eines Aktienanteils insgesamt 687 Millionen Dollar zu - rund ein Drittel des Gyrus-Übernahmepreises von 1,92 Milliarden Dollar. Das dürfte ein weltweiter Rekord für Übernahmeberatung sein und ist mehr als der voraussichtliche Jahresgewinn des Konzerns.

Aufsichtsratschef beteuert sein Unwissen

Auch bei den von Woodford angeprangerten Zukäufen drei kleinerer japanischer Spezialanbieter medizinischer Ausrüstung seien Verluste versteckt worden, räumte Olympus jetzt ein. Aufsichtsratschef Shuichi Takayama beteuerte, er habe von den Fälschungen nichts gewusst. "Mir waren die Tatsachen, die ich Ihnen nun erkläre, absolut nicht bekannt", sagte er. Takayama machte seinen Vorgänger, den geschassten Firmenpatriarchen Tsuyoshi Kikukawa, für den Skandal verantwortlich und entschuldigte sich bei Anlegern und Partnern. Vizepräsident Hisashi Mori muss im Zuge der Affäre gehen.

Erst kürzlich hatte Olympus die Bekanntgabe seines Quartalsberichts verschoben, nachdem die Affäre um dubiose Zahlungen immer weitere Kreise gezogen hatte. Auch die Europazentrale ist von dem Skandal um dubiose Zahlungen betroffen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat drei ehemalige Olympus-Manager angeklagt - sie sollen bereits im Jahr 2003 Hunderttausende Euro veruntreut haben. Erst fünf Jahre später informierte das Unternehmen die Fahnder.

Olympus ist bei Verbrauchern vor allem als Kamerahersteller bekannt, die Medizintechnik macht inzwischen aber den Großteil des Geschäfts aus.

mmq/Reuters/dpa
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