Enttäuschende Zahlen SAP-Chef vertröstet Anleger auf 2017

Mit Kampfpreisen will Bill McDermott den Markt im Cloud-Geschäft aufrollen. Seine Anleger bittet der SAP-Chef deshalb noch um ein wenig Geduld: Die versprochene Umsatzrendite von 35 Prozent wird wohl erst 2017 erreicht. Die Aktie verlor deutlich.

SAP-Zentrale in Walldorf: Ehrgeizige Pläne im Cloud-Geschäft
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SAP-Zentrale in Walldorf: Ehrgeizige Pläne im Cloud-Geschäft


Walldorf - Der vorsichtige Ausblick von SAP-Chef Bill McDermott für das Geschäftsjahr 2014 ist bei den Anlegern am Dienstag nicht gut angekommen. In den ersten Handelsminuten rutschten die Papiere des Softwarekonzerns um knapp drei Prozent auf 58,90 Euro ab und waren damit schwächster Wert im freundlichen Dax. Der deutsche Leitindex legte dagegen um 0,1 Prozent zu.

McDermott hatte zuvor bekanntgegeben, dass die Umsatzrendite wohl erst 2017 statt wie bisher gedacht 2015 die versprochenen 35 Prozent erreichen wird. Grund seien die ehrgeizigen Pläne im Cloud-Geschäft, bei dem Kunden Software von SAP aus dem Internet beziehen statt sie zu kaufen und selbst zu installieren. "Wir wollen den Marktanteil gegen andere Lösungsanbieter erhöhen - und keine kurzfristige Marge ernten", sagte McDermott. Womöglich werde SAP nach den milliardenschweren Übernahmen von zwei US-Anbietern 2012 erneut Cloud-Firmen zukaufen.

Im vergangenen Jahr hatte SAP 32,6 Prozent Gewinn vom Umsatz verdient. Das Betriebsergebnis (Ebit) soll in diesem Jahr 5,8 bis 6,0 Milliarden Euro auf Basis unveränderter Wechselkurse erreichen. Konkret hatte der Gewinn währungsbereinigt 5,9 Milliarden Euro, zu aktuellen Wechselkursen aber nur 5,51 Milliarden Euro betragen, da der starke Euro das Ergebnis drückte. SAP hatte bereits am 10. Januar vorläufige Zahlen veröffentlicht.

Gebremstes Wachstum

Der Umsatz mit Cloud-Produkten - also Mietsoftware und Speicherkapazitäten über das Internet - soll in diesem Jahr viel langsamer wachsen als 2013. Nach dem Plus von 120 Prozent auf gut 750 Millionen Euro im vergangenen Jahr stellte SAP nur noch einen Anstieg von bis zu 32 Prozent auf 950 Millionen bis eine Milliarde Euro in Aussicht. Das Wachstum im vergangenen Jahr war stürmisch, weil dann erst die Umsätze der beiden großen Zukäufe aus 2012 - SuccessFactors und Ariba - voll zum Tragen kamen.

Auch das weitaus größere bisherige Hauptgeschäft mit Software-Lizenzen und Wartung soll in diesem Jahr nur einstellig um sechs bis acht Prozent (Vorjahr: 14 Milliarden Euro) wachsen. In den vergangenen Jahren hatte der Konzern den Umsatz im Kerngeschäft stets um mindestens zehn Prozent gesteigert. Der Dämpfer rührt daher, dass der Wechsel von SAP-Kunden zu Cloud-Diensten das angestammte Geschäft mit Software-Lizenzen teilweise kannibalisiert. Die Cloud-Produkte bringen zudem nur über einen längeren Zeitraum den Umsatz. Das liegt an den unterschiedlichen Preismodellen: Während die komplette Lizenz für eine Software sofort bezahlt wird, entstehen die Gebühren zur Cloud-Nutzung über mehrere Jahre verteilt.

Alle setzen auf die Cloud

Gleichwohl bekräftigte Europas größter Softwarekonzern sein bisheriges Ziel eines Gesamtumsatzes von rund 20 Milliarden Euro im kommenden Jahr, wobei zwei Milliarden Euro aus dem Cloud-Geschäft stammen sollen. Damit müsste SAP den Umsatz mit diesen Produkten im kommenden Jahr stark steigern, wozu auch weitere Übernahmen beitragen könnten. "Wenn uns Akquisitionen sinnvoll erscheinen, machen wir das", sagte McDermott, der Ende Mai alleine das Ruder bei SAP übernehmen wird, da sein Co-Chef Jim Hagemann Snabe auf eigenen Wunsch ausscheidet. Im vergangenen Jahr machte das Cloud-Geschäft nur rund 4,5 Prozent vom Gesamtumsatz in Höhe von 16,9 Milliarden Euro aus. Bis 2017 soll der Anteil auf 15 Prozent steigen.

Auch die schärfsten Konkurrenten von SAP setzen stark auf Cloud-Dienste. Der IT-Dienstleister IBM will mehr als 1,2 Milliarden Dollar in 15 neue Rechenzentren weltweit investieren, um das Geschäft auszubauen. Nach Einschätzung von IBM wird der Cloud-Markt bis 2020 auf 200 Milliarden Dollar Umsatz wachsen. Auch Oracle baut den Vertrieb seiner Cloud-Produkte aus, um gegen die stark wachsenden Konkurrenten Salesforce.com und Workday anzukommen.

mik/Reuters



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