Studie zu Männern und Frauen in Vorständen Die Geschlechter-Parität kommt - vielleicht 2053

Deutschland liegt beim Anteil weiblicher Vorstände EU-weit nur auf Platz 24. Laut einer Studie dürfte es mehr als 30 Jahre dauern, bis das Ziel paritätisch besetzter Vorstände erreicht ist.
Frauenmangel auf Deutschlands Vorstandsetagen (Symbolbild)

Frauenmangel auf Deutschlands Vorstandsetagen (Symbolbild)

Foto: Oliver Berg / DPA

In den Vorständen deutscher Unternehmen herrscht dramatischer Frauenmangel. Trotz der jahrelangen Diskussion um den hohen Wert weiblicher Fachkräfte für die Wirtschaft arbeiten in den Top 100 an der Börse notierten Firmen nur zehn Prozent weibliche Vorstände, wie eine Studie der Boston Consulting Group (BCG) zeigt. So zäh steigt der Anteil von Frauen an den Machthebeln der Unternehmen, dass es bei diesem Tempo mehr als 30 Jahre dauern würde, bis eine Parität von Männern und Frauen in den Vorständen erreicht wäre.

Dabei beweisen Deutschlands Nachbarn, dass es ganz anders geht. Unter den 27 EU-Ländern belegen hiesige Vorstände bei der Höhe des Frauenanteils gerade einmal Platz 24. Rumänien, Estland und Litauen liegen mit fast einem Drittel weiblicher Vorstände vorn, Frankreich und Dänemark kommen auf ein Fünftel, Spanien und Portugal immerhin auf 16 und 15 Prozent, Italien auf 13 Prozent.

Genügend weibliche Führungskräfte warten

Woran es in Deutschland eigentlich nicht hapert, ist das Reservoir an Kandidatinnen für die Führung der Firmen. "Die Talent-Pipelines der Unternehmen sind gut gefüllt", stellen die Studienautoren fest. Ihre Analyse ergab, dass in der Ebene unter den Vorständen zu 19 Prozent Frauen arbeiten, noch eine Ebene tiefer sind es 23 Prozent. Für die Topjobs in Deutschland wären demnach genügend Frauen vorhanden. "Trotzdem tun sich deutsche Unternehmen schwer damit, aus Eigeninitiative diverser zu werden", so die Autoren.

Dabei ist es schon lange durch viele Studien belegt, wie positiv der Effekt diverser Führungsteams für Unternehmen ist. Solche Firmen gelten durchweg als profitabler, innovativer, langfristig erfolgreicher. Unternehmen mit mehreren Frauen im Führungsteam erwirtschafteten im Schnitt eine um neun Prozentpunkte höhere Gewinnmarge, hätten 19 Prozent weniger Rechtsstreitigkeiten und eine um 14 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, in Betrugsfälle verwickelt zu sein, so die Analyse.

"Diversität macht Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich. Dieser Fakt ist leider noch nicht in den Köpfen aller Entscheider in Deutschland angekommen", sagt Nicole Voigt, Autorin der Diversity-Studien von BCG. Während eine Spitzengruppe der Unternehmen die Vielfalt in den Führungsetagen kontinuierlich ausbaue, täten andere in dieser Hinsicht gar nichts. "Die top 50 Unternehmen in unserem Index haben den Frauenanteil im Vorstand seit 2017 um die Hälfte vergrößert, nämlich von 13 auf 20 Prozent." Doch die unteren 50 Unternehmen hätten 2017 keine Frauen im Vorstand gehabt, und das sei auch 2020 noch so.

Erfolge im Ausland verstärken Debatte um Frauenquote

Viele europäische Länder haben den Anteil weiblicher Vorstände durch Frauenquoten massiv erhöht. Das heizt die Debatte auch in Deutschland an. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) will mit anderen Ministern eine stärkere Gleichstellung in den Führungsetagen durchsetzen und hat dafür zuletzt etwa für Staatsunternehmen wie die Deutsche Bahn eine Frauenquote angepeilt. Die meisten männlichen Vorstände der Bahn wollen davon aber nichts wissen.

An Stellhebeln mangelt es aus Sicht der BCG-Experten nicht, um mehr Frauen den Weg in die Führungsetagen zu ebnen. So könnte man Unternehmen dazu verpflichten, Frauenquoten in Stellenanzeigen anzugeben und so ihre Haltung dazu öffentlich machen. Firmen könnten Diversitätsziele mit der Vorstandsvergütung koppeln. Mit Jobsharing und Änderungen bei Elterngeld und Ehegattensplitting ließen sich mehr Anreize schaffen, damit Frauen Führungspositionen einnehmen. Frauenquoten und das Recht auf Homeoffice gehörten ebenso zu möglichen Treibern.

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