SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

08. Juli 2019, 10:33 Uhr

Passagierzahlen

Germania-Pleite trifft ostdeutsche Flughäfen hart

Die Insolvenz der Fluglinie Germania sorgt an Regionalflughäfen für ein massives Minus, besonders in Ostdeutschland. In Erfurt und Rostock geht die Passagierzahl um rund die Hälfte zurück.

Die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania hat an mehreren Flughäfen in Ostdeutschland zu einem Einbruch der Passagierzahlen geführt. Nach neuesten Zahlen des Flughafenverbandes ADV verbuchte der Flughafen in Thüringens Landeshauptstadt Erfurt von Januar bis Mai rund 38.700 Passagiere - 45 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Dresden zählte knapp 564.000 Passagiere - ein Minus von 9,5 Prozent.

Am Regionalflughafen Rostock-Laage rechnet die Geschäftsführung in diesem Jahr mit etwa 150.000 Passagieren, das wäre ein Rückgang um rund 50 Prozent. Der Flughafen muss neben der Germania-Pleite auch den Wegfall von der britischen Regionalfluglinie FlyBMI verkraften. Wie viele der insgesamt 39 deutschen Verkehrsflughäfen macht Rostock-Laage seit Jahren Verluste und ist auf Subventionen angewiesen.

Die Germania-Insolvenz habe viel zur Verschärfung der Situation beigetragen, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Insgesamt zählten die 22 internationalen Verkehrsflughäfen im ADV von Januar bis Mai rund 93,6 Millionen Passagiere, gut vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei ergebe sich ein "zweigeteiltes Bild", so Beisel. Mit elf Airports hätte nur die Hälfte zugelegt, allen voran Berlin-Tegel und Dortmund. Einen deutlichen Passagierschwund mussten dagegen Frankfurt-Hahn und Weeze (Niederrhein) verkraften.

"Bei unseren kleineren Flughäfen gibt es Kosten, die andere Airports in Europa nicht tragen müssen - etwa für Feuerwehr, Sicherheitskontrollen und Luftsicherheit", sagte Beisel. Das seien Stellschrauben, mit denen Bund und Länder ihre Flughäfen im Notfall unterstützen könnten.

Laut Leitlinien der EU sind staatliche Subventionen zum laufenden Betrieb von Flughäfen nur noch bis 2024 möglich. Die Regeln gelten allerdings erst für Flugplätze mit mehr als 200.000 Passagieren. Beisel spricht sich daher dafür aus, die Regeln für die Beihilfe zu lockern. "Sonst gibt es bald gar keine Flughäfen mehr in manchen Regionen in Ost- und Südeuropa."

dab/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung