Insolvente Modemarke Gerry Weber Firmengründer gibt Fehler zu

Seit der Insolvenz des von ihm aufgebauten Modekonzerns hat er geschwiegen. Im SPIEGEL spricht Gründer Gerhard Weber nun erstmals über seine Mitverantwortung für den Niedergang.

Gerhard Weber
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Wenn Frauen nach solider, nicht zu extravaganter Mode suchten, war Gerry Weber seit den Achtzigerjahren eine beliebte Anlaufstelle. Im Januar meldete das westfälische Unternehmen Insolvenz an. Gerhard Weber, Gründer der Marke, hat sich zum Niedergang seiner Firma bislang nicht geäußert. Im Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL bekennt der 77-Jährige sich nun zu seiner Mitverantwortung. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

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Heft 10/2019
Ein deutsches Desaster

"Ich bin kein Typ, der sagt, ich habe damit nichts zu tun", sagt Weber, der fast 30 Prozent der Anteile hält. "Es ist ärgerlich, dass ich in diesem Schlamassel auch Fehler gemacht habe." Zu den größten habe der Bau eines neuen Logistikzentrums gehört, das 2015 in Betrieb ging. Die Halle war zu groß und zu teuer. "Sie war der Knackpunkt, dass wir in Schieflage gekommen sind", sagt Weber. Als weiteres Problem benennt er die Expansionsstrategie des bis 2015 von ihm geleiteten Unternehmens.

Auch die Positionierung von Gerry Weber sieht der Gründer kritisch. "Eine Marke müsse sich verjüngen, sagt er, "vielleicht haben wir das nicht konsequent genug getan." Zur Zukunft der Firma äußert Weber sich optimistisch: "Das Lebenswerk ist noch nicht am Ende. Ich glaube, dass wir auf einem Weg sind, wie wir das Unternehmen retten können." Generalbevollmächtigter Christian Gerloff sagt, bis Juni solle entschieden sein, "ob das Unternehmen über einen Insolvenzplan saniert wird oder ob es zu einem Verkauf kommt".

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
kopi4 02.03.2019
1.
Wird denn das Tennisturnier im Juni in Gerry Weber (not) open umbenannt? Sicher, Weber hat da ein tolles Stadion hingesetzt, die Atmosphäre in der Turnierwoche kann sich sehen lassen.Aber die Fixierung auf den Gründer ( neben dem Turnier heißt auch das Stadion Gerry Weber, die Werbebanden sind zu 95 Prozent mit dessen Modemarken belegt) könnte zum Problem werden. Und das Roger Federe, als Teilnehmer derjenige der die Veranstaltung aus der Masse hervorhebt, eher früher als später die Karriere beendet weiß man hoffentlich auch in Halle...
chrismuc2011 02.03.2019
2.
Eigentlich sollte jeder Firmengründer ein großes Schild in Sichtweite seines Schreibtisches haben auf dem steht: " Vermeide zu schnelles Wachstum bei zu geringer Kapitaldecke!!!!" Ich denke die meisten jungen Firmen scheitern an der Nichtbefolgung dieser Binsenweisheit. Insbesondere lauern größere Fimen doch geradezu darauf, solche Firmen preiswert zu übernehmen. Und die Banken spielen da als willfährige Spießgesellen mit. Da wird mal schnell der Kredit gekündigt und schon liegt die junge Firma auf dem Schlachttisch um gekauft und evtl. ausgeweidet zu werden. Mir ist da insbesondere die Hypovereinsbank und die Deutsche Bank noch gut im Gedächnis. Siehe auch den berühmten Fall Borgward
rainercom 02.03.2019
3. Firmengründer gibt Fehler zu
das ist noch einer vom alten Schrot und Korn,könnte man denken. Aber ich komme zu dem Schluß er hat sein Schäfchen bestimmt im trockenen.
snoook 02.03.2019
4. Die Frauen, die nicht mehr bei Zara, Primark etc. kaufen wollen...
bzw. können, weil sie keine "Mädels" mehr sind, müssen ja auch was "zum Anziehen" haben. Da gibt es schon einen Markt für ordentliche Bekleidung. Ich hoffe sehr, dass Gerry Weber es schafft!
Worldwatch 02.03.2019
5. Unternehmerische Fehlleistungen
Davon, und sodann folgende Pleiten, gibt es viele. Ausbaden müssen es die Mitarbeiter und zu Teilen Retailer und Kunden. Die Frage ist, ob es hinreichend Warner in der GL- und Managementebene gab, die den Inhaber gewarnt haben, oder überhaupt eine Chance hatten, mit Warnungen an das Ohr und den Verstand des Inhaber (noch) heranzukommen? Leider sind Halsstarrigkeit, ggf. auch Altersstarrigkeit, Arroganz und/oder Realitätsverzerrungen, Beratungsresistenz, und dergleichen, nicht selten bei Unternehmenspatriarchen oder Vorständen anzutreffen. Je oller, je doller. Immerhin scheint Hr. Weber, bei allen Leistungen die ihm aus der Vergangenheit ja auch gebühren, bzgl. Fehler, noch Selbstkritikfaehig zu sein. Hoffe für alle Beteiligten auf eine positive Wende und einen Neuanfang!
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