General Motors Reilly pocht auf deutsche Staatshilfen für Opel

General Motors ruft immer lauter nach europäischer Hilfe für die Opel-Sanierung: Europachef Nick Reilly besteht auf finanzielle Unterstützung auch aus Deutschland. Bei der Umstrukturierung sollen nach jüngsten Plänen nur noch 8300 statt 9000 Stellen wegfallen.

GM-Europachef Nick Reilly:
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GM-Europachef Nick Reilly:


Rüsselsheim - Der US-Autokonzern General Motors (GM) erwartet für die Sanierung seiner maroden Tochter Opel weiter Staatshilfen von europäischen Regierungen - auch der deutschen. Europachef Nick Reilly widersprach am Samstag in einer Telefonkonferenz Darstellungen, wonach der Mutterkonzern in den USA genügend Geld habe, um seine europäische Tochter selbst zu sanieren. "Das ist nicht der Fall", sagte der Manager.

Reilly verwies darauf, dass die Bundesregierung das Konsortium aus dem Zulieferer Magna International und der russischen Sberbank, die Opel hatten kaufen wollen, unterstützt hätte. Deswegen erwarte man jetzt auch Hilfe. "Wir wären natürlich enttäuscht, sollte Deutschland das einzige Land sein, das jegliche Hilfe verweigert", sagte Reilly. Von verschiedenen anderen Ländern habe es bereits positive Signale gegeben. Zahlen wollte er aber weiterhin nicht nennen, "um nicht ein Land gegen das andere auszuspielen".

GM braucht für die Restrukturierung seines Europageschäfts nach eigenen Angaben 3,3 Milliarden Euro. Davon sollen 2,7 Milliarden Euro die europäischen Regierungen bereitstellen.

Reilly betonte, dass der Sanierungsplan jedoch von staatlichen Hilfen der Länder mit Opel-Standorten unabhängig sei. Auf die Zahl der zu streichenden Stellen in Deutschland werde auch finanzielle Unterstützung keinen Einfluss haben. Einzelheiten dazu, welche Länder wie stark vom Arbeitsplatzverlust betroffen wären, wollte er erneut nicht nennen. Eine Entscheidung über die Zukunft des Opel-Werks in Antwerpen, das zur Disposition steht, werde Ende des Jahres oder Anfang 2010 bekanntgegeben, sagte Reilly. "Wir schauen uns nach Alternativen um."

Reilly will Produktpalette ausbauen

Zugleich kündigte der Europachef an, möglicherweise schon in der kommenden Woche sein neues Management-Team vorzustellen. Ob der bisherige Geschäftsführer der Adam Opel GmbH, Hans Demant, dazugehört, ließ er offen. Er wolle keine Kommentare zu einzelnen Personen abgeben, sagte Reilly.

Der Manager sieht zudem Lücken in der Produktpalette von Opel. Der Hersteller brauche einen Kleinstwagen. "Das wird unsere oberste Priorität." Eine große Chance sieht der Manager auch in der Entwicklung von Hybrid- und gasbetriebenen Fahrzeugen.

Reilly bekräftigte noch einmal die am Freitag vorgestellten Pläne, doch nicht rund 550 Ingenieursstellen am Rüsselsheimer Entwicklungszentrum von Opel zu streichen. Das frühere GM-Sanierungskonzept, wonach in Europa bis zu 9000 Arbeitsplätze wegfallen sollen, sei inzwischen endgültig vom Tisch, sagte Reilly. Die Zahl stamme noch von Anfang des Jahres und sei nur Teil eines Rechenbeispiels gewesen. Der neue Plan sieht laut Reilly derzeit den Wegfall von 8300 Stellen vor und ist "zu 90 bis 95 Prozent" fertig.

can/AP/dpa/AFP



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mr green 03.11.2009
1.
was soll man sagen?das ganze ist so irrwitzig und abstrakt, dass einem schlicht die worte fehlen...dumm gelaufen....wär fast eine lustige parodie, wenn es dabei nicht um menschen gehen würde. aber rational gesehen, handhaben wir ja zwischenzeitlich alles systemisch...von demher: naiv ist der, der sich noch über irgendetwas wundert!
Haio Forler 03.11.2009
2.
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Kann nicht Quelle mal langsam Opel übernehmen? Oder Ravensburger? Ich kann das widerlich-langweilige Thema langsam nicht mehr hören. Macht mit Opel, was ihr wollt. Nur lasst uns langsam in Ruhe mit dem Gähnfaktor. Wer kauft schon einen Astra.
erben2 04.11.2009
3. Blamage??
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Blamiert? Wieso? Die Herren Koch, Rüttgers und zu Gutenberg haben sich schon vorher der Lächerlichkeit preis gegeben. Herr Rüttgers flog in den USA um für die Arbeiter in Bochum zu kämpfen. Herr zu Gutenberg stand als bestangezogener Politiker Deutschlands in New York und war kurz davor den Ackemann zu machen (Victory) und Herr Koch gab uns schon vor Monaten den Schwätzer. Es geht nicht um die Blamage der deutschen Politik, dazu braucht man auch keine Opel-Krise. Es geht um Tausende Menschen, die sich von der Geschwätzigkeit, der Eitelkeit und der Unehrlichkeit der meisten Beteiligten haben veralbern lassen. Es geht um Arbeiter und Angestellte in den Fabriken, denen in deutscher Sprache das Hemd ausgezogen wurde und die jetzt zu hören bekommen, dass die Manager bei GM schuld sind. Die Krise und Wahlkampf - eine schlimme Kombination.
smokeonit 04.11.2009
4. richtig
richtige Entscheidung! nur unter GM hat Opel eine Chance zu überleben!
Philip Marlowe 04.11.2009
5. Die deutsche Politik
hat nur einmal mehr ihre Realitätsverweigerung bewiesen. Spätestens seit der de facto Verstaatlicheung von General Motors steht der Konzern nicht mehr finanziell mit dem Rücken zur Wand und der (Not-)Verkauf eines der produktivsten Unternehmensteile ist unternehmerischer Widersinn geworden. In Detroit konnte man sich beruhigt zurücklehnen und abwarten, wieviele Milliarden die Deutschen bis zur Bundestagswahl noch lockermachen. Und jetzt sagt man den Schwachsinn mit Magna und der quasi-staatlichen russischen Bank eben wieder ab. That's life...
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