Damenmode-Hersteller Gerry Weber ist pleite

Das Modeunternehmen Gerry Weber hat für den Mutterkonzern Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Gespräche mit den finanzierenden Banken sind gescheitert.

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Der seit Langem kriselnde Modehersteller Gerry Weber hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Ziel sei es, das Unternehmen zu sanieren, teilte Gerry Weber mit. Betroffen sei ausschließlich die Muttergesellschaft Gerry Weber International mit rund 580 Mitarbeitern. Für die Tochtergesellschaften wie Hallhuber seien keine Anträge gestellt worden.

Der Geschäftsbetrieb soll nach Unternehmensangaben in vollem Umfang weitergeführt werden. Die Finanzierung des Modeanbieters sei nach derzeitigem Stand bis ins Jahr 2020 gesichert, hieß es. Ausgelöst worden sei der Antrag durch das Scheitern der Gespräche mit den Finanzierungspartnern über die weitere Finanzierung des Konzerns.

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Das Amtsgericht Bielefeld hat dem Antrag am Nachmittag stattgegeben. Damit kann der Vorstand mit sämtlichen Befugnissen und Pflichten im Amt bleiben.

Die Anleger reagierten mit Verkäufen auf die Nachricht: Die Aktie des Unternehmens fiel am Nachmittag mehr als 28 Prozent auf ein Rekordtief. Die Papiere kosten inzwischen nur noch wenig mehr als ein Euro.

Gerry Weber mit den Kernmarken Gerry Weber, Hallhuber, Samoon und Taifun kämpft seit Längerem mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Bereits in den vergangenen Monaten hatten sich die schlechten Nachrichten aus dem westfälischen Unternehmen gehäuft. Zuletzt hatte das Unternehmen Mitte Januar seine Gewinnprognose nach unten korrigieren müssen. Dadurch stieg der erwartete Vorsteuerverlust für das Geschäftsjahr 2017/18 auf mehr als 192 Millionen Euro. Grund waren unter anderem Probleme bei der bislang als Hoffnungsträger geltenden Tochter Hallhuber.

mmq/brt/dpa/Reuters



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dagmar1308 25.01.2019
1. Das Unternehmen ist ein Importeur
von Klamotten wie tausend andere. Keine eigene Designhandschrift. Das gilt auch für S. Oliver. Das bemerkt auch der Kunde trotz der Versuche, eine Marke zu kreieren, auch mit dem Betrieb eines Tenniszirkus. Greift man dann mal öfter beim Einkauf daneben, wird es eng und die Konkurrenz schläft nicht.
realplayer 25.01.2019
2.
Jahrelang Klamotten importiert die keiner haben wollte. Und somit folgerichtig Ende Gelände.
German 25.01.2019
3. Schade für die Region
Schade, dass es nun einen ehemaligen Visionär trifft !! Für die Mitarbeiter und für die Region sicherlich eine besondere Herausforderung. Aber, was soll eine Insolvenz in Eigenregie bringen? Alter Wein in neuen Schläuchen. Das Unternehmen benötigt mehrere neue Visionen. Die Webers werden sich da wohl nicht raus halten können. Die Probleme liegen weit zurück, die nun die Insolvenz bedeuten. Wenn ich dem stationären Handel mit eigenen Shops den Umsatz "klaue" , kann das auf Dauer nicht gut gehen. Die Expansion war einfach zu schnell und zu unkontrolliert. Ein gewisser Größenwahn gehörte sicherlich auch da zu. Die Struktur des Unternehmens war einfach nicht gegeben, auch durch zu viel Personal Fluktuation in der Chefetage. Verantwortung muss man abgeben können, da müssen die Inhaber wohl noch dazu lernen. Hoffentlich klappt alles, vornehmlich für die Mitarbeiter und die Region.
schnittkerandre 25.01.2019
4. was bedeutet das?
Kann mir jemand erklären, was das für eine Insolvenz ist? Kenne mich da nicht mit aus. Für mich sieht das so aus, als würde die "Insolvenz in Eigenverwaltung" nichts ändern. Alles bleibt wie es ist.
c1r 25.01.2019
5. kein Verlust
Ein aufgeblähtes Unternehmen ohne fundiertes / tragfähiges Geschäftsmodell. Ein me too Label ohne Wert. Die Insolvenz in Eigenverwaltung ist übrigens nur sinnvoll, wenn das Unternehmen zwar ein tragfähiges Geschäftsmodell hat, aber aus besonderen Gründen vorübergehend überschuldet / insolvent ist. Das sehe ich hier überhaupt nicht. Läden wie Gerry Weber sind der Schlecker der Textilindustrie. Deckel drauf und fertig.
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