SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

04. September 2019, 12:30 Uhr

Konzerne in Deutschland

Zahl der Gewinnwarnungen steigt auf Rekordhoch

Die Konjunktur schwächelt, Deutschlands Unternehmen zeigen sich besorgt: 54 von 308 börsennotierten Konzernen haben ihre Erwartungen nach unten korrigiert - so viele wie nie seit Beginn der Erhebung.

Das Management börsennotierter Unternehmen in Deutschland musste im ersten Halbjahr auffallend oft die Gewinnprognosen zurücknehmen. In 54 Fällen sahen sich die 308 im Prime Standard gelisteten Unternehmen gezwungen, ihre Erwartungen nach unten zu korrigieren. Das ergab eine Auswertung des Beratungsunternehmens Ernst & Young (EY).

Die Zahl der Gewinn- und Umsatzwarnungen sei damit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38 Prozent gestiegen. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011 gab es demnach nie so viele Gewinnwarnungen in einem ersten Halbjahr. Der Prime Standard ist das Segment der Deutschen Börse mit den höchsten Transparenzpflichten für Unternehmen.

"Der Gegenwind für die deutschen Unternehmen nimmt zu", sagte EY-Manager Martin Steinbach. "Zahlreiche Unternehmen mussten schon zu Beginn des Geschäftsjahres feststellen, dass ihre ohnehin nicht übermäßig optimistischen Prognosen doch nicht erreichbar sind."

Automobilbranche besonders betroffen

Sowohl im Dax als auch im MDax und SDax lag laut EY die Zahl negativer Prognosekorrekturen auf Rekordniveau: Im Dax und im MDax legte die Zahl der Warnungen im Vergleich der ersten Halbjahre 2018 und 2019 jeweils von fünf auf sieben zu, im SDax stieg die Zahl von fünf auf zwölf. Im übrigen Prime Standard wurden 28 Warnungen gezählt - nach 24 im Vorjahreszeitraum.

Die meisten Warnungen kamen den Angaben zufolge aus der Automobilbranche: Fünf der zwölf börsennotierten Autokonzerne und Zulieferer mussten im ersten Halbjahr ihre Prognosen nach unten korrigieren. Der weltweite Absatzrückgang treffe die Branche zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, hieß es. Denn ohnehin würden hohe Investitionen die Gewinne stark belasten.

Es gab aber auch positive Nachrichten von börsennotierten Unternehmen: 51 Mal wurden Prognosen bezüglich Umsatz und/oder Gewinn nach oben geschraubt. Das waren etwas mehr solcher Meldungen als im Vorjahreszeitraum (43), aber nur halb so viele wie im ersten Halbjahr 2017.

Nach einem Jahrzehnt des Aufschwungs in Deutschland sprechen viele Ökonomen wieder von Rezession. So sagt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für das laufende dritte Quartal einen Konjunkturrückgang voraus. Bereits im Frühjahr hatte es ein Minus von 0,1 Prozent gegeben. Bei zwei Rückgängen in Folge wird von einer Rezession gesprochen.

Auch die Bundesbank hält eine Rezession für möglich. Zuletzt hat sich auch die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft im August den fünften Monat in Folge verschlechtert. Das Ifo-Barometer für das Geschäftsklima fiel auf den niedrigsten Wert seit November 2012.

mmq/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung