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27. September 2013, 12:58 Uhr

Gewerkschafts-Warnruf vor Katar

"Die wirkliche Todesrate ist weitaus höher"

Drastische Kritik an WM-Gastgeber Katar: Laut dem Internationalen Gewerkschaftsbund sterben in dem Emirat mehr Migranten als bislang bekannt. Wenn sich nicht sofort etwas ändere, werde allein die Fußball-WM 4000 Menschen das Leben kosten, sagt die Generalsekretärin des Verbandes.

Hamburg - Der Internationale Gewerkschaftsbund IGB verschärft seine Kritik an der geplanten Fußball-WM 2022 in Katar. Bei der Ausbeutung von Gastarbeitern handle es sich um "moderne Sklaverei", sagte Sharan Burrow vom IGB. Burrow ist Generalsekretärin des IGB und damit oberste Vertreterin von weltweit 174 Millionen Mitgliedern aus 156 Ländern.

Der britischen Zeitung "Guardian" zufolge sind von Anfang Juni bis Anfang August 44 nepalesische Arbeiter in Katar gestorben , mehr als die Hälfte an Herzversagen oder bei Arbeitsunfällen. Die Arbeitsbedingungen seien "unmenschlich", sagt auch Burrow, die schon mehrmals selbst vor Ort war.

"Die nepalesische Botschaft schätzt offiziell, dass jedes Jahr 200 nepalesische Migranten sterben. Die indische Botschaft schätzt auch jährlich 200 Tote", sagt Burrow. Sie sei aber der Ansicht, dass "die wirkliche Todesrate weitaus höher ist".

"Katar muss sofort seine Gesetze reformieren"

Teilweise werde Arbeitern der Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt, Migranten seien "dem Arbeitgeber durch das Kafala-System (Bürgensystem zur Aufnahme von Arbeitskräften) ausgeliefert". Selbst grundlegende Rechte, so Burrow, stünden ihnen nicht zu. "Wenn sich da nicht sofort etwas ändert, wird die WM mit 4000 toten Arbeitern bezahlt."

Katar und den Fußball-Weltverband Fifa fordert Burrow zum umgehenden Handeln auf: "Katar muss sofort seine Gesetze reformieren. Firmen, die an den Bau- und Infrastrukturarbeiten in Katar beteiligt sind, müssen dafür sorgen, dass dies nicht auf Kosten von Menschenleben geschieht. Die Fifa sollte Druck auf die Regierung ausüben - und die Weltmeisterschaft nie wieder in einem Land durchführen, in dem Arbeiterrechte und Menschenleben derart verletzt werden!"

Auch vor der WM 2018 in Russland befürchtet Burrow, dass Arbeiterrechte missachtet werden. "Dort besteht auch die Gefahr, dass die Weltmeisterschaft keine guten und fairen Arbeitsplätze schafft." Die Fifa setze die russische Regierung stark unter Druck, eine Gesetzesänderung zu verabschieden, durch die das Arbeitsrecht für Migranten in den kommenden fünf Jahren außer Kraft gesetzt werden soll, sagte die IGB-Chefin.

cte/sid

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