Germanwings-Absturz Bewährungsprobe für den Mythos Lufthansa

Ob Pan Am oder Malaysian: Schwere Flugzeugunglücke wie jetzt bei Germanwings haben immer wieder Airlines in die Krise gestürzt. Der Mutterkonzern Lufthansa muss jetzt um Vertrauen werben.

Schweigeminute für die Opfer: Lufthansa-Mitarbeiter in Frankfurt
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Schweigeminute für die Opfer: Lufthansa-Mitarbeiter in Frankfurt

Von manager-magazin.de-Redakteur


Hamburg - Seit dem 24. März 2015 ist für die Lufthansa Chart zeigen nichts mehr, wie es war. Einen derart katastrophalen Unfall wie den der Tochter Germanwings hat die Fluggesellschaft noch nicht erlebt - im Gegensatz zu namhaften Konkurrenten wie Air France Chart zeigen, KLM oder Japan Air Lines. Mehr als 20 Jahre lang hatte die Kranich-Airline zuvor keinen Unfall mit Todesfolge zu verzeichnen.

Ist der Mythos Lufthansa nun in Gefahr? Dieser lebt davon, dass Flüge mit der größten deutschen Gesellschaft als verlässlich gelten. Im Ranking der sichersten Airlines liegt die Lufthansa auf einem hervorragenden zwölften Platz, unter anderem vor British Airways, Singapore Airlines und den großen europäischen Billigfliegern.

Markenrankings haben die Lufthansa immer wieder als beliebtetste deutsche Flugesellschaft ausgewiesen. Sie gilt zudem als zweitbeliebteste Gesellschaft, die von deutschem Boden startet (hinter Emirates) - weit vor Air Berlin Chart zeigen, Ryanair Chart zeigen oder Easyjet Chart zeigen.

Das alles sind gute Voraussetzungen dafür, dass Passagiere auch etwas mehr für ihren Flug zahlen. Und darauf ist die Lufthansa dringend angewiesen. Denn ihre Personalkosten liegen zum Teil deutlich über dem Niveau der Konkurrenz.

Ob das Image nun einen nachhaltigen Knacks bekommt, hängt stark von der bisher ungeklärten Unfallursache ab. "Wenn kein eklatantes Versagen vorliegt, wirkt sich ein solches Unglück nicht auf die Reputation aus", sagt Luftfahrtbranchenberater Heinrich Großbongardt mit Blick auf frühere Flugzeugabstürze.

Krisenkommunikation ist wichtig

In der Vergangenheit hat sich aber auch gezeigt: Wenn ein Unfall auf Schlamperei zurückzuführen war oder die Krisenkommunikation versagt hat, sind Fluggesellschaft schon in heftige Turbulenzen geraten oder ganz von der Bildfläche verschwunden:

• So flüchtete Malaysian Airlines im August 2014 vollständig unter das Dach des Mehrheitseigners Khazanah Nasion. Damit rettete der Staatsfonds die Fluggesellschaft nach dem Verlust von Flug MH370 über dem Indischen Ozean und Flug MH17 über der Ostukraine. In der Folge waren die Buchungszahlen eingebrochen. Branchenexperten machen vor allem die chaotische Krisenkommunikation nach dem ersten Unglück dafür verantwortlich

• Die US-amerikanische Gesellschaft Pan Am erholte sich nicht mehr vom Absturz eines Fliegers bei dem schottischen Dorf Lockerbie nach einem Anschlag. Fluggäste machten auch deshalb einen Bogen um Pan Am, weil die Airline ihnen nicht die Furcht vor weiteren Terrorakten zu nehmen vermochte.

• Für die US-amerikanische Linie Valu Jet bedeutete ein tödlicher Unfall ebenfalls das Aus. Ermittlungsbehörden wiesen dem Unternehmen nach, dass illegal transportierte Ladung das Feuer auslösten, das 1996 zum Absturz einer Maschine in Florida führte.

Immer wieder haben Fluggesellschaften aber auch Unfälle mit vielen Hundert Toten überstanden und das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen. Meist wiesen sie nach, dass es sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände gehandelt hatte, wie beispielsweise Air France beim Absturz einer Concorde am 25. Juli 2000 bei Paris mit 113 Toten.

Die Angehörigen haben Priorität

"Einige Dinge dürfen die Airlines in einer solchen Situation auf keinen Fall tun", sagt Großbongardt: "Jede Schuld von sich weisen, einzelne Ursachen kategorisch ausschließen und wild über mögliche Ursachen spekulieren." Priorität Nummer eins sei es, sich um die Angehörigen der Opfer zu kümmern.

So gesehen hat die Lufthansa alle Chancen, das Desaster zu verarbeiten. Zumal bei der Ursache bisher nichts auf systematische Schlamperei hindeutet. Die Germanwings-Flugzeuge werden in derselben bewährten Regelmäßigkeit gewartet wie die der Muttergesellschaft.

"Lufthansa und Germanwings werden diese Sache durchstehen", sagt der Chefanalyst Say Ahmad von StrategicAero Research. Fliegen sei nach wie vor sehr sicher. Auch wenn die Buchungszahlen kurzfristig etwas zurückgingen - sobald die Unfallursache feststehe, sollten sie wieder steigen.

Doch ist die Sache dann wirklich erledigt? Mancher Aktienanalyst sieht die Sache nicht ganz so entspannt. So stufte Equinet-Analyst Jochen Rothenbacher die Lufthansa-Aktie auf "Hold" von "Buy" zurück und senkte das Kursziel von 19 auf 14 Euro. Das positive Image der Lufthansa als sichere Fluggesellschaft dürfte unter der Katastrophe leiden. Selbst wenn sie selbst keine Schuld treffe, bleibe in der Wahrnehmung der Kunden doch immer Negatives hängen.

Nach Ansicht von DZ-Bank-Experte Dirk Schlamp wird der Absturz einen "nachhaltigen Reputationsschaden hinterlassen". Lufthansa habe bislang für technische Kompetenz und Zuverlässigkeit gestanden. Zudem könnte der Unfall das Eurowings-Konzept des Konzerns gefährden, mit dem Lufthansa-Chef Spohr einen großen Teil der Flugverbindungen auf Germanwings und andere Billigtöchter verlagern will.

Den ersten Schock haben Investoren indes bereits verdaut. Nach einem rasanten Kurssturz um mehr als 5 Prozent legte die Lufthansa-Aktie seither wieder um 2,5 Prozent zu. Das gute Image der Kranich-Airline lässt Anleger offenbar hoffen, dass der Germanwings-Absturz eine einmalige Sache war.

insgesamt 34 Beiträge
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vor.morgen 25.03.2015
1. Lufthansa betont so gerne ihre tolle Wartung.
Nur wenige wissen, dass die Lufthansa auch Maschinen im Ausland warten lässt. Unter anderem in China. Nun sind die Chinesen fleißige Leute und die Chefs kommen aus Deutschland. Nur interessant, dass den Zusehern bei Fernsehberichten immer nur die Techniker in Deutschland gezeigt werden. Warum so verschämt, Lufthansa? Wenn die Wartung in China genau so gut ist, kann man die dort ja auch zeigen. Und genau sagen, welche Typen dort gewartet werden.
tsaag 25.03.2015
2. Leider Vergangenheit
Lufthansa rettet sich mit Rankings "beliebteste Fluggesellschaft, die von deutschen Boden aus operiert oder beliebteste Fluggesellschaft Deutschlands" nur in diesem lächerlich kleinen Kreis kann Lufthansa den Champion spielen. International hat die Lufthansa durch die Streiks bereits im vergangenen Jahr erheblich gelitten. Es gibt viele ausländische Geschäftsleute, die die Lufthansa meiden wo immer sie können. In diesem Punkt haben die Gewerkschaften schon ganze Arbeit geleistet. Jetzt noch der Makel des Absturz der Maschine von Germanwings dazu, es wird spannend wo die Reise hingehen wird. Die Piloten werden auch dann noch keine Ruhe geben, wenn die Einbußen noch größer werden, denn beim Ruhestand mit 55 geht's ums Prinzip und ist nicht mit Vernunft nachvollziehbar.
lucie 26.03.2015
3.
Ich arbeite seit über einem viertel jahrhundert bei lufthansa. Ja ,es hat sich verändert,das fliegen,der service,das miteinander. Aber das ist überall so. Da sind wir keine ausnahme.der zusammenschluss zur star alliance war schon ein grosser schritt. Für uns. Ähnlich der globalisierung in anderen bereichen. Die "deutsche" lufthansa gibt es nicht mehr. Wir müssen internationale gäste zufrieden stellen. Den "mythos" gibt es nicht mehr. Heute sind wir eine von vielen airlines,die im heutigen markt bestehen müssen- wollen sie überleben. Und die bedingungen sind nicht leicht und werden nicht besser. Diese einst so aussergewöhnliche und wirklich tolle fluggesellschaft muss sich den bedingungen und anforderungen der märkte beugen. Und da müssen wir das beste geben- und das tun wir!
vm_lo_la 26.03.2015
4. Flugzeug Unfall
Es ist wirklich sehr bedauerlich,In wirklichkeit gibt es keine angemesse Woerter fuer ein solches Schiksal. Wir leben in einer sehr komplizierten Welt,Deutschland ist eine Welt Macht.Braucht kein Mythos,Qualitaet ist Qualitaet. Swissair hat einen neuen Namen, etc man will die Deutsche Wirtschaft schwaechen mit falschen Vorurteile. Ich habe zweifel ob es ein Unfall war,und in der heutigen Unsicherheit ist die Frage zu Stellen was fuer ein Transportmittel ist 100 % sicher ??
carioca2012 26.03.2015
5.
Im Artikel soll dargestellt werden, wie sicher Lufthansa ist und dazu wird das Ranking aufgeführt, mit der Bemerkung, dass Lufthansa einen "hervorragenden" 12. Platz belegt hat. Was aber daran hervorragend sein soll, wenn auf einem Ranking von 1 bis 15 der Platz 12 erreicht wird und dabei fast alle namhaften Gesellschaften besser abschneiden, wird nicht erklärt...
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