Altbundeskanzler auf LinkedIn Schröder wettert gegen Aus für Currywurst in VW-Kantine

»Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben«: Die Entscheidung des Autokonzerns, die Currywurst vom Speiseplan einer Kantine zu streichen, erregt den Unmut von Altbundeskanzler Gerhard Schröder.
Currywurstfan Schröder (2007): »Phasenweise« auch vegetarische Ernährung

Currywurstfan Schröder (2007): »Phasenweise« auch vegetarische Ernährung

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Thomas Koehler / photothek / imago images

Außer Zigarren und maßgeschneiderten Anzügen sind zwei weitere Leidenschaften Gerhard Schröders bekannt: Autos und Currywurst. Entsprechend getroffen hat ihn offenbar die Nachricht, dass ausgerechnet Volkswagen alle fleischhaltigen Gerichte – inklusive der Currywurst – vom Speiseplan der Kantine im Wolfsburger Markenhochhaus genommen hat.

»Kraftriegel der Facharbeiterin«

Gerhard Schröder über die Currywurst

Als Ministerpräsident des Großaktionärs Niedersachsen saß Schröder vor seinem Aufstieg zum »Autokanzler« im Kontrollgremium von Volkswagen. Doch nun muss sich der Altbundeskanzler damit begnügen, seinem Unmut auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn Luft zu machen: »Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben«, stellt er gleich zu Beginn klar – bevor er eine möglicherweise dem Zeitgeist geschuldete Beschwichtigung einschiebt: »Vegetarische Ernährung ist gut, ich selbst mache das phasenweise auch.« Unmissverständlich macht Schröder klar, wo die fleischlose Ernährung seiner Meinung nach an ihre Grenzen stoßen muss: »Grundsätzlich keine Currywurst? Nein!«

Bis hierhin fehlt es der Stellungnahme des Altkanzlers noch etwas an Argumenten für seine Position, die er nun zu liefern versucht: »Ob die Beschäftigten bei VW das wirklich wollen?«, fragt Schröder rhetorisch und verweist dann auf die sieben Millionen Currywürste, die die Volkswagen-eigene Fleischerei noch 2019 hergestellt habe. Mehr noch: »Currywurst mit Pommes ist einer der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion. Das soll so bleiben.«

#rettetdieCurrywurst

Wenn er in Berlin sei, so Schröder, »führt mich mein erster Weg meist zu einer der hervorragenden Currywurstbuden«. Wie um Ärger in seiner Heimatstadt zu vermeiden, fügt er hinzu: »Auch in Hannover gibt es exzellente Currywürste.« Darauf wolle er nicht verzichten, so Schröder, »und ich denke: Viele andere wollen das in ihren Betriebskantinen auch nicht«. Als Abschluss setzt der social-media-affine Altkanzler einen markanten Hashtag: #rettetdieCurrywurst.

Damit bedient sich Schröder eines rhetorischen Kniffs. Während er zu Beginn noch korrekt festgestellt hatte, dass »eine« VW-Kantine Fleisch von der Speisekarte verbanne, setzt er sich anschließend für das Recht aller VW-Beschäftigten auf ihre Currywurst ein. Doch hier ging der einstige Genosse der Bosse, dessen Partei im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen 2012 tatsächlich plakatierte »Currywurst ist SPD«, zu weit.

Prompt widerspricht der Pressesprecher des Konzernbetriebsrats in einem Kommentar – und verweist auf die knapp 30 anderen Kantinen und Bistros am VW-Stammsitz, die weiter Fleisch und Currywurst anbieten. Und auch VW-Markenvorstand Ralf Brandstätter stellt klar: »Die Currywurst ist sicher kein Auslaufmodell und bleibt allen Kolleginnen und Kollegen erhalten. Das gilt natürlich auch in der Produktion.«

Schröder dürfte das Wurst sein. Schließlich erhält der frühere Bundeskanzler in der Kommentarspalte noch Unterstützung von einem Dax-Vorstandsvorsitzenden. Telekom-Chef Timotheus Höttges bekennt: »Ich liebe Currywurst!!!!!!«

fdi/apr
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