Marktforscher in der Krise GfK bekommt neuen Chefaufseher

Beim Marktforschungsunternehmen GfK steht mit Ralf Klein-Bölting ein Teil der neuen Führungsspitze fest. Der Markenberater wird Aufsichtsratschef, ein neuer Vorstandsvorsitzender wird aber noch gesucht.

GfK-Zentrale in Nürnberg
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GfK-Zentrale in Nürnberg


In der Führungskrise bei der GfK stellt der Mehrheitseigner der Nürnberger Marktforscher - der GfK Verein - künftig den Aufsichtsratschef. Der Berater Ralf Klein-Bölting werde von September an Chefaufseher, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit.

Der bisherige Aufsichtsratschef Arno Mahlert hatte vor zwei Wochen im Streit mit dem Verein seinen Rücktritt zum 12. September erklärt - ebenso wie Vorstandschef Matthias Hartmann, der allerdings noch bis zum Jahresende bleiben soll. Beide führten "unterschiedliche Ansichten zur langfristigen geschäftspolitischen Ausrichtung mit dem Großaktionär" dafür an. Eine Woche zuvor hatte die GfK Chart zeigen ihre Gewinnziele zum zweiten Mal zurückgenommen, der Aktienkurs war danach um mehr als 20 Prozent eingebrochen.

Klein-Bölting war früher Marketing-Manager der Deutschen Bahn und des Versandhändlers Otto. Der 54-Jährige führt die Markenberatung Nextbrand und sitzt seit sieben Jahren im Präsidium des GfK Vereins. Der designierte Aufsichtsratschef sagte nun, es gelte, "die richtigen Weichen zu stellen, um GfK erfolgreich in die Zukunft zu führen". Vorrang hätten dabei die Stärkung des operativen Geschäfts und die Suche nach einem Vorstandschef.

Verkaufsgerüchte treiben Aktienkurs

Im GfK Verein sind Hunderte Konsumgüterunternehmen und andere GfK-Kunden zusammengeschlossen. Er hält 56,5 Prozent des börsennotierten Unternehmens, stellt aber erst seit der Hauptversammlung im Mai wieder zwei Mitglieder im Aufsichtsrat der GfK. Damals war auch Klein-Bölting in das Gremium gewählt worden.

Am Donnerstagvormittag hatten Hoffnungen auf eine Übernahme den Kurs der GfK-Aktie Chart zeigen um bis zu 8,4 Prozent steigen lassen. Der "Wirtschaftswoche" zufolge prüft der Aufsichtsrat Optionen für die Zukunft des Konzerns, die "bis zu einer Fusion oder dem Verkauf von Anteilen an einen Wettbewerber reichen". An der Börse ist die GfK gut eine Milliarde Euro wert.

Das Unternehmen teilte mit, es äußere sich nicht zu Marktgerüchten. Auch der GfK Verein war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Laut "Wirtschaftswoche" erwägen die größeren GfK-Rivalen Nielsen und IMS Health aus den USA sowie die WPP-Tochter Kantar eine Übernahme der GfK. Auch bei den Unternehmen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Insidern zufolge hatte die GfK bereits im Frühjahr das Interesse von Finanzinvestoren an einem Einstieg ausgelotet. Sie winkten demnach aber ab, weil der GfK Verein seine Mehrheitsbeteiligung nicht abgeben wollte. Die GfK erhofft sich von neuen Investoren frisches Kapital für die weitere Expansion.

fdi/dpa/Reuters



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