Gewinneinbußen Leighton bringt Hochtief in die Bredouille

Rückschlag für Hochtief im Abwehrkampf gegen den spanischen Bauriesen ACS: Die australische Tochter Leighton wird im laufenden Geschäftsjahr vermutlich deutlich weniger verdienen als bisher angenommen. Das drückt den Börsenkurs und senkt den Preis für den Angreifer.

Leighton-Bauprojekt in Australien: Kostensteigerungen lassen Gewinn schrumpfen
Hcohtief

Leighton-Bauprojekt in Australien: Kostensteigerungen lassen Gewinn schrumpfen


Sydney - Die Nachricht kam überraschend und sie bedeutet nicht Gutes für Großaktionär Hochtief Chart zeigen: Überraschend musste die als Ertragsperle geltende australische Hochtief-Tochter Leighton ihr Gewinnziel zusammenstreichen. Zwar hält der Essener Baukonzern trotzdem an seiner Jahresprognose fest; an der Börse verlor die Aktie von Deutschlands größtem Baukonzern dennoch zeitweise 2,7 Prozent auf 59,95 Euro.

"Die Ankündigung spielt ACS in die Karten", kommentierte LBBW-Analyst Alexander Groschke. Der Hochtief-Kurs gerate unter Druck und erleichtere ACS die geplante Mehrheitsübernahme des deutschen Rivalen. Leighton, an dem Hochtief 54,4 Prozent der Anteile hält, rechnet nach massiven Kostensteigerungen im Auftaktquartal nur noch mit einem Überschuss von umgerechnet 365 Millionen Euro im Bilanzjahr 2010/11, das Ende Juni endet. Bisher waren die Märkte von einem Gewinn von 476 Millionen Euro ausgegangen.

Die Einbußen im vergangenen Quartal will Leighton durch den Verkauf eines Teils seines Indien-Geschäfts wettmachen. Mit Hilfe der Verkaufserlöse solle ein Jahresgewinn vorgelegt werden, der die Erwartungen an den Märkten erfülle, teilten die Australier mit. Von dem Teilverkauf könnte Hochtief wiederum profitieren, denn erfüllte Erwartungen stützen den Börsenkurs. Leighton ist das Juwel des Konzerns und mit rund sieben Milliarden Euro beinahe doppelt so hoch bewertet wie die Konzernmutter.

Der Essener Bauriese will ACS zu einem Gebot auch für die Tochter zwingen und hat einen entsprechenden Antrag bei der australischen Übernahmekommission gestellt. Sollte ACS tatsächlich für Leighton bieten müssen, könnte das die Übernahme verteuern und damit möglicherweise platzen lasen. Der spanische Baukonzern hält bereits knapp 30 Prozent an Hochtief und will den Anteil auf über 50 Prozent aufstocken.

Hochtief hält an Prognose fest

Das Hochtief-Management um Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter bekräftigte trotz der Ergebnisbeeinträchtigungen bei Leighton seine Prognose. Für 2010 werde weiterhin ein Auftragseingang und ein Auftragsbestand über dem Niveau des Vorjahres sowie Umsatzerlöse etwa auf dem Niveau von 2009 erwartet. Das Vorsteuerergebnis und der Konzerngewinn sollen leicht über dem Vorjahreswert liegen.

Für das bei Leighton betroffene Straßenprojekt Airport Link in Brisbane habe das Management frühzeitig Vorsorge getroffen und bereits im Jahresabschluss 2009 entsprechende Rückstellung gebildet. Darüber hinaus gehende Auswirkungen sollen durch die gute operative Entwicklung anderer Unternehmensbereiche des Hochtief-Konzerns sowie durch einen starken australischen Dollar ausgeglichen werden.

Auf die Hilfe der Politik kann Hochtief bei seinen Abwehrbemühungen gegen ACS allenfalls indirekt hoffen. Bei einem Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Katars Ministerpräsidenten Scheich Hamad am Montag in Berlin sind Regierungskreisen zufolge nicht über einzelne Unternehmen gesprochen worden. Der Essener Baukonzern bemüht sich um das Emirat als möglichen Investor, der eine Mehrheit von ACS blockieren könnte.

mik/Reuters

Mehr zum Thema


zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.