Geprellte Anleger Millionenbetrüger Kiener muss elf Jahre ins Gefängnis

In einem der größten Fälle von Anlagebetrug in Deutschland ist das Urteil gefallen: Der frühere Hedgefonds-Manager Helmut Kiener muss für fast elf Jahre ins Gefängnis. Mit einem Schneeballsystem hat er Tausende Anleger und sogar Großbanken um mehr als 300 Millionen Euro geprellt.
Helmut Kiener: Manche nannten ihr Mini-Madoff"

Helmut Kiener: Manche nannten ihr Mini-Madoff"

Foto: David Ebener/ dpa

Würzburg - Knast in Deutschland statt Villa in Florida: Der frühere Hedgefonds-Manager Helmut Kiener ist zu einer Haftstrafe von zehn Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Würzburg sprach den 52-Jährigen wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung schuldig. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Kiener 5000 Anleger und zwei Großbanken über Jahre hinweg mit einem Schneeballsystem um mehr als 300 Millionen Euro gebracht hat.

Manche tauften Kiener gar "Mini-Madoff" - in Anspielung auf den verurteilten US-Betrüger Bernard Madoff, der mit einem Schneeballsystem Investoren abgezockt hatte.

Auch ein Komplize Kieners muss ins Gefängnis: Den als Fondsverwalter eingesetzten Mann verurteilte das Landgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Er hatte als Buchhalter für Kieners Fonds fungiert und Belege gefälscht.

Über ein kompliziertes Firmengeflecht hatte Kiener von Anfang 2006 bis Oktober 2009 Geschäfte gemacht, wegen denen er vor Gericht stand. Mit einem Teil des Geldes finanzierte der 52-Jährige seinen luxuriösen Lebensstil. Die Staatsanwaltschaft sprach von "Statussymbolen eines angeblich erfolgreichen Hedgefonds-Managers". Demnach soll Kiener in einer 23 Millionen Euro teuren Luxusvilla in Florida residiert haben, nutzte Flugzeuge, einen Hubschrauber und besorgte sich laut SPIEGEL einen Diplomatenpass des westafrikanischen Kleinstaats Guinea-Bissau.

Ein Teil des Geldes versickerte laut den Richtern aber auch als Provision bei Fondsvermittlern und Banken. Kiener hatte im Laufe des rund fünfmonatigen Prozesses ein Geständnis abgelegt. Der Finanzmanager aus Aschaffenburg bestritt aber, dass er es von Anfang an auf Betrug abgesehen habe.

Erst nach sieben Jahren flog der Betrug auf

Das Gericht aber sah es als erwiesen an, dass Kiener als Gründer der Finanzkonstruktion K1 mit einem Schneeballsystem seine Geschäfte machte. Die beiden auf den Britischen Jungferninseln registrierten Investmentfonds "K1 Global" und "K1 Invest" fuhren massive Verluste ein, Kiener zahlte parallel Gewinne aus, die wohl nur aus den Einzahlungen neuer Anleger gespeist wurden.

Erst nach sieben Jahren waren die Betrügereien im Herbst 2009 aufgeflogen. Kiener hatte über diese Zeit Abrechnungen und Kontoauszüge gefälscht, um die Verluste der riskanten Anlagen zu verschleiern. Er sagte, angesichts der hohen Ansprüche der Investoren habe er sich immer weiter in die Sache verstrickt und zu spät die Reißleine gezogen - auch um seinen aufwendigen Lebensstil aufrechterhalten zu können.

Kiener wurde wegen zehnfachen Betrugs im besonders schweren Fall, 86 Fällen der gewerbsmäßigen Urkundenfälschung und fünffacher Steuerhinterziehung verurteilt. Das Gericht blieb mit seinem Strafmaß unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die eine Haftstrafe von zwölf Jahren und neun Monaten gefordert hatte.

mmq/dpa-AFX/Reuters
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