50 Millionen Euro von Investoren Gerry Weber auf dem Weg zur Rettung

Eine Finanzspritze von Investoren in Höhe von fast 50 Millionen Euro soll Gerry Weber aus der Insolvenz retten. Die Gründerfamilie des Modekonzerns spielt dann keine Rolle mehr.

Geschäft von Gerry Weber in Berlin
imago images / Steinach

Geschäft von Gerry Weber in Berlin


Der ums Überleben kämpfende Modehersteller Gerry Weber hat wieder eine Perspektive. Die Finanzinvestoren Robus Capital Management und Whitebox Advisors erklärten sich bereit, dem angeschlagenen Unternehmen bis zu 49,2 Millionen Euro zu geben, wie das Unternehmen am späten Montagabend mitteilte. Damit soll es dem Modehersteller möglich werden, bereits im Spätherbst das Insolvenzverfahren abzuschließen.

Der Generalbevollmächtigte Christian Gerloff sagte am Dienstag, dies sei "der entscheidende Schritt in der Sanierung". Vorstandssprecher Johannes Ehling sagte, mit der verbindlichen Investmentvereinbarung zur finanziellen Sanierung der Gesellschaft im Rahmen eines Insolvenzplans verfüge Gerry Weber wieder über eine "hervorragende Perspektive für die Zukunft".

Die Entscheidung fiel wenige Tage vor der großen Ordermesse CPD in Düsseldorf. Ohne eine Einigung hätte die Gefahr bestanden, dass viele Modehändler aus Sorge um die Überlebensfähigkeit des Unternehmens ihre Bestellungen gekürzt hätten.

Gläubigerversammlung muss noch zustimmen

Gerry Weber steckt bereits seit Jahren in der Krise. Der Konzern leidet nicht nur unter dem Rückgang der Filialbesucher in den Innenstädten. Auch eigene Fehler, vor allem zu hohe Investitionen in ein eigenes Ladennetz, machten der Firma schwer zu schaffen. Ende Januar musste der Konzern Insolvenz anmelden.

Das Konzept zur Rettung muss nun noch von der Gläubigerversammlung gebilligt werden. Der Gläubigerausschuss stimmte der Investmentvereinbarung und den Eckpunkten des geplanten Insolvenzplans, der unter anderem einen partiellen Forderungsverzicht der Gläubiger vorsieht, bereits einstimmig zu. Und auch der vom Gericht eingesetzte Sachwalter Stefan Meyer ist einverstanden.

Die Gründerfamilie muss weichen

Die im Sommer vergangenen Jahres begonnene Neuausrichtung des Modeherstellers, die unter anderem die Schließung von rund 146 Filialen in Deutschland vorsieht, zeigt nach Aussage von Vorstandssprecher Ehling inzwischen Wirkung. Sie soll unter den neuen Eigentümern fortgesetzt werden.

Für die bisherigen Gerry-Weber-Aktionäre bedeutet die Einigung allerdings, dass sie entschädigungslos aus dem Unternehmen herausgedrängt werden. Das gilt auch für die Gründerfamilie um Gerhard Weber. Es sollen neue Aktien herausgegeben werden, die zunächst vollständig an Robus und Whitebox gehen.

Firmen-Mitbegründer Gerhard Weber (Foto aus 2014)
DPA

Firmen-Mitbegründer Gerhard Weber (Foto aus 2014)

Die Forderungen der Gläubiger gegen den Modekonzern summieren sich auf rund 300 Millionen Euro. Der angedachte Insolvenzplan bietet Gläubigern die Möglichkeit zwischen einer klassischen Barabfindung und verschiedenen Finanzinstrumenten zu wählen, mit denen sie bei einer künftigen positiven Entwicklung des Unternehmens profitieren könnten.

mik/dpa



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