US-Milliardär sieht Freiheit bedroht George Soros warnt vor digitalem Aufstieg Chinas

Der US-Philanthrop George Soros blickt besorgt auf Chinas Datensammelwut. Er sieht im Wettlauf bei künstlicher Intelligenz einen Systemkonflikt, der die freie Gesellschaft gefährdet.
George Soros

George Soros

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Die Coronakrise hat den ökonomischen Wettstreit der Volkswirtschaften durcheinandergewirbelt. Mit der konjunkturellen Erholung kehren die alten Sorgen nun wieder zurück – zum Beispiel im Fall von China. Die Volksrepublik könnte digital dominierender werden, als es vielen westlichen Nationen lieb sein dürfte, warnt George Soros.

Der 91-jährige Investor und Philanthrop spricht in einem Beitrag, den die Zeitung »Die Welt«  veröffentlicht hat, von einer Systemfrage, die durch den Wettlauf um die Vormacht bei künstlicher Intelligenz befeuert werde. China habe seine Techplattformen zu Nationalhelden erkoren, während die USA aus Sorge um die Freiheit des Individuums zögerten. »Diese unterschiedlichen Standpunkte werfen ein neues Licht auf den Konflikt zwischen den beiden Regierungssystemen, die die USA und China verkörpern«, heißt es.

Soros hofft auf friedlichen Nachfolger Xi Jinpings

Dies ist aus Sicht von Soros gefährlich, weil künstliche Intelligenz dazu beitragen könne, »Kontrollinstrumente zu schaffen, die repressiven Regierungssystemen den Rücken stärken und offene Gesellschaften gefährden«. Dabei hätten sich während der Coronakrise repressive Machthaber weiter stärken können, da deren System »die Verwendung personenbezogener Daten für öffentliche Kontrollzwecke legitimiert hat«.

Auch durch solche Entwicklungen sei die weltweite Vormachtstellung der USA infrage gestellt – wenngleich dies im globalen Westen weniger wahrgenommen werden wolle. Soros verweist dabei auf Einfluss und Geschäfte der großen Digitalkonzerne. »Wir alle können sie aufzählen: Facebook, Google, Apple und Amazon. In China gibt es ähnliche Großkonzerne, doch sind ihre Namen im Westen weniger bekannt.«

Allerdings stehe China, so zitiert der Sender CNN  Soros, wegen des Zusammenbruchs des Immobilienbooms auch am Rande einer Wirtschaftskrise. Ende 2021 hatte insbesondere der angeschlagene Evergrande-Konzern die Branche in dem Land in Schieflage gebracht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Soros einer zu großen Macht Chinas entgegentritt. Staatschef Xi Jinping sei der »gefährlichste Gegner einer offenen Gesellschaft«, hatte der Milliardär etwa am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos 2019 gesagt. Er warnte von einer »tödlichen Bedrohung«, die sich aus dem Zusammenspiel zwischen Regime und Technologie ergeben könne.

Inwieweit die technologische Dominanz des Landes zu dauerhaftem Erfolg führe, zweifelte Soros nun jedoch an. Auch weil Xi im Gegensatz zu Deng Xiaoping ein überzeugter Kommunist sei. »Es ist zu hoffen, dass Xi Jinping durch jemanden ersetzt wird, der im Inland weniger repressiv agiert und im Ausland mehr auf Frieden baut«, so Soros in der »Welt«. Dies könnte »die größte Bedrohung beseitigen, mit der freie Gesellschaften gegenwärtig konfrontiert sind«.

apr
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