Gekürzter Zuschuss Gesetzliche Krankenversicherung gerät in die roten Zahlen

Das milliardenschwere Geldpolster der Gesetzlichen Krankenversicherung wird kleiner. Im ersten Quartal erzielten Krankenkassen und Gesundheitsfonds zusammen ein Defizit von 915 Millionen Euro. Grund dafür sind der Wegfall der Praxisgebühr und gekürzte Steuerzuschüsse.
Krankenkassenkarten: Ausgaben legen um 4,3 Prozent zu

Krankenkassenkarten: Ausgaben legen um 4,3 Prozent zu

Foto: Angelika Warmuth/ dpa

Berlin - Steigende Ausgaben und die Kürzung von Bundesmitteln haben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im ersten Quartal ein Defizit beschert. Der Gesundheitsfonds, in den die Beitragseinnahmen und Steuerzuschüsse fließen, nahm in den ersten drei Monaten 1,77 Milliarden Euro weniger ein als er ausgab. Die rund 130 Krankenkassen weisen dagegen für die ersten drei Monate nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums erneut einen Überschuss von rund 850 Millionen Euro aus. Dies waren jedoch rund 660 Millionen Euro weniger als im Vorjahresquartal.

In der Gesamtbetrachtung blieb der GKV folglich ein Defizit von rund 915 Millionen Euro - im selben Zeitraum des Vorjahres war es noch ein Plus von 462 Millionen Euro. Die Rücklagen von Kassen und Fonds befinden sich mit 27,7 Milliarden Euro aber weiter auf hohem Niveau. Allerdings sind dies schon jetzt 600 Millionen Euro weniger als noch zum Jahreswechsel.

Für Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sind die Zahlen dennoch ein Grund zur Freude: Die positive Finanzentwicklung setze sich erfreulicherweise fort, sagte der Minister mit Blick auf das Plus der Krankenkassen. Mehr als sieben Millionen Versicherte profitierten dadurch von Prämienzahlungen ihrer Kassen im Gesamtwert von bis zu 700 Millionen Euro. Die Zahlen zeigen nach Ansicht des FDP-Politikers auch, dass die geplanten Hilfen für Krankenhäuser, Notdienst-Apotheken und Verbesserungen im Bereich der Prävention finanziell vertretbar seien.

Steigende Ausgaben

Zwei Faktoren tragen zu dem Defizit bei: Der Zuschuss an den Gesundheitsfonds war von der Bundesregierung für 2013 von 14 auf 11,5 Milliarden Euro gekürzt worden. Bei den Kassen selbst, die aus dem Fonds feste monatliche Beträge zugewiesen bekommen, schlagen neben sinkenden Einnahmen durch den Wegfall der Praxisgebühr vor allem gestiegene Ausgaben zu Buche. Für zentrale Leistungen gaben die Krankenkassen deutlich mehr Geld aus:

  • für die ambulante ärztliche Behandlung 10,4 Prozent,
  • für zahnärztliche Behandlungen 8,4 Prozent,
  • für die Krankenhäuser 2,3 Prozent
  • und für das Krankengeld 7,6 Prozent.
  • Die Arzneiausgaben wuchsen moderat um 0,1 Prozent.

Prognosen für das Gesamtjahr gab das Gesundheitsministerium nicht ab. Zu erwarten sei aber, dass Kassen und Fonds ihre Ausgaben über die Einnahmen decken könnten.

yes/Reuters
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