Gekürzte Förderung So lohnt sich die Solaranlage auch künftig

Die Solarindustrie protestiert gegen die neueste Kürzung der Förderung. Aber ist der Boom wirklich vorbei? Nein. Wer eine Anlage baut oder in eine investiert, kann auch künftig satte Gewinne machen - wenn er ein paar Grundregeln beachtet.
Solarzellenproduktion: Anlagen werden durch technischen Fortschritt rasch günstiger

Solarzellenproduktion: Anlagen werden durch technischen Fortschritt rasch günstiger

Foto: Michael Reichel/ picture alliance / dpa

Hamburg - Der Aufruhr über die geplante Kürzung der Solarförderung ist groß. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für uns", sagte etwa First-Solar-Manager David Wortmann. Und der Branchenverband BSW-Solar ließ seine Mitglieder in mehreren deutschen Städten demonstrieren.

Verbraucher sind nun verunsichert. Lohnt es sich nach der Kürzung überhaupt noch, in Solaranlagen zu investieren? Die Antwort lautet: ja. Auch wer sich erst diesen Sommer oder Herbst eine Solaranlage baut, wird noch immer Profit machen können.

Wenn Sie vorhaben, eine Anlage auf Ihr Haus zu bauen, dann ist es wahrscheinlich eine kleine mit bis zu zehn Kilowatt Leistung. Von den fast 1,1 Millionen Solaranlagen, die in Deutschland gemeldet sind, fallen die meisten in diese Kategorie.

Für diese Anlagen sinkt die Förderung voraussichtlich zum 9. März, vielleicht auch erst zum 1. April, das ist noch nicht abschließend geklärt. Die Kürzung beträgt einmalig 20 Prozent. Klingt hart, tatsächlich ist sie nur leicht stärker und kommt etwas früher als die bislang geplante Kürzung von 15 Prozent zum 1. Juli.

Preise für Module fallen

Analysten sehen die Kürzung entspannt. "Wer eine Anlage Made in Germany kauft, kann im Schnitt noch mit einer Rendite von fünf Prozent rechnen", sagt Patrick Hummel von der UBS. "Wer eine Anlage mit chinesischen Modulen kauft, sogar mit sieben oder acht Prozent."

Bei seinen Berechnungen geht Hummel davon aus, dass der Betreiber einer kleinen Solaranlage einen Teil des Stroms selbst verbraucht, den er erzeugt. Damit ist eine zweite Neuerung der Bundesregierung schon berücksichtigt: Betreiber kleiner Solaranlagen bekommen künftig für 15 Prozent ihres Jahresverbrauchs keine Förderung mehr.

Tatsächlich liegt in dieser Neuerung eine große Chance. Wer seinen Solarstrom selbst verbraucht, spart sich den Kauf von teurem Strom aus der Steckdose. Die Kilowattstunde Solarstrom wird nach der Kürzung noch mit 19,5 Cent gefördert. Steckdosenstrom kostet derzeit rund 24 Cent. Je mehr Strom ein Anlagenbetreiber also selbst verbraucht, desto größer die Rendite seiner Anlage.

Theoretisch ist es möglich, dass Besitzer kleiner Anlagen bis zu 50 Prozent ihres Stroms selbst verbrauchen. Wer diesen Wert erreicht, wird sich auch in den kommenden Jahren noch profitabel Solaranlagen aufs Dach schrauben können. Laut Berechnungen, die das Institut Prognos für die Solarfirma Belectric durchgeführt hat, läge die Rendite selbst bei einem Fördersatz von 15 Cent noch bei bis zu 6,2 Prozent. Dieser Fördersatz wird nach den neuen Plänen der Regierung am 1. Oktober 2014 erreicht - und bis dahin dürften die Preise für Solarmodule kräftig gefallen sein, was wiederum die Rendite anhebt.

"Die nächste Preisrunde bei den Modulen steht unmittelbar bevor", sagt Hummel. "Ein gutes chinesisches Modul wird in der zweiten Jahreshälfte für 50 bis 60 Cent je Watt Leistung zu haben sein." Das wird auch die Anlagenpreise drücken (siehe Kasten).

Großanlagen

An größeren Anlagen beteiligen sich Privatanleger vor allem über Fonds, teils auch über Bürgerkraftwerke, bei denen sich viele Kleininvestoren gemeinsam einen Solarpark bauen. Bei diesen Anlageformen sollten Sie künftig genau hinschauen. Die Einspeisevergütung wird zum 9. März, vielleicht auch erst zum 1. April, von rund 18 auf 13,5 Cent gesenkt.

Anlagenbetreiber bekommen zudem künftig nur noch 90 Prozent des Stroms vergütet. Den Rest können sie nicht, wie ein Eigenheimbesitzer, selbst verbrauchen. Sie müssen ihn an der Strombörse verkaufen und erzielen dabei im Schnitt rund sechs Cent, also weniger als sie durch die Einspeisevergütung bekommen hätten. De facto sinkt die Förderung dadurch auf rund 12,75 Cent.

Experten erwarten dennoch, dass Solarkraftwerke rentabel bleiben. Brancheninternen Berechnungen zufolge kann sich ein Solarkraftwerk bereits bei einer Förderung von 11 Cent rechnen - bei einem Systempreis von 1,23 Euro pro Watt, 1000 Sonnenstunden im Jahr, und wenn man berücksichtigt, dass die Anlage eine durchschnittliche Lebensdauer von 30 Jahren hat.

"Nach der Absenkung rechnen wir für große Freiflächenanlagen noch mit Renditen von rund sechs Prozent", sagt Hummel von der UBS. Für einen Privatinvestor sei das noch immer ein akzeptabler Wert. Bislang waren große Solarkraftwerke stark überfördert. "Investoren waren Renditen von 15 Prozent oder mehr gewohnt", sagt Hummel.

Investoren müssen zudem beachten, dass nicht alle freien Flächen gleich sind. Oft werden Solarparks auf brachliegenden Militär-, Industrie- oder Gewerbeflächen gebaut. Diese müssen vor der neuen Nutzung aber erst umgewandelt werden, was die Kosten erhöht - und die Renditen schmälert. Solche Investitionen würden nun "für eine Übergangsphase unattraktiver", schätzt Karl Kuhlmann, Chef der SAG Solarstrom .

Doch auch hier gilt: Wenn die Modulpreise sinken, werden auch große Kraftwerksprojekte wieder rentabler.

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