Sanierungsversuch Gerry-Weber-Aktie stürzt ab

Das westfälische Modehaus Gerry Weber steckt schon länger in der Krise. Nachdem das Unternehmen nun ein Sanierungsgutachten bestellte, fällt der Aktienkurs auf ein 15-Jahres-Tief.

Etiketten des Modekonzerns Gerry Weber
picture alliance / dpa

Etiketten des Modekonzerns Gerry Weber


Die Ankündigung eines Sanierungsgutachtens für den angeschlagenen Modekonzern Gerry Weber Chart zeigen hat den Aktienkurs des Unternehmens abstürzen lassen. Die Papiere des Modeherstellers fielen zeitweise um mehr als 27 Prozent auf 3 Euro, den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Damit beschleunigte sich die bereits seit Monaten andauernde Talfahrt der Aktien noch einmal.

Banken fordern bei angeschlagenen Unternehmen oft ein Sanierungsgutachten, bevor sie Kredite verlängern oder neue vergeben. Dabei nehmen externe Wirtschaftsprüfer einen Sanierungsfall unter die Lupe und prüfen, ob er zukunftsfähig ist. Ergebnisse sollen bis Mitte Oktober vorliegen.

Das Modehaus steckt schon länger in der Krise und befindet sich in einem umfassenden Umbau. Allein im laufenden Jahr ist der Börsenwert um gut zwei Drittel weggebrochen. Vor wenigen Tagen erst hatten Zahlen für die ersten neun Monaten des Geschäftsjahres für kräftige Kursabschläge gesorgt. Der Umsatz war stark zurückgegangen, die Verluste hatten sich verdoppelt. Als Grund führte Gerry Weber neben dem Umbau den schlecht laufenden Verkauf wegen des heißen und langen Sommers an.

"Äußerst ambitionierte" Umsatzprognose

Die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2017/18 bezeichnete das Unternehmen als "äußerst ambitioniert". Das kommt am Markt nicht gut an und signalisiert, dass die selbst gesteckten Ziele womöglich nicht erreicht werden könnten. Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sieht Gerry Weber im Bereich zwischen minus 10 Millionen Euro und der Gewinnschwelle.

Analysten sehen bei den Westfalen vor allem Probleme in der Markenpositionierung und Onlinepräsenz. Gerry Weber hat sich hauptsächlich auf ältere weibliche Kunden spezialisiert und zu viele Filialen eröffnet. Außerdem muss der Modekonzern beim Geschäft im Internet noch aufholen. Wie die Rivalen Tom Tailor, Ahlers oder Hugo Boss steht das Unternehmen im harten Wettkampf mit der Online-Konkurrenz von Amazon bis Zalando, aber auch mit der spanischen Zara-Mutter Inditex.

dab/dpa/Reuters



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