Insolvente Fluglinie Dubiose Deals vor der Germania-Pleite

Der Chef der insolventen Fluglinie Germania soll nach SPIEGEL-Informationen seit dem Sommer Vermögenswerte aus der Firma herausgelöst haben - offenbar um sie vor dem Insolvenzverwalter zu schützen.
Germania-Flugzeuge

Germania-Flugzeuge

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Als Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin im Sommer 2017 Insolvenz anmelden musste, tauchten wilde Gerüchte auf: Die Lufthansa habe die Firma gezielt in die Enge getrieben, um sich ihre Hinterlassenschaften zu sichern. Dem Ex-Chef Joachim Hunold wurde sogar vorgeworfen, er habe sich bereichert. An den Vorwürfen war nichts dran, es gab auch keine Ermittlungen.

Bei dem Anfang der Woche abgestürzten kleinen Konkurrenten Germania könnte sich das anders entwickeln. Nach SPIEGEL-Informationen wurden bei ihr im Vorfeld der Pleite Vermögenswerte verschoben und neue Ableger gegründet - womöglich um potenziellen Gläubigern im Insolvenzfall den Zugriff zu erschweren. Das geht aus Unterlagen des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg hervor. Es ist auch für das am Montag dieser Woche eröffnete Insolvenzverfahren zuständig.

Laut den Dokumenten ließ Germania-Chef und Alleineigentümer Karsten Balke bereits im April 2018 über einen Mittelsmann eine neue Firma namens Germania Flugzeugbeteiligungsgesellschaft gründen und sich zu deren Geschäftsführer bestellen. Bevorzugter Zweck der Firma war "der Erwerb und das Halten von Flugzeugen". Dabei war die Vorläuferfirma SAT, die zuvor alle Jets besessen hatte, erst im November 2017 mit der Fluglinie Germania verschmolzen worden. Im August 2018 kaufte Balke dann eine Vorratsgesellschaft namens Rubin 88 und benannte sie in Germania Aviation Asset AG um. Geschäftsgegenstand dort ist "der Handel und die Vermietung von Flugzeugen, Zubehör und Ersatzteilen".

Will Germania-Chef Balke neu durchstarten?

Auf diese Firma übertrug er einen bereits im Juli 2016 erteilten Airbus-Auftrag über 25 Maschinen vom Typ A320 im Wert von rund zwei Milliarden Euro. Die ersten zehn Jets sollen ab Januar 2020 ausgeliefert werden. Da die Maschinen begehrt sind, ließe sich das Anrecht auf den Bezug der Flugzeuge womöglich an der Insolvenzmasse vorbei zu Geld machen. Oder will Balke mit den spritsparenden Maschinen selbst neu durchstarten?

Die vorerst letzte Transaktion erfolgte am 27. Januar, nur eine Woche vor dem Insolvenzantrag. Eine Schwestergesellschaft der Germania-Fluggesellschaft, die das Usedom-Palace-Hotel in Zinnowitz und das Hotel Waldhaus Prieros in Heidesee betreibt, gehört neuerdings der Witwe des Firmengründers, Ingrid Bischoff. Sie gilt als große Förderin von Balke und soll sich in beiden Häusern gerne aufgehalten haben.

Balke selbst reagierte nicht auf Anfragen des SPIEGEL. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Rüdiger Wienberg erklärte, man könne zu den Vorgängen derzeit keine Stellungnahme abgeben, da man sich vorrangig um eine mögliche Fortführung der Fluglinie kümmern müsse.

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