Billigtochter der Lufthansa Deutsche vertrauen Germanwings

Trotz der Absturzkatastrophe hat Germanwings in Deutschland ein gutes Image: Laut einer Umfrage haben 81 Prozent Vertrauen in die Fluglinie. Andere Billig-Konkurrenten stehen schlechter da.

Germanwings-Flugzeug in Stuttgart: Größtes Vertrauen unter Billigfliegern
DPA

Germanwings-Flugzeug in Stuttgart: Größtes Vertrauen unter Billigfliegern


2015 war ein übles Jahr für Germanwings, die Billigflugtochter der Lufthansa Chart zeigen. Der Absturz einer Germanwings-Maschine über den französischen Alpen mit 150 Toten wird ewig mit dem Firmennamen verbunden bleiben.

Offenbar hat die Katastrophe dem Image von Germanwings aber nicht so sehr geschadet wie befürchtet. Laut einer Umfrage im Auftrag des PR-Verbandes GPRA, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt, haben 81 Prozent der Deutschen Vertrauen in die Fluglinie, nur 11 Prozent haben keines. Für die Erhebung hat das Umfrageinstitut Mentefactum des ehemaligen Emnid-Chefs Klaus-Peter Schöppner rund 1000 Menschen ab 14 Jahren befragt.

GPRA-Präsident Uwe Kohrs glaubt, dass die Reaktion des Unternehmens auf den Absturz das Vertrauen eher noch gestärkt hat: "Das Lufthansa-Management hat emotional auf die Katastrophe reagiert statt sich hinter seinen Presseleuten zu verstecken", sagt der Markenexperte.

"Häufig weisen Firmenchefs in einer solchen Situation als Erstes die Schuld von sich, reagieren strikt rational." Solche Reaktionen würden als "unheimlich kalt" wahrgenommen. Bei Lufthansa-Chef Carsten Spohr habe man auf der Pressekonferenz nach dem Absturz gemerkt, dass er selbst Pilot ist.

Germanwings vor Ryanair und Easyjet

Germanwings hat damit einen großen Vertrauensvorsprung gegenüber seinen Konkurrenten aus dem Ausland:

  • Ryanair Chart zeigen vertrauen laut der Umfrage nur 47 Prozent der Deutschen, 17 Prozent misstrauen der Fluglinie.

  • Noch schlechter steht Easyjet Chart zeigen da: 37 Prozent vertrauen dem britischen Billigflieger, 19 Prozent misstrauen ihm.

  • Das Vertrauen in Air Berlin wurde in der Umfrage nicht abgefragt.

Das größere Problem der beiden Fluglinien von den britischen Inseln ist aber, dass sie vielen Deutschen immer noch unbekannt sind. 28 Prozent der Befragten sagt der Name Ryanair nichts, bei Easyjet sind es sogar 37 Prozent.

Es habe aber auch Gründe, dass die Fluglinien von den Inseln bei vielen Menschen negative Gefühle auslösen, sagt Uwe Kohrs. Ryanair werde mit seinem aggressiv auftretenden Chef Michael O'Leary als "Krakeeler der Branche" wahrgenommen und nur mit "billig" statt mit "billig, aber sicher" assoziiert.

Diesem Image ist Germanwings bislang entgangen. Das muss jedoch nicht so bleiben: Der aktuelle Tarifstreit der Lufthansa mit ihren Piloten und dem Kabinenpersonal, das Ringen um eine angemessene Entschädigung der Angehörigen nach der Germanwings-Katastrophe könnten die Marke ihre gerade gewonnenen Sympathien schnell wieder kosten.

Wenn es darauf dann überhaupt noch ankommt: Setzt sich Lufthansa-Chef Spohr mit seinem Plan durch, die deutsche Billigtochter komplett in die Marke Eurowings übergehen zu lassen, könnte die aktuell noch so gut beleumundete Marke sogar ganz verschwinden. (Lesen Sie dazu mehr im aktuellen SPIEGEL)

ade

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