Glencore-Chef Glasenberg Ivan, der Mächtige

Eine Handvoll Konzerne kontrolliert weltweit das Geschäft mit wertvollen Rohstoffen. Mit dem Kauf des Konkurrenten Xstrata wird das Schweizer Unternehmen Glencore zum wohl mächtigsten Spieler der Branche - und erfüllt damit den Lebenstraum eines Mannes, der immer ganz nach oben strebte.
Glencore-Chef Glasenberg: "Er ist immer der Schlauste im Raum"

Glencore-Chef Glasenberg: "Er ist immer der Schlauste im Raum"

Foto: © Arnd Wiegmann / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Ivan Glasenberg ist Ausdauersportler. In seinem Geburtsland Südafrika wurde er mehrfach Landesmeister im Gehen. Und wenn es seine Zeit erlaubt, trainiert der 55-Jährige auch heute noch im Fitnessraum der Schweizer Glencore-Firmenzentrale am Zuger See.

Ansonsten weiß man recht wenig über den Mann, der in diesen Tagen zum vielleicht mächtigsten Rohstoffhändler der Erde aufsteigen soll. Die "Financial Times" nannte ihn einmal "eines der großen Rätsel der Firmenwelt". Glasenberg ist Chef des Schweizer Konzerns Glencore - schon jetzt ein Gigant und wahrscheinlich bald noch größer. Denn Glencore steht kurz davor, den ebenfalls in der Schweiz ansässigen Minenbetreiber Xstrata zu übernehmen. Am Montag empfahl der Xstrata-Vorstand seinen Aktionären, das Glencore-Angebot anzunehmen. Damit steht das Geschäft kurz vor dem Abschluss. Es hätte ein Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar.

Wie es aussieht, hat sich Ivan Glasenberg wieder einmal durchgesetzt. Der Manager gilt als einer der härtesten und zähsten Verhandler in der Unternehmenswelt. "Er ist immer der Schlauste im Raum und allen anderen immer einen Schritt voraus", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Hedgefonds-Manager. "Hedgefonds denken immer, dass sie schlauer sind als die Konzernchefs, aber nicht bei Ivan."

Beim größten Deal seines Lebens bewies Glasenberg eine ähnliche Ausdauer wie beim Sport. Über Jahre zog sich die Übernahme von Xstrata hin, im Februar 2012 wurden die Verhandlungen öffentlich. Mehrmals sah es so aus, als sei Glasenberg am Ziel, doch immer wieder musste er Rückschläge hinnehmen. Im Sommer etwa blockierte der Golfstaat Katar den Deal: Der Großaktionär von Xstrata wollte seine Anteile partout nicht hergeben.

Doch irgendwie hat Glasenberg auch die Scheichs weich bekommen - wenn auch zu einem hohen Preis: Glencore musste noch mal ein paar Milliarden Dollar auf den Kaufpreis drauflegen.

"Glencore ist die Weltwirtschaft"

Lohnen dürfte sich das Geschäft trotzdem: Denn es entsteht ein Megakonzern, der die gesamte Wertschöpfungskette von der Förderung über die Verarbeitung bis zum Transport und Verkauf abdeckt.

Glencore ist bereits heute der größte Rohstoffhändler der Welt und hat sich in den vergangenen Jahren unter Glasenbergs Ägide immer breiter aufgestellt. Das Unternehmen fördert mittlerweile auch selbst Kohle, Nickel   und Kupfer  . Es baut Mais, Zucker und Baumwolle an. Ihm gehören 49 Prozent des russischen Ölförderers Russneft. Eine eigene Hochseeflotte transportiert die Waren rund um den Globus. "Glencore ist die Weltwirtschaft", stellte der oberste Rohstoffhändler der US-Bank Citigroup, Stuart Stanley, einst ehrfürchtig fest.

Der Rohstoffhandel ist ein schmutziges Geschäft. Glencore wird immer wieder vorgeworfen, sich auf Kosten seiner Zulieferer oder der Umwelt zu bereichern. Erst im Frühjahr veröffentlichten zwei Schweizer Hilfswerke eine Studie, wonach der Konzern in Afrika Kupfer verarbeite, das von Kindern gefördert werde. Glencore wies die Vorwürfe zurück. Doch das reicht nicht immer. Im Juni verurteilte ein belgisches Gericht die Glencore-Tochter Glencore Grain Rotterdam zu einer Geldstrafe von 500.000 Euro. Das Unternehmen soll einem EU-Mitarbeiter dessen Urlaub und Handyrechnungen bezahlt haben, um an vertrauliche Informationen über Getreidesubventionen zu kommen.

Eine Strafe, die Glencore aus der Portokasse zahlen kann. Glasenberg lässt sich von solch kleinen Rückschlägen nicht stoppen. Zuletzt baute er das Geschäft im Eiltempo aus. Im Mai übernahm Glencore die Kontrolle über den kongolesischen Kupferförderer Mutanda Mining. Im Juli kaufte das Unternehmen den kanadischen Getreidekonzern Viterra, der Zugriff auf die gigantischen Vorräte des Landes an Raps und Weizen hat.

Der Xstrata-Deal soll für Glencore nun der ganz große Schritt werden. Durch den Zusammenschluss wird die Nummer eins der Rohstoffhändler auch zum viertgrößten Rohstoffförderer der Welt. Der Konzern nimmt damit eine einzigartige Schlüsselrolle im weltweiten Geschäft ein.

Einige wenige Konzerne kontrollieren das Geschäft

Größe scheint in der Branche derzeit ohnehin einer der wichtigsten Faktoren zu sein. Durch Fusionen und Übernahmen sind in den vergangenen Jahren eine Handvoll Megakonzerne entstanden, die einen großen Teil des weltweiten Rohstoffgeschäfts kontrollieren. Dazu zählen die britisch-australischen Unternehmen BHP Billiton und Rio Tinto sowie Vale aus Brasilien und China Shenhua.

Häufig haben solche Konzerne die Macht, Preise zu diktieren - und so gigantische Gewinne aus dem seit rund zehn Jahren anhaltenden Rohstoffboom zu schlagen. Vor allem die schnell wachsenden Schwellenländer wie China oder Indien sind auf den Materialnachschub angewiesen. Doch zuletzt ließ die Konjunktur auch in diesen Ländern spürbar nach, die Nachfrage sank. Das bekamen auch die Rohstoffriesen zu spüren - der Gewinn von Xstrata etwa fiel im ersten Halbjahr 2012 von knapp drei auf knapp zwei Milliarden Dollar.

Ivan Glasenberg wird sich seine Gedanken gemacht haben, wie er damit umgeht. Er kennt Xstrata gut, Glencore hält schon seit Jahren mehr als 30 Prozent an dem Unternehmen. Glasenberg und Xstrata-Chef Michael Davis wuchsen im selben Viertel in Johannesburg auf und besuchten dasselbe College.

Ursprünglich wollte Glasenberg seinem alten Kumpel auch den Chefposten des neuen Konzerns überlassen. Doch mittlerweile hat er es sich anders überlegt: Nach sechs Monaten soll Davis abtreten, natürlich mit einem gut geschnürten Abfindungspaket, dann übernimmt Glasenberg den gesamten Laden.

Damit erreicht der 55-Jährige ein Lebensziel. Schon als Student in Johannesburg träumte er davon, als Händler reich zu werden. Er habe damals für ein Uni-Projekt einen Kerzenwachshändler beobachtet, der den Rohstoff aus Südamerika nach Japan transportieren ließ, erzählte er Jahre später. "Ich dachte mir: Das ist unglaublich: Während er telefonierte verdiente dieser Mann Geld, indem er Kerzenwachs von einem Land ins andere brachte."

Heute ist Glasenberg Multimilliardär, er hält gut 15 Prozent an Glencore. Als das Unternehmen im vergangenen Jahr an die Börse ging, strich Glasenberg laut Medienberichten rund fünf Milliarden Schweizer Franken ein. Sein Wohnort Rüschlikon am Zürichsee freute sich über einen wahren Geldsegen - und senkte kurz darauf den Steuersatz.


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