Automobilclub Gericht prüft Vereinsstatus des ADAC

Die Betrugsaffäre könnte für den ADAC enorme Folgen haben: Das Amtsgericht München überprüft, ob sich die wirtschaftlichen Aktivitäten des Automobilclubs mit dem Vereinsrecht vertragen. Der ADAC gibt sich überrascht.
ADAC-Pannenhelfer: Experte hält Vereinsstatus für Anachronismus

ADAC-Pannenhelfer: Experte hält Vereinsstatus für Anachronismus

Foto: Marius Becker/ dpa

München - Das Registergericht beim Amtsgericht München überprüft derzeit den Vereinsstatus des ADAC. Eine Gerichtssprecherin bestätigte am Donnerstag auf Anfrage einen Bericht der "Märkischen Allgemeinen". Es habe in den vergangenen Tagen einen entsprechenden Antrag gegeben. Das Gericht sei nicht von sich aus in der Sache tätig geworden. Über Einzelheiten wollte die Sprecherin nichts sagen.

In einem solchen Verfahren wird etwa geprüft, ob die wirtschaftlichen Aktivitäten eines Vereins noch mit dem Vereinsrecht im Einklang stehen. Mit einer Entscheidung rechnet die Sprecherin in spätestens einem Monat. Der Ausgang sei offen.

Der ADAC steht seit der vergangenen Woche in der Kritik. Hintergrund sind geschönte Teilnehmerzahlen bei der Wahl zum "Gelben Engel". Der damalige Kommunikationschef hatte die Zahlen frisiert, er ist mittlerweile von allen Ämtern zurückgetreten.

Die "Märkische Allgemeine" zitiert einen Vereinsrechtsexperten, der es für möglich hält, dass der ADAC aus dem Vereinsregister gelöscht wird. Dann müsse der Automobilclub eine andere Rechtsform finden und alles, was wirtschaftlich sei, ausgliedern, sagte Olaf Werner von der Universität Jena der Zeitung. Dazu gehöre auch die Pannenhilfe. Diese sei eine Dienstleistung und würde nicht ausreichen, um die Vereinsform zu rechtfertigen, sagte Werner. Nach seiner Auffassung war der Vereinsstatus des ADAC ohnehin ein Anachronismus. "Ein kleiner Verein wäre schon längst anders behandelt worden", sagte Werner.

"Es gab noch nie Beanstandungen"

Der ADAC wurde von der Entwicklung nach eigenen Angaben überrascht. "Wir können hierzu keine weiteren Auskünfte geben, da uns die behauptete Prüfung des Registergerichts nicht bekannt ist", sagte ein Sprecher.

"Der ADAC ist dem Gericht seit vielen Jahrzehnten bekannt", fügte der Sprecher hinzu. "Wir haben auch immer wieder Kontakt und Änderungen im Register. Es gab jedoch noch nie Beanstandungen in dieser Richtung." Gegen Entscheidungen des Registergerichts sind nach Angaben der Sprecherin später Rechtsmittel möglich.

cte/dpa