Angeschlagene Modemarke Gerry Weber ab jetzt ohne Gerhard Weber

Unternehmensgründer Gerhard Weber macht Platz für die Sanierer: Investoren haben die insolvente Modekette Gerry Weber nun komplett übernommen. Ihr Geld soll den Betrieb retten.

Gerry-Weber-Filiale in Köln (Archiv): Onlinehandel stürzte Modemarke in die Krise
Oliver Berg / DPA

Gerry-Weber-Filiale in Köln (Archiv): Onlinehandel stürzte Modemarke in die Krise


Gerry Weber steckt seit Jahren in der Krise. Nun muss der angeschlagene Modehersteller auch noch ohne Firmengründer Gerhard Weber auskommen. Weber, der das Imperium aus der westfälischen Provinz 1973 mit seinem Partner Udo Hardieck gegründet hatte, ist nicht mehr am Unternehmen beteiligt. Weber hatte nach Firmenangaben noch im April direkt und indirekt knapp 30 Prozent der Gerry-Weber-Aktien besessen und über Jahrzehnte den Stil des Hauses geprägt.

Der Umbau bei Gerry Weber schreitet damit voran. Gemäß dem Insolvenzplan seien die Altaktionäre im Zuge eines sanierenden Kapitalschnitts nun entschädigungslos aus dem Unternehmen ausgeschieden, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Alleinige Eigentümer von Gerry Weber seien nun die Finanzinvestoren Robus Capital und Whitebox. Sie werden dem Unternehmen bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das Geld soll zur Fortführung des Betriebs und zur Entschädigung der Gläubiger dienen.

Gerry Weber fährt seit einigen Monaten einen Sparkurs, bis Ende 2021 sollen Hunderte Mitarbeiter ihren Job verlieren, zahlreiche Läden sollen geschlossen werden. Gründer Gerhard Weber hatte im Frühjahr im SPIEGEL angekündigt, mit der neuen Leitung das Gespräch suchen zu wollen.

Insolvenzverfahren soll noch 2019 enden

Wenn das Unternehmen "die Kurve kriegen würde", wäre es für ihn "eine Erleichterung", sagte er damals. Und wenn er helfen könne, etwa bei den Kollektionen, tue er das - "selbstverständlich ohne Bezahlung". "Gerry Weber ist immer noch mein Kind."

Der Konzern litt zuletzt unter den weniger werdenden Kunden in deutschen Einkaufsstraßen und dem Siegeszug des Onlinehandels. Auch eigene Fehler, vor allem hohe Investitionen in ein eigenes Ladennetz, machten dem Unternehmen schwer zu schaffen. Ende Januar musste der Konzern Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden.

Durch den Einstieg der Finanzinvestoren hat Gerry Weber mittlerweile wieder eine Zukunftsperspektive. Sachwalter Stefan Meyer rechnet damit, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung noch in diesem Jahr aufgehoben und die Sanierung außerhalb des Insolvenzverfahrens abgeschlossen werden kann.

Gerry Weber hat immer noch mehr als 3600 Beschäftigte. Das Unternehmen könne in seinen Kernstrukturen erhalten bleiben, sagte Meyer vor einigen Wochen.

apr/dpa



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kaltmamsell 07.11.2019
1. Da sagt sich so mancher: Ah, ja, insolvent. NEIN
Gerry Weber war eine Modemarke, die nun wirklich was auf dem Kasten hatte. Die waren richtig gut. Muss man erst mal hinbekommen. Die Plus -40er-innen und auch die Plus-60er-Omis (gerne grüße ich als solche) waren da doch recht zufrieden. Insbesondere auch im schwäbischen Schlussverkauf der jeweiligen Saison.
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