GfK-Konsumklima Verbraucher haben zunehmend Angst vor Rezession

Die Konjunktur schwächt sich ab, die Unsicherheit wegen Trump und Brexit wächst - das hat Folgen für die Menschen in Deutschland: Laut GfK-Institut geben sie ihr Geld vorsichtiger aus.

Kaum Einkaufstüten: Innenstadt in Hameln (Archiv)
Julian Stratenschulte / DPA

Kaum Einkaufstüten: Innenstadt in Hameln (Archiv)


Die Kauflaune der Verbraucher in Deutschland trübt sich ein. Bereits den dritten Monat in Folge ist das Konsumklimabarometer des Marktforschungsinstituts GfK gesunken. Für August prognostizieren die Marktforscher einen Rückgang beim Konsumklima um 0,1 Punkte auf 9,7 Zähler. Das ist der niedrigste Wert seit April 2017. Im Juli waren es noch 9,8 Punkte gewesen.

Die GfK-Studie basiert auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews im Auftrag der Europäischen Union. Das Konsumklima bezieht sich nicht nur auf die Ausgaben im Einzelhandel, sondern umfasst auch Dienstleistungen, Mieten, Reisen und Gesundheit.

"Die Stimmung der Verbraucher zeigt in diesem Monat ein weniger optimistisches Bild", teilte die GfK mit. GfK-Konsumklimaexperte Rolf Bürkl sagte: "Der Handelskonflikt mit den USA, anhaltende Brexit-Diskussionen sowie die globale Abkühlung der Konjunktur lassen die Rezessionsängste weiter steigen."

Vor allem Beschäftigte in den stark exportorientierten Branchen wie der Automobilindustrie und deren Zulieferern seien betroffen. Die nun vermehrt auftretenden Gewinnwarnungen von Unternehmen sowie Meldungen über Personalabbau und die Einführung von Kurzarbeit ließen die Angst vor Jobverlust wachsen, so der Experte.

Verbraucher rechnen dennoch mit Einkommenszuwachs

Die wachsende Skepsis geht demnach vor allem auf die Sorge vor einer Wirtschaftsabkühlung zurück. Der Teilindikator der Konjunkturerwartungen rutschte erstmals seit März 2016 unter den langjährigen Durchschnittswert von null Punkten. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im November 2015 gemessen.

Die Forscher zeigen sich insgesamt aber immer noch optimistisch. "Die Konsumlaune bleibt trotz des Dämpfers noch intakt", sagte Bürkl. Zudem rechnen die Verbraucher laut GfK in den kommenden Monaten mit einem spürbaren Einkommenszuwachs - "auch wenn der Job-Boom der letzten Jahre langsam zu Ende geht".

Die Inlandsnachfrage in diesem Jahr bleibe eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur, sagte Bürkl. Für das Gesamtjahr gehe er bisher weiter von einem Anstieg der privaten Konsumausgaben um etwa 1,5 Prozent aus - im vergangenen Jahr lag das Plus bei 1,1 Prozent.

kko/dpa/Reuters

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insgesamt 15 Beiträge
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matbhmx 30.07.2019
1. Es ist natürlich besonders sinnvoll, ...
... jetzt zu sparen, nachdem offensichtlich bei den Notenbanken in den nächsten Jahren die Pferde durchgehen und Erspartes enteignet werden soll. Genau genommen weiß man als Bürger überhaupt nicht mehr, was man überhaupt noch machen soll.
berthadammertz 30.07.2019
2. Ich schäme mich! Ich schade dem Konsumkapitalismus!
Dieser Beitrag hat mir die Augen geöffnet: Ich bin schuld an Rezessionen usw. Obwohl ehemalige Beamtin (A-16) und Mieterin mit einer sehr billigen Miete (seit fast fünfzig Jahren) und somit Empfängerin einer relativ hohen Pension und im Besitz etlicher Sparguthaben, fahre seit über zwanzig Jahren den gleichen Kleinwagen (keine 8000 km im Jahr), niemals im Leben Urlaubsflüge oder gar Kreuzfahrten, Garderobenkauf nur, wenn er nötig war. Feudal essen gehen, fiel mir niemals ein. Eine Zeitung (SZ) abonniert. Andere Printmedien (FAZ, SPIEGEL, ZEIT, BLÄTTER FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK, SPEKTRUM DER WISSENSCHAFT, MERKUR) im Laufe der Jahre abbestellt. Nur meine Buchhändlerin kann mit mir, wenn auch reduziert, rechnen. Ich habe immer gedacht, Sparen ist gut, Sparsamkeit eine Tugend. Sollte ich mich geirrt haben? Gibt es eine Konsumpflicht? Gar ein Konsumgesetz? Ausgaben in Korrelation zum Einkommen, zur Pension? (Ich gebe nur da. 35% meines Pensionseinkommen aus; inklusive Krankenversicherung) Ich sehe ein, dass ich mein Verhalten ändern muss; bloß wie?
transatco 30.07.2019
3. Weniger Konsum = Gut für die Umwelt
Je weniger sinnloses Zeug gekauft und je weniger Energie für sinnlose Mobilität verwendet wird umso besser für die Umwelt! Ich denke wir müssen in den nächsten Jahren ohnehin unseren Konsum zurückschrauben, wenn uns der Planet nicht um die Ohren fliegen soll! Dafür entstehen neue Chancen! Mehr Fahrrad fahren ( Gerne auch mal über ein Fahrrad mit Schutzkabine) nachdenken! Weniger Elektroschrott kaufen, und dann reichen auch 30 h Arbeitszeit pro Woche und man hat mehr um sich um die Kinder oder seine Gesundheit zu kümmern! Das könnte durchaus "win-win" sein man muss nur mal die ewige Wachstumsmanie hinterfragen!
frankfurtbeat 30.07.2019
4. wäre ...
wäre zu überlegen inwieweit man seine Schulden erhöht. Zinsen gibt es nicht aufgrund der Geldschwemme durch die EZB veranlasst. Eventuell sind die Vorbereitungen bereits getroffen so das im Notfall wieder einmal Geld über Hypotheken zu Lasten der Eigenheimbesitzer beschafft wird, private Bestände an Edelmetallen dokumentiert sind. Das dieses Geldsystem irgendwann kollabiert ist nachvollziehbar - noch immer rudert man mit unterschidlichsten Methoden gegen den Knall aber auch das billige Geld hilft tatsächlich nicht weiter. irgendwann wird noch Geld an den Bürger zum Konsumieren ausgezahlt und danach geht das Licht aus. Warten wir ab wie lange das noch funktioniert ... ich ging davon aus, das es bereits früher knallen würde.
derleibhaftige 30.07.2019
5. Wegen Trump ?
Was können die Briten oder die Amerikaner dafür, dass in Deutschland das letzte bisschen Wachstum von maximal 1-2 % p.a. jetzt von geplanten neuen Energiesteuern und vielen weiteren geplanten Verboten ganz abgewürgt wird ? Nein, denn die großen Unsicherheitsfaktoren für Wirtschaft und Verbraucher kommen - wie immer - eher aus Brüssel und Berlin !
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