Geplanter Börsengang "Facebook ist der 800-Pfund-Gorilla"

Gigant greift Gigant an: Mit dem größten IT-Börsengang bisher könnte Facebook sogar Google ausstechen. Gründer Zuckerberg wagt den Schritt, obwohl die USA und Europa in einer tiefen Krise stecken und die Finanzmärkte verrückt spielen. Experten halten seine Strategie dennoch für richtig.
Gründer Zuckerberg: Lange zögerte er, Facebook an die Börse zu bringen

Gründer Zuckerberg: Lange zögerte er, Facebook an die Börse zu bringen

Foto: KIMIHIRO HOSHINO/ AFP

Berlin - Zuletzt wirkte es fast so, als sträube Mark Zuckerberg sich dagegen, seine Milliarden weiter zu vermehren. Darauf ließ zumindest seine Strategie schließen, den Börsengang von Facebook immer wieder zu verschieben. Doch nun rückt der Schritt näher, der dem Gründer des sozialen Netzwerks mindestens 24 Milliarden Dollar einbringen könnte.

Laut "Wall Street Journal" erwägt Facebook einen Börsengang für Frühjahr 2012. Bei einer Bewertung von 100 Milliarden Dollar strebt das Unternehmen demnach an, von Anlegern zehn Milliarden Dollar einzusammeln. Das wäre der größte Börsengang einer IT-Firma aller Zeiten, eine Kampfansage vor allem an den größten Konkurrenten Google  . Der spielte vor sieben Jahren 1,9 Milliarden Dollar ein - und startete in der Folge seinen Aufstieg zum Megakonzern, der zuletzt 2,7 Milliarden Dollar Gewinn in einem Quartal feierte.

Zuckerbergs Zögern hatte mehrere Gründe: Zum einen wollte er wohl tatsächlich Ruhe beim Aufbau seines Unternehmens haben. Also expandieren, ohne aufgeregten Investoren alle drei Monate neue Rekordzahlen präsentieren zu müssen. Zum anderen dürfte aber auch die Lage auf den Finanzmärkten ein Grund dafür gewesen sein, Facebook nicht schon in diesem Jahr an die Börse zu bringen. In Europa gerät derzeit ein Land nach dem anderen in den Sog der Schuldenkrise, auch die USA haben zu viele Schulden bei schwachem Wachstum. Die OECD warnt in ihrem Wirtschaftsausblickbereits vor einer weltweiten Rezession.

Und in dieser Situation, wo eine negative Nachricht auf die nächste folgt, will Zuckerberg sein Unternehmen nun doch an die Börse bringen? Auf den ersten Blick ein riskantes Unterfangen. Dennoch rechnen Experten fest mit einem Erfolg. "Facebook wächst, hat ein solides Geschäftsmodell und könnte Google als erfolgreichstes Internetunternehmen verdrängen", sagt Armin Himmelreich von der Beratungsgesellschaft Mücke Sturm & Company.

Bald eine Milliarde Nutzer?

Auch die Bewertung von 100 Milliarden Dollar sei nicht übertrieben, sondern "eine Wette auf die Zukunft", sagt der Berater. Nach einer konventionellen Kurs-Gewinn-Beurteilung wäre das Netzwerk zwar nur 15 bis 20 Milliarden Dollar wert. "Aber am Markt wird erwartet, dass Facebook Google vom Thron stürzen kann."

Das liegt unter anderem daran, dass die Verweildauer der Facebook-Nutzer kürzlich jene beim Suchmaschinenbetreiber überholt hat. Das Netzwerk hat es geschafft, seine Nutzer wesentlich stärker an sich zu binden als Google. Die Verweildauer ist für Werbekunden extrem wichtig. Himmelreich schränkt aber ein, dass Google sie derzeit noch besser zu Geld machen kann als der Herausforderer.

Doch das könnte sich bald ändern, glaubt auch Jason Whitmire vom Risikokapitalgeber Earlybird: "Facebook wird Google bald übertrumpfen." Deshalb sei jetzt auch der richtige Zeitpunkt für den Börsengang. Das Unternehmen könne im Frühjahr das nötige Kleingeld einsammeln, um Google mit Übernahmen und Investitionen zu attackieren.

Dass die Krise bei Anlegern für Zurückhaltung sorgen könnte, hält Whitmire für kaum möglich: "Bis zum Sommer könnte das Netzwerk die Zahl von einer Milliarde Nutzern knacken, die Werbeeinahmen wachsen explosionsartig, kurz: Facebook ist der 800-Pfund-Gorilla, auf den die Anleger warten."

Aber Moment: Wurden die Börsengänge des Schnäppchenportals Groupon und des Karrierenetzwerks LinkedIn   zuletzt nicht ähnlich euphorisch angekündigt? Und nun ist die LinkedIn-Aktie auf die Hälfte ihres Rekordwerts gefallen, Groupon liegt mit 15 Dollar sogar deutlich unter dem Ausgabepreis.

Doch Facebook spielt wohl tatsächlich in einer anderen Liga. "Bei Groupon ist ja zumindest fragwürdig, wie tragfähig das Geschäftsmodell wirklich ist", sagt Berater Himmelreich. Whitmire sekundiert: "Auch in einer Krise ist es für ein innovatives Unternehmen, das so stark wächst, kein Risiko, an die Börse zu gehen."

Mit Material von dpa
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