Glyphosat-Urteil Gericht will Milliardenstrafe für Bayer drastisch reduzieren

Bayer sollte zwei Milliarden Dollar zahlen, weil das Pflanzengift Glyphosat ein US-Rentnerpaar krank gemacht haben soll. Zu viel, entschied nun ein Gericht.

Glyphosathaltiger Unkrautvernichter Roundup
AFP

Glyphosathaltiger Unkrautvernichter Roundup


Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer kann in einem weiteren Prozess um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter mit einer Senkung der Strafe rechnen. Ein Gericht in Oakland teilte am Donnerstag mit, dass die insgesamt rund zwei Milliarden US-Dollar, die eine Geschworenenjury dem Rentnerpaar Alva und Alberta Pilliod zugesprochen hatte, über den verfassungsrechtlich angemessenen Rahmen hinausgehe.

Der Anteil des Strafschadenersatzes soll nach Einschätzung des Gerichts auf maximal das Vierfache des eigentlichen Schadenersatzes von 50 Millionen Dollar reduziert werden. Das wären dann maximal 250 Millionen Dollar.

Die Reduzierung des Schadenersatzes wäre ein Schritt in die richtige Richtung, schrieb ein Bayer-Sprecher. Bayer werde jedoch die endgültige Entscheidung des Gerichts abwarten und dann eine detailliertere Stellungnahme abgeben.

Erst zu Wochenbeginn hatte ein Richter in einem anderen Glyphosat-Prozess die von Geschworenen geforderte Strafe deutlich reduziert - von rund 80 auf etwa 25 Millionen Dollar. Auch er hielt den Anteil des sogenannten Strafschadenersatzes für zu hoch. Dieser existiert im deutschen Recht so nicht. Im US-Recht wird er als Zusatzsanktion bei besonders schweren Entschädigungsfällen verhängt. Bayer kündigte in diesem Verfahren bereits an, in Berufung zu gehen.

hej/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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erdmann.rs 19.07.2019
1. Glyphosat-Urteil
Warum Bayer Monsanto aufgekauft hat, ist mir ohnehin ein Rätsel. Dass Bayer nun auch nach "Altlasten" übernimmt, ist komplett unverständlich. Diese aberwitzigen Schadenersatzforderungen (gibt es nur in USA) stammen doch mit Sicherheit aus der Zeit v o r der Übernahme durch Bayer.
thequickeningishappening 19.07.2019
2. Drei Probleme
1. Das Zeug ist giftig 2. Es ist nahezu unmöglich, Die globale Bevölkerung derzeit ohne Den Einsatz evtl. noch schädlicherer Substanzen zu ernähren und 3. Bayer ist sehenden Auges in Die Falle gesprungen. Ob Da jetzt 5 Millionen oder 2 Milliarden pro Prozess drauf gehen: Bayer folgt Dem Weg Der Deutschen Bank ! Wer Ein Unternehmen mit nicht bezifferbaren Altlasten uebernimmt und Diese nicht rechtlich ausgliedert und dann auch noch Das betreffende Produkt weiter vertreibt Dem muss man Vorsatz unterstellen !
blume4000 19.07.2019
3. Hoffentlich wird die Produktion eingestellt
Das Produkt gehört weg vom Markt. Dann lieber mehr Aufwand höhere Löhne und das Produkt kostet mehr. Also billig, schnell und krank. Ich hoffe das die Menschen endlich verstehen, das die billig Produkte einfach nicht realistisch im Preis Leistungsverhältnis. Lieber bekommt der Arbeiter oder Bauer mehr Geld dafür statt das man mit der Gesundheit bezahlt.
equigen 19.07.2019
4. Es ist nicht giftig für Mensch und Tier, nur für Pflanzen
Es ist mit Sicherheit weit weniger "giftig" oder krebserregend für Menschen als Alkohol. Es ist auch nicht giftig für Insekten. Aber man kann damit die Landschaft so ausräumen, das der Lebensraum für jegliches Getier zerstört wird und nur noch genveränderte Nutzpflanzen unter hohem Düngereinsatz auf dem Boden leben können. Das ist seine reale Schadwirkung. Nicht mehr und nicht weniger. Dass hier solche Schadenersatzsummen gefordert werden ist reine Willkür. Jeder Bierbrauer oder gar Schnapsbrenner müsste sofort geschlossen werden, wenn man die krebserregende Wirkung in realen Bezug zur aufgenommenen Menge setzen würde. Es ist nicht giftig für Bienen und Co, man darf das doch nicht mit Insektiziden verwechseln - tun leider viele Leute.
andrehe 19.07.2019
5. Artenvielfalt
Zitat von equigenEs ist mit Sicherheit weit weniger "giftig" oder krebserregend für Menschen als Alkohol. Es ist auch nicht giftig für Insekten. Aber man kann damit die Landschaft so ausräumen, das der Lebensraum für jegliches Getier zerstört wird und nur noch genveränderte Nutzpflanzen unter hohem Düngereinsatz auf dem Boden leben können. Das ist seine reale Schadwirkung. Nicht mehr und nicht weniger. Dass hier solche Schadenersatzsummen gefordert werden ist reine Willkür. Jeder Bierbrauer oder gar Schnapsbrenner müsste sofort geschlossen werden, wenn man die krebserregende Wirkung in realen Bezug zur aufgenommenen Menge setzen würde. Es ist nicht giftig für Bienen und Co, man darf das doch nicht mit Insektiziden verwechseln - tun leider viele Leute.
Der Einsatz reduziert den Lebensraum für Tiere und damit die Artenvielfalt, was eigentlich separat verhandelt und mit einer noch höheren Strafe geahndet werden müßte (nachträgliche komplette Gewinnabschöpfung für den Einsatz über die Jahrzehnte und Auflage mit Gefängnisstrafe im Wiederholungsfall). Ich nehme an, dass in den aktuellen Fällen Glyphosat entweder höher als in der Beschreibung dosiert wurde oder Menschen dort wohnen, wo Roundup per Flugzeug ausgebracht wurde. Man kann nicht alleine Glyphosat betrachten, sondern muss das eingesetzte Produkt berücksichtigen. Der Landwirt sollte auch bestraft werden, falls er nicht sichergestellt hat, dass sich keine Menschen in dem Sprühgebiet aufhalten, und/oder er die empfohlene Dosis nicht eingehalten hat. Wer meint, wir brauchen Roundup, um eine steigende Weltbevölkerung zu ernähren, hat das Problem schon genannt - die Lösung ist offensichtlich. Populationen wachsen exponentiell, wenn das nicht kontrolliert wird, da hilft sehr bald auch kein Glyphosat mehr. Um Probleme zu lösen, muss man an die Ursache ran.
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