Verlustreiche Tochter GM plant "unpopuläre Entscheidungen" bei Opel

Im Streit um die mögliche Schließung von Werken verschärft sich der Ton zwischen Opel und dem Mutterkonzern General Motors. Europachef Stracke fordert mehr Effizienz, Arbeitnehmervertreter stellen ihren Sanierungsbeitrag in Frage. "Wir bezahlen doch nicht für die eigene Beerdigung."

Opel-Produktion in Bochum: GM will den 24-Stunden-Betrieb
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Opel-Produktion in Bochum: GM will den 24-Stunden-Betrieb


Rüsselsheim/New York - Was wird aus Opel? Diese Frage beschäftigt am Montag eine Betriebsversammlung im Rüsselsheimer Werk des Autobauers. Auch die Ministerpräsidenten von Hessen und Rheinland-Pfalz, Volker Bouffier (CDU) und Kurt Beck (SPD) haben ihre Teilnahme angekündigt. Sie wollen ihre Solidarität mit den Mitarbeitern demonstrieren, nachdem der SPIEGEL über geplante Produktionsverlagerungen und Werksschließungen durch die Opel Mutter General Motors (GM) berichtet hatte.

Doch GM-Europachef Karl Stracke machte den Opel-Mitarbeitern vorab wenig Hoffnung. "Wir müssen viele Einzelmaßnahmen umsetzen, um Opel so schnell wie möglich wieder profitabel zu machen", sagte Stracke dem "Wall Street Journal" ("WSJ"). "Dazu gehören auch unpopuläre Entscheidungen."

Der Manager sagte weiter, jedes Opel-Werk, das die Umstrukturierung überlebe, müsse genügend Fahrzeuge für einen Betrieb über 24 Stunden oder drei Schichten produzieren. Dieser Maxime sei auch die Wahl des künftigen Astra-Standorts untergeordnet. Darüber werde in Kürze entschieden. Derzeit sind die GM-Werke in Europa dem Bericht zufolge nur zu 65 Prozent ausgelastet, erst ab 80 Prozent würden sie profitabel.

Zum wiederholten Mal erteilte Stracke Forderungen der Arbeitnehmer eine Absage, den Absatz durch verstärkte Exporte zu steigern. "Exporte verbessern die Bilanz, aber nicht die Auslastung der Werke", sagte er dem "WSJ".

Der neue Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug kritisierte die jüngsten Sanierungspläne für den Autohersteller. "Lohnverzicht ist die primitivste Form der Einsparung. Da reden wir über maximal zweistellige Millionenbeträge. Bei Material- und Produktkostenverbesserungen reden wir dagegen über dreistellige Millionensummen", sagte er der Branchenzeitung "Automobilwoche".

Schäfer-Klug will die GM-Führung weiterhin zu Investitionen in den Export animieren. "Wenn sie heute nichts tun, um in vier bis fünf Jahren außerhalb von Europa Erfolg zu haben, dann bleiben sie im europäischen Markt eingeschlossen", sagte er.

Rainer Einenkel, Betriebsratschef des Opel-Werks in Bochum, das von Schließung bedroht ist, stellte derweil den Sanierungsbeitrag der europäischen GM-Beschäftigten in Höhe von jährlich 265 Millionen Euro in Frage. Dem "Focus" sagte er: "Wir bezahlen doch nicht für die eigene Beerdigung."

Laut einem Bericht des "Handelsblatts" muss Opel noch mehr Entwicklungskompetenz an den GM-Partner PSA Peugeot Citroën Chart zeigen abgeben als bislang bekannt. Demnach sollen die Franzosen nicht nur die Entwicklung des Opel-Minivans Zafira übernehmen, sondern auch die Entwicklungsverantwortung für das nächste Modell des Kastenwagens Combo. Eingekauft wird der aktuelle Combo bereits jetzt weitgehend beim italienischen Autohersteller Fiat. Ein Opel-Sprecher wollte die Informationen nicht bestätigen und betonte, es sei noch keine Entscheidung gefallen.

Opel leidet unter Absatzschwäche und hohen Verlusten. In den vergangenen zehn Jahren verlor GM mit der Tochter mehr als zehn Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2012 ging die Verlustserie mit einem Minus von rund 250 Millionen Euro weiter.

dab/dapd



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