Deutsche Fluggesellschaft Germania steckt in Finanznot

Die Fluggesellschaft Germania braucht kurzfristig Geld. Einem Bericht zufolge steht auch ein Verkauf der deutschen Airline zur Debatte.

Germania-Airbus in Kassel-Calden (Archivbild)
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Germania-Airbus in Kassel-Calden (Archivbild)


"Die europäische Luftfahrtbranche hat sich in der jüngsten Zeit stark verändert": Mit diesen Worten beginnt die aktuelle Pressemitteilung der deutschen Fluggesellschaft Germania, die sie am Dienstag "aus aktuellem Anlass" veröffentlichte. Dieser taucht in der Mitteilung dann weiter unten auf: Germania braucht kurzfristig Geld.

Man prüfe derzeit mehrere Optionen, um den "kurzfristigen Liquiditätsbedarf" zu sichern. Als Grund für die Finanznot werden in der Mitteilung unter anderem "massive Kerosinpreissteigerungen über den Sommer des vergangenen Jahres bei gleichzeitiger Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar" angeführt; außerdem "erhebliche Verzögerungen bei der Einflottung von Fluggerät sowie eine außergewöhnlich hohe Anzahl technischer Serviceleistungen an unserer Flotte".

Beim Flugbetrieb gebe es allerdings keine Einschränkungen, heißt es weiter. Alle Germania-Flüge finden demnach planmäßig statt.

Germania erwägt offenbar auch einen Verkauf

Wie das Branchenportal "Aero Telegraph" berichtet, geriet Germania kurz vor dem Jahreswechsel in akute finanzielle Schwierigkeiten. Bis zum 27. Dezember habe die deutsche Fluggesellschaft 20 Millionen Euro gebraucht, um weiterfliegen zu können, berichtet das Portal unter Berufung auf mehrere voneinander unabhängige und übereinstimmende Quellen.

Demnach geht es nicht mehr nur um eine kurzfristige Finanzierungslücke: Auch ein Verkauf der ganzen Germania-Gruppe in Teilen oder als Ganzes ist laut "Aero Telegraph" ein aktuelles Thema. Allerdings sei die Suche nach neuen Aktionären bisher erfolglos verlaufen.

Über die Germania Beteiligungsgesellschaft ist Geschäftsführer Karsten Balke derzeit Alleineigentümer der Airline. Auch die Germania Beteiligungsgesellschaft erwirtschaftete laut ihrem Jahresabschluss 2016 tiefrote Zahlen: ein Minus von 32 Millionen.

Die Geschäftszahlen 2015 und 2016

Wie aus den im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschlüssen hervorgeht, hatte die in Berlin ansässige Germania Fluggesellschaft mbH in den vergangenen Jahren geschäftlich wenig Erfolg. Für das Jahr 2016 wies das Unternehmen einen Verlust von 7,7 Millionen Euro bei einem Umsatz von 369,1 Millionen Euro aus. 2015 schrieb es ein Minus von 6,8 Millionen Euro, der Umsatz betrug 424,5 Millionen Euro.

Ende 2016 hatte das Unternehmen 954 Mitarbeiter, gut zwei Drittel davon waren fliegendes Personal. Das Eigenkapital war schon 2015 im negativen Millionenbereich, Ende 2016 wies Germania einen Fehlbetrag von mehr als 13 Millionen Euro aus. Jahresabschlüsse für 2017 und 2018 der Germania sind im Bundesanzeiger bislang nicht veröffentlicht.

Germania wurde 1986 gegründet, als Nachfolger der Kölner Fluggesellschaft Special Air Transport. Nach eigenen Angaben transportiert die Airline mit dem grün-weißen Logo jährlich mehr als vier Millionen Passagiere auf der Kurz- und Mittelstrecke, innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flug AG und der Bulgarian Eagle betreibt Germania derzeit eine Flotte von 37 Flugzeugen.

cmh

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
mopsfidel 09.01.2019
1. Fliegen ist zu günstig
Ein anderes Fazit fällt mir dazu nicht ein. Eine Kerosin-Besteuerung darf man unter solchen Gesichtspunkten ja erst gar nicht fordern, dann wären alle deutschen Fluggesellschaften pleite.
twister13 09.01.2019
2. Kein Wunder
Bei dem miesen Service den Germania bietet wundert mich das in keinster Weise. Auf dem Hinflug, Germania gebucht, Bulgarian Eagle bekommen. Der Rückflug hat dann garnicht erst stattgefunden. Ohne Mitteilung, ohne Ankündigung hat Germania den Flug einfach storniert. Der tauchte noch nicht mal auf der Ablugübersicht auf. Frei nach dem Motto: "Seht doch selber zu wie ihr nach Hause kommt." Das Geld hatten sie da natürlich schon eingestrichen. Danach keine Entschuldigung, keine Entschädigung. Der Welt fehlt nichts wenn diese Airline untergeht. Bye bye....
SissyGerman 09.01.2019
3. Einmal mit Germania und immer wieder
Also am Service .und den Leistungen liegt es nicht. Vielleicht kann man am Flugmarkt nur überleben, wenn man den Kunden als notwendiges Übel sieht wie bei Ryan. Bei Germania war das .Gegenteil der Fall. Äußerst sympathische Airline und das, obwohl unser Koffer auf dem Bremer Flughafen geschrotet wurde. Rinr Airline die es wert ist gerettet zu werden
tonhalle 09.01.2019
4. Hoffentlich bleibt die Alternative zu Ryanair
Nachdem Lufthansa die Preise massiv ansteigen gelassen hat ist jeder Mitbewerber wichtig, insbesondere wenn nahezu menschenverachtend arbeitende Unternehmen (wie Ryanair) keine wirkliche Alternative sein dürfen.
Der_Theo 09.01.2019
5. Nun denn
Die Germania wird dann wohl auch, mit voller Regierungsunterstuetzung, von der Lufthansa uebernommen. Die bereits gegauften unf bezahlten Tickets verfallen dann wie im Fall der Berlinair.
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