Geldmangel Bund erwägt Verstaatlichung der Commerzbank

Es ist kein gutes Zeichen für die Commerzbank: Nach SPIEGEL-Informationen schließt die Bundesregierung eine Verstaatlichung des Instituts nicht aus. Das Geldhaus braucht spätestens bis zum Sommer frisches Kapital.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Fünf Milliarden sollen fehlen

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Fünf Milliarden sollen fehlen

Foto: © Alex Domanski / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Seit drei Jahren gehört dem deutschen Staat ein Teil der Commerzbank: Nachdem das Institut Ende 2008 in den Strudel der Finanzkrise geriet und Finanzhilfen benötigte, hält der Bund 25 Prozent plus eine Aktie. Eigentlich wollte Commerzbank-Chef Martin Blessing möglichst schnell wieder unabhängig werden. Doch nun droht nach SPIEGEL-Informationen das Gegenteil: Die Bundesregierung schließt eine Verstaatlichung der Commerzbank nicht aus.

Wenn es das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut nicht schaffe, sich bis zum nächsten Sommer genug Kapital zu beschaffen, werde Berlin den Bankenrettungsfonds Soffin reaktivieren und weitere Aktien des Finanzkonzerns übernehmen, heißt es in Regierungskreisen.

Man gehe davon aus, dass dem Bund bei einer Kapitalerhöhung die Mehrheit der Anteile zufallen würde. Berlin lehnt es ab, lediglich die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo zu übernehmen.

Die Commerzbank benötigt mehr Eigenkapital

Die Commerzbank muss nach einer Vorgabe der europäischen Bankenaufsicht EBA wie andere europäische Banken bis Ende Juni 2012 ihre Eigenkapitalquote auf neun Prozent hochschrauben. In den kommenden Tagen will die EBA offenlegen, wie viel Kapital sich die Kreditinstitute noch beschaffen müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

In Aufsichtskreisen heißt es, die Commerzbank brauche rund fünf Milliarden Euro. Der Vorstand der Bank um Martin Blessing erläuterte dem Aufsichtsrat am Freitag eine Reihe möglicher Maßnahmen, um das Ziel ohne Staatshilfe zu erreichen. Der Erfolg hängt jedoch stark vom Fortgang der europäischen Staatsschuldenkrise ab.

dab
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