Russland-Lobby Schröder jetzt sogar als Chefaufseher bei Rosneft im Gespräch

Noch mehr Geld und Einfluss für Gerhard Schröder? Laut russischen Medienberichten soll der Ex-Kanzler nicht nur in den Aufsichtsrat des russischen Staatskonzerns Rosneft, sondern sogar den Vorsitz übernehmen.

Schröder, Putin, Rosneft-Chef Setschin
imago/ITAR-TASS

Schröder, Putin, Rosneft-Chef Setschin


Gerhard Schröder (SPD) soll Ende September Mitglied des Aufsichtsrats des russischen Ölkonzerns Rosneft werden. Nun wird bekannt, dass der Ex-Kanzler darüber hinaus sogar Chef des Gremiums werden könnte. Das berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Verweis auf den Entwurf eines entsprechenden Dokuments der russischen Regierung.

Der Konzern Rosneft ist formal privatwirtschaftlich organisiert, mehrheitlich aber in der Hand des russischen Staates und eng mit dem Kreml vernetzt. Chef des Managements ist Igor Setschin, Wladimir Putins ehemaliger Büroleiter. Sollte Schröder tatsächlich an die Spitze des Rosneft-Gremiums aufrücken, wäre das ein für ein russisches Staatsunternehmen außergewöhnlicher Schritt. Der Vorsitz des Aufsichtsrats bei dem Ölkonzern wäre mit deutlich mehr Einfluss verbunden - und auch einer höheren Vergütung.

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Rosneft: Der Aufstieg von Putins Tankstelle

Laut Interfax wird Schröder in dem Regierungsdokument als Kandidat für den Spitzenposten geführt. Schröder sei ein weltweit angesehener Politiker, der sich stets für die Energiezusammenarbeit zwischen Europa und Russland eingesetzt habe. In dem Dokument werde auch seine frühere Erfahrung als Verwaltungsratsmitglied bei internationalen Energiefirmen gelobt. Schröders Büro verwies eine Anfrage des SPIEGEL weiter an Rosneft. Ein Sprecher des Konzerns lehnte einen Kommentar ab.


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In Rosneft-Kreisen wird allerdings bestätigt, dass Schröder tatsächlich nicht nur als einfaches Mitglied des Aufsichtsrates im Gespräch ist. Der neue Rosneft-Verwaltungsrat wird auf einer Aktionärsversammlung am 29. September in Sankt Petersburg gewählt.

Bislang bekleidet Putins ehemaliger Wirtschaftsminister Andrej Beloussow den Posten. Da der Kreml ihn weiterhin offiziell als Wirtschaftsberater und damit als Staatsbediensteten führt, bekam er laut Rosneft keine Vergütung für seine Tätigkeit. Bei Schröder wäre das im Falle seiner Berufung anders. Aus vergangenen Geschäftsberichten von Rosneft geht hervor, dass frühere Chefs des Aufsichtsrates eine im Schnitt rund zehn Prozent höhere Vergütung bekommen, teilweise in Form von Aktienpaketen von Rosneft.

Als Grundbetrag weist Rosneft bislang rund 500.000 Dollar für einfache Aufsichtsräte aus, hinzu kommen Zuschläge, etwa für die Mitarbeit in Arbeitsgruppen. 2016 tagte der Aufsichtsrat des Ölkonzerns insgesamt 27-mal - persönlich kamen die Mitglieder allerdings gerade einmal fünfmal zusammen.

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Im Bundestagswahlkampf haben CDU und CSU Schröders Kandidatur für Attacken auf die SPD und Außenminister Sigmar Gabriel genutzt. Gabriel hatte sich zuletzt Anfang Juni in Sankt Petersburg mit Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin getroffen.

Rosneft steht international wegen zweifelhaften Geschäftsgebahrens in der Kritik. In Venezuela unterstützt der Konzern die umstrittene sozialistische Regierung mit Milliardenkrediten. In Russland setzt Rosneft Konkurrenten zu: Erst verleibte sich der Konzern den privaten Konkurrenten Baschneft ein und erstritt vor einen Provinzgericht dann noch zwei rund Milliarden Dollar Schadensersatz von dem ursprünglichen Baschneft-Eigner, den der Staat bereits enteignet hatte.

heb/beb/Reuters

insgesamt 88 Beiträge
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Seite 1
shekina_niko 29.08.2017
1. unfassbar...
...wie sehr Schröder mit seinem Verhalten den Ruf der SPD schädigt. Und das ausgerechnet in Zeiten des Wahlkampfs. Schämen Sie sich, Herr Schröder!
arago 29.08.2017
2. Ich bin stolz auf unseren Gerhard!
Er wird die Interessen der deutschen Gaskunden vertreten und deshalb gönne ich ihm den Posten. Ich hoffe, dass in ähnlichen Fällen eine ähnliche Aufgeregtheit an den Tag gelegt wird - z.B. wenn es sich um britische oder amerikanische Konzerne handeln würde. Das einzige, worum ich unseren Exkanzler bitten würde, vielleicht einen Teil von seinen Einnahmen gemeinnützigen Zwecken zu spenden und den Rest in Deutschland ordnungsgemäß zu versteuern.
Attila2009 29.08.2017
3.
ja und ? Wo ist da unser Problem ? Schröder kann machen was er will. Er ist nicht mehr Bundeskanzler und auch kein SPD Vorsitzender ,er ist ein freier Mann ohne politische Ämter. Im Gegenteil, ich finde das gut für die deutsch - russichen Beziehungen. Dass hier die Transatlantiker aufheulen ist klar , aber die Karawane zieht weiter.
ctor 29.08.2017
4. Und?
Er ist seit 12 (in Worten ZWÖLF) Jahren nicht mehr Bundeskanzler. Wo ist das Problem? Weil man Kohl nie eine Stelle in der freien Wirtschaft anbot? Merkel nie eine bekommen wird? Oder weil die letzten beiden Bundesverkehrsminister direkt nach ihrer Amtszeit in ein Lobbyamt kaufte? Mit Sicherheit nicht wegen nachgewiesener Qualifikation. Aber in ihren Ämtern nehmen sie nun deutlich Stellung gegen das Interessen der Bevölkerung ein. Entweder gleiches Recht für alle - und gleiche Berichterstattung über alle Fälle. Oder doch lieber etwas "kleiner" berichten!
forky 29.08.2017
5. Aushalten
Zitat von shekina_niko...wie sehr Schröder mit seinem Verhalten den Ruf der SPD schädigt. Und das ausgerechnet in Zeiten des Wahlkampfs. Schämen Sie sich, Herr Schröder!
Das müssen wir aushalten. Merkel lässt sich von den USA in eine russlandfeindliche Politik drängen. Da ist es gut, wenn der Altkanzler den Gesprächsfaden mit dem Kreml jederzeit wieder aufnehmen kann. In der aktuellen Weltlage wäre es schlimm, wenn Schröder seine russischen Jobs hinschmeissen würde.
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