Verdacht auf Geldwäsche Deutsche Ermittler gehen gegen libanesischen Zentralbankchef vor

Im Libanon sollen massiv öffentliche Gelder veruntreut worden sein. Europäische Behörden haben nun Vermögenswerte von 120 Millionen Euro des Zentralbankchefs und seiner Entourage beschlagnahmt – etwa Immobilien in Hamburg und München.
Zentralbankchef Riad Salamah: Wer veruntreute 300 Millionen Dollar?

Zentralbankchef Riad Salamah: Wer veruntreute 300 Millionen Dollar?

Foto: MOHAMED AZAKIR / REUTERS

Der Libanon leidet unter der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise seiner Geschichte, der Chef der Zentralbank, Riad Salamah, ließ es sich dagegen offenbar gut gehen. Örtlichen Medien zufolge sollen über eine Firma seines Bruders Radscha mehr als 300 Millionen Dollar (273 Millionen Euro) veruntreut worden sein.

Nun gehen auch die Strafverfolgungsbehörden in Europa gegen den Notenbanker vor. Deutsche Ermittler untersuchen zusammen mit Kollegen aus Frankreich und Luxemburg den Fall und verdächtigen Salamah der Geldwäsche.

Die Angelegenheit betreffe neben dem Zentralbankchef auch dessen Entourage, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I mit. Wie die europäische Justizbehörde Eurojust mitteilte , wurden bereits am Freitag im Zuge der Untersuchungen fünf Immobilien in Deutschland und Frankreich sowie Bankkonten beschlagnahmt.

Ermittlungen auch in der Schweiz und im Libanon

Laut Eurojust wurden Vermögenswerte in Höhe von 120 Millionen Euro sichergestellt. Beschlagnahmt worden seien zwei Immobilien in München, eine in Hamburg sowie zwei in Paris. Auch Anteile an einer in Düsseldorf ansässigen Immobiliengesellschaft seien sichergestellt worden.

Die Hauptermittlungen richteten sich gegen fünf Verdächtige. Ihnen werde vorgeworfen, im Libanon öffentliche Gelder in Höhe von mehr als 330 Millionen Dollar veruntreut zu haben.

Die Namen der Beschuldigten nannte Eurojust nicht, somit ist unklar, wer der Veruntreuung verdächtigt wird.

Zentralbankchef weist Vorwürfe zurück

Salamah steht seit Längerem im Libanon in der Kritik. In der schweren Wirtschaftskrise hat die libanesische Lira zum US-Dollar zuletzt mehr als 90 Prozent ihres Werts verloren. Kritiker machen dafür Salamah verantwortlich. Sie sehen ihn als Erfinder einer Art Schneeballsystem, das das Land in eine hohe Verschuldung getrieben hat. Andere loben ihn dafür, dass er Libanons Finanzen über Jahrzehnte stabil gehalten habe.

Salamah steht seit rund 30 Jahren an der Spitze der libanesischen Zentralbank. Gegen ihn laufen auch in der Schweiz sowie im Libanon selbst Ermittlungen. Der Zentralbankchef hat die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen. Seine Unterstützer sehen hinter den Ermittlungen politische Motive. Salamahs Bruder Radscha sitzt im Libanon wegen der Anschuldigungen in Haft.

apr/dpa
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