Insolvente Fluglinie Dubiose Deals vor der Germania-Pleite

Der Chef der insolventen Fluglinie Germania soll nach SPIEGEL-Informationen seit dem Sommer Vermögenswerte aus der Firma herausgelöst haben - offenbar um sie vor dem Insolvenzverwalter zu schützen.

Germania-Flugzeuge
DPA

Germania-Flugzeuge

Von


Als Deutschlands zweitgrößte Fluglinie Air Berlin im Sommer 2017 Insolvenz anmelden musste, tauchten wilde Gerüchte auf: Die Lufthansa habe die Firma gezielt in die Enge getrieben, um sich ihre Hinterlassenschaften zu sichern. Dem Ex-Chef Joachim Hunold wurde sogar vorgeworfen, er habe sich bereichert. An den Vorwürfen war nichts dran, es gab auch keine Ermittlungen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 7/2019
Besser umgehen mit der Trennung - Vorstoß für ein neues Familienrecht

Bei dem Anfang der Woche abgestürzten kleinen Konkurrenten Germania könnte sich das anders entwickeln. Nach SPIEGEL-Informationen wurden bei ihr im Vorfeld der Pleite Vermögenswerte verschoben und neue Ableger gegründet - womöglich um potenziellen Gläubigern im Insolvenzfall den Zugriff zu erschweren. Das geht aus Unterlagen des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg hervor. Es ist auch für das am Montag dieser Woche eröffnete Insolvenzverfahren zuständig.

Laut den Dokumenten ließ Germania-Chef und Alleineigentümer Karsten Balke bereits im April 2018 über einen Mittelsmann eine neue Firma namens Germania Flugzeugbeteiligungsgesellschaft gründen und sich zu deren Geschäftsführer bestellen. Bevorzugter Zweck der Firma war "der Erwerb und das Halten von Flugzeugen". Dabei war die Vorläuferfirma SAT, die zuvor alle Jets besessen hatte, erst im November 2017 mit der Fluglinie Germania verschmolzen worden. Im August 2018 kaufte Balke dann eine Vorratsgesellschaft namens Rubin 88 und benannte sie in Germania Aviation Asset AG um. Geschäftsgegenstand dort ist "der Handel und die Vermietung von Flugzeugen, Zubehör und Ersatzteilen".

Will Germania-Chef Balke neu durchstarten?

Auf diese Firma übertrug er einen bereits im Juli 2016 erteilten Airbus-Auftrag über 25 Maschinen vom Typ A320 im Wert von rund zwei Milliarden Euro. Die ersten zehn Jets sollen ab Januar 2020 ausgeliefert werden. Da die Maschinen begehrt sind, ließe sich das Anrecht auf den Bezug der Flugzeuge womöglich an der Insolvenzmasse vorbei zu Geld machen. Oder will Balke mit den spritsparenden Maschinen selbst neu durchstarten?

Die vorerst letzte Transaktion erfolgte am 27. Januar, nur eine Woche vor dem Insolvenzantrag. Eine Schwestergesellschaft der Germania-Fluggesellschaft, die das Usedom-Palace-Hotel in Zinnowitz und das Hotel Waldhaus Prieros in Heidesee betreibt, gehört neuerdings der Witwe des Firmengründers, Ingrid Bischoff. Sie gilt als große Förderin von Balke und soll sich in beiden Häusern gerne aufgehalten haben.

Balke selbst reagierte nicht auf Anfragen des SPIEGEL. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Rüdiger Wienberg erklärte, man könne zu den Vorgängen derzeit keine Stellungnahme abgeben, da man sich vorrangig um eine mögliche Fortführung der Fluglinie kümmern müsse.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.



insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dwg 08.02.2019
1. Das wird noch lustig...
Na, den passenden Hintergrund kann Frau Deckstein in ihrem eigenen Artikel aus 2017 nachlesen: http://www.spiegel.de/spiegel/germania-eigner-streiten-um-macht-und-einfluss-a-1146419.html Der jetzige "Alleineigentümer" hat als Anwalt der Witwe des Unternehmensgründers sich die Firma zu eigen machen können und dann nach Kräften versucht die Anteile des Sohnes zu verwässern. Diese Methode des Verwässerns "diluting shares" über asymmetrische Kapitalerhöhungen ist beliebt bei ruppigen Unternehmensübernahmen. Die Geschichte ist jedenfalls noch nicht zu Ende. Hoffentlich ist der (schwache) vorläufige Insolvenzverwalter helle genug.
TS_Alien 08.02.2019
2.
Eine Airline geht nur ganz selten von heute auf morgen pleite. Wer Tickets verkauft, die er nicht bedienen kann, begeht einen Betrug. In den USA landet so mancher Chef einer Pleitefirma für viele Jahre im Gefängnis. In Deutschland ist wieder einmal alles wischiwaschi.
Flari 08.02.2019
3.
Zitat von TS_AlienEine Airline geht nur ganz selten von heute auf morgen pleite. Wer Tickets verkauft, die er nicht bedienen kann, begeht einen Betrug. In den USA landet so mancher Chef einer Pleitefirma für viele Jahre im Gefängnis. In Deutschland ist wieder einmal alles wischiwaschi.
Sie wissen, dass die "Germania" am 04.02.2019 Insolvenz beantragt hat, also vor vier Tagen? Und heute stellel Sie bereits so einen Unsinn ins Netz mit Deutschlandbashing, wobei Ihre Einleitung an sich noch viel dämlicher ist. Sie haben wirklich SchülerInnen unterrichtet?
LauraD 09.02.2019
4. Das sieht doch recht dilettantisch aus,
der Insolvenzverwalter wird das aufklären (lassen). Daß aber die LH die Air Berlin über einen Manager-Transfer gezielt abgewirtschaftet hat, weil die AB auf wichtigen Strecken zu groß wurde, ist keineswegs ein "wildes Gerücht", sondern ein Indizienbeweis - fragen Sie mal ehemalige Piloten und Manager der Air Berlin - oder auch Hans-Rudolf Wöhrl. Jo Hunold hatte damit übrigens explicit nichts zu tun, warum auch. Das Interessante dabei ist, daß das als Straftat kaum nachzuweisen ist: Deutschland ist eines der Länder, in denen Inkompetenz, bewußt oder unbewußt, nicht strafbar ist. Es gibt sogar eine (ähnliche) Blaupause dafür, die Borgward-"Übernahme" durch BMW.... Auch die Mannesmann D2-Übernahme war, freundlich gesagt, zweifelhaft, nur daß sich hier alle Beteiligten gegenseitig deckten - vor Gericht reichte es bekanntlich gerade einmal für ein paar Geldstrafen und Vergleiche. Evtl hätte Herr Balke da von etwas längerer Hand planen sollen? ;) Trotzdem, schade um Germania. Sympathische Kollegen und eigentlich gut geführte Company.
meik84 10.02.2019
5. Der Fisch stinkt immer vom Kopf an
Hier stellen Stellen sich doch viele einfache Fragen.... Ein "Unternehmen" welches über 30 Flugzeuge im Betrieb hat und ca. 1700 Mitarbeiter beschäftigt wird durch eine "One-Man-Show" vertreten? Warum ist so ein "großes" Unternehmen ohne Kontrollgremien oder ähnlich ausgestattet? Warum wird ein "guter Freund/Anwalt des Gründers alleiniger Gesxhäftsführer ohne Backup im Flugsektor!? Warum werden nicht mehrere Imabhängige in Veranwortung gestellt, die mehr Erfahrung haben, gerade in Unternehmensführung? Externe Berater? Warum werden 20 neue Flugzeuge bestellt ohne Aussicht auf eine Finanzierungsmöglichkeit (kein Eigenkapital, keine Finanzierung seitens Banken etc.)? Warum gibt es keine Gewerkschaft, die sich Themen annehmen kann? Warum probt der Sohn der Gtünders gerade gehen den Herrn B. So einen Aufstand seit Jahren? Warum fällt es niemanden auf? Hier wurde doch bewusst kein schlafende Hund geweckt, hier wurde doch bewusst versucht alle Klein zuhalten..... für mich sieht das nicht nur nach bewusster Insolvenzverschleppung aus.... das ist schon kriminell. Warum werden an einem Tag oder in kurzer Zeit (ohne Bedarf) Ableger gegründet mit mangelnder Begründung)... Ich als Kunde ärgere mich schon, aber wenn man sich mal das Thema im ganzen betrachtet, ist das keine Standardinsolvenz.... wenn man niemanden in Bücher gucken lässt, wie es um eine Firma steht.... Anja was soll man sagen. Schon sehr dilettantisch das Ganze....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.