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17. Juli 2010, 14:40 Uhr

Geplante Abgabe

Air Berlin und Lufthansa zoffen sich wegen Flugsteuer

Die geplante Flugsteuer sorgt für Zoff: Lufthansa und Air Berlin versuchen verzweifelt, möglichst günstige Regelungen für sich herauszuschlagen - zum Schaden des jeweils anderen. Verbraucherschützer wettern, die Abgabe sei eine "Mogelpackung", die auf Kosten der Kunden gehe.

Hamburg - Die geplante Luftverkehrssteuer bringt die Airlines mächtig gegeneinander auf. Der Grund: Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat erreicht, dass Umsteigepassagiere und seine Frachtsparte von der geplanten Abgabe ausgenommen werden. Das nun vorgeschlagene Modell trifft deshalb mit einem Zuschlag von 13 Euro für Kurz- und Mittelstrecken sowie 26 Euro für Langstrecken den Erzkonkurrenten Air Berlin besonders heftig.

Unternehmenschef Joachim Hunold will das nicht hinnehmen. Deshalb schlägt er vor, den Aufschlag auch nach der Buchungsklasse zu staffeln. Das würde die Lufthansa um einiges stärker belasten als beispielsweise Air Berlin, da der kleinere Wettbewerber deutlich weniger internationale Flüge anbietet und auch nur wenige Business-Class-Sitze vorhält.

Privatkunden oder Familien mit Kindern würden von Hunolds Modell profitieren. Geschäftsreisende in der First- und Business-Class, die wesentlich mehr Platz sowie Betreuung im Jet beanspruchen und deren Tickets von ihrem Arbeitgeber ohnehin zumeist steuermindernd geltend gemacht werden, müssten dagegen deutlich mehr bezahlen.

Das Bundesfinanzministerium hat sich zuletzt offen für Änderungen an der Ausgestaltung der geplanten Luftverkehrsabgabe gezeigt und eine mögliche Staffelung der Abgabe nach Flugklassen nicht ausgeschlossen. Ein Lufthansa-Sprecher dagegen weist den Air-Berlin-Vorschlag entschieden zurück.

Gerade First- und Business-Kunden, argumentiert er, würden ohnehin verstärkt größere Distanzen zurücklegen und so den erhöhten Obolus von 26 Euro zahlen. Außerdem sei eine massivere Verlagerung von Verkehrsströmen zu ausländischen Drehscheiben zu befürchten.

Verbraucherschützer: Eine Steuer, die als Sparbeitrag verkauft wird

Auch Verbraucherschützer macht die Abgabe wütend. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV), Gerd Billen, sprach im Berliner "Tagesspiegel am Sonntag" von einer "Mogelpackung". Die Abgabe sei im Sparpaket als Sparbeitrag der Wirtschaft verkauft worden, tatsächlich belaste sie aber den Geldbeutel der Verbraucher.

Das Gesetz soll voraussichtlich Ende August so weit sein, dass es vom Kabinett beschlossen werden kann. Die Abgabe soll ab 2011 gelten und dem Staat rund eine Milliarde Euro bringen.

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