Gillettes "Mach3" Gericht untersagt Wilkinson Verkauf von Billigklingen

Entscheidung im sogenannten Rasierklingen-Krieg: Wilkinson darf keine billigen Ersatzklingen für den bekannten "Mach3"-Rasierer des Konkurrenten Gillette verkaufen. Vorräte müssen übergeben werden.
Gillette-Rasierer "Mach3"

Gillette-Rasierer "Mach3"

Foto: Christophe Gateau/ dpa

Das Düsseldorfer Landgericht hat dem Rasiererhersteller Wilkinson im Eilverfahren untersagt, preisgünstige Ersatzklingen für den verbreiteten Nassrasierer "Mach3" des Konkurrenten Gillette herzustellen. Durch die Nachahmerklingen werde ein Patent von Gillette über die Verbindung von Griff und Klingeneinheit verletzt, sagte der Vorsitzende Richter Tim Crummenerl am Dienstag.

Vorhandene Vorräte an den Nachahmerklingen muss Wilkinson laut Urteil einem Gerichtsvollzieher übergeben, bis über eine mögliche Vernichtung entschieden ist. Bereits an den Handel - also etwa Supermärkte oder Drogerien - ausgelieferte Ware ist davon jedoch nicht betroffen, sagte eine Gerichtssprecherin.

Der Rasiererhersteller Wilkinson und sein Mutterkonzern Edgewell hatten vor Kurzem Klingen auf den Markt gebracht, die auf den Rasierer des Konkurrenten passen. Die Klingen wurden laut Gericht in fünf Drogeriemarktketten als Eigenmarken zu Preisen verkauft, die rund 30 Prozent unter dem Niveau des Originals lagen. Gillette, das bislang ein Monopol auf die Ersatzklingen hatte, beantragte daraufhin eine einstweilige Verfügung gegen den Rivalen.

Preisgestaltung wie im Marketing-Lehrbuch

Wilkinson hatte die Herstellung vor Gericht verteidigt und argumentiert, dass das Patent von Gillette nichtig sei, weil die darin beschriebene Mechanik schon zum Zeitpunkt der Erteilung des Patents 1998 nicht wirklich neu gewesen sei. Das Gericht teilte diese Meinung jedoch nicht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Wilkinson kündigte an, in Berufung zu gehen. Doch selbst wenn Wilkinson den Verkauf der Nachahmerprodukte zunächst einstellen muss, können "Mach3"-Besitzer hoffen, schon in absehbarer Zeit wieder billigere Klingen zu bekommen: Das umstrittene Patent läuft im Februar 2018 aus.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf eine Preisstrategie von Rasiererherstellern, die Eingang in Marketing-Lehrbücher gefunden hat: Um Kunden zu gewinnen, verkaufen einige Firmen Nassrasierer verhältnismäßig günstig. Die Ersatzklingen haben hingegen hohe Preise.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa, auch bereits an den Handel ausgelieferte Wilkinson-Klingen seien von dem Rückruf betroffen. Das ist nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Düsseldorf jedoch nicht der Fall. Die dpa hat ihre Meldung inzwischen korrigiert.

beb/dpa
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