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10. Juni 2010, 18:00 Uhr

Globale Vermögensstudie

Reiche sind reicher als vor der Finanzkrise

Tschüs, Finanzkrise! 2009 gab es weltweit Vermögenswerte in Höhe von 111,5 Billionen Dollar - so viel wie 2007. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung BCG hervor. Von dem Plus profitieren vor allem die Reichen: So ist die Zahl der deutschen Millionärshaushalte stark gestiegen.

Hamburg - Die Finanzkrise nähert sich zumindest auf dem Markt für Geldanlagen ihrem Ende: Im vergangenen Jahr sind die Vermögenswerte von Privatanlegern, die in Bargeld, Aktien, Wertpapieren oder Fonds angelegt sind, um 11,5 Prozent gewachsen. Insgesamt wurden 111,5 Billionen Dollar verwaltet. Das ergab eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG).

Bemerkenswert ist: Die Verluste des Vorjahres konnten damit wieder wettgemacht werden. 2008 waren die globalen Vermögenswerte im Vergleich zu 2007 um mehr als zehn Prozent auf rund hundert Billionen Dollar eingebrochen - jetzt liegt das Volumen wieder auf dem Niveau, bevor die Finanzindustrie und damit die Weltwirtschaft nach der Lehman-Pleite in die Krise rutschte.

In allen Regionen der Welt stehen die Zeichen laut der Studie auf Erholung:

Hauptgründe für den Aufschwung waren der Studie zufolge das Anziehen der Finanzmärkte und höhere Spareinlagen. Während in Nordamerika steigende Börsenwerte 90 Prozent des Vermögenszuwachses ausmachten, ist das Wachstum in Europa und der Asien-Pazifik-Region laut Studie zu gleichen Teilen auf höhere Börsenwerte und Spareinlagen zurückzuführen.

Auch wenn sich eine Entspannung am Anlagenmarkt anbahne - zur Normalität sei die Branche noch nicht zurückgekehrt, heißt es in der Untersuchung. Das Kundenvertrauen sei nach wie vor angeschlagen, die Ergebnisse der Vermögensverwalter fielen schwächer aus als vor Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise.

Immerhin dürfte sich der Aufwärtstrend in den kommenden Jahren fortsetzen. Bis 2014 werden die globalen Vermögenswerte nach BCG-Schätzungen um durchschnittlich sechs Prozent zunehmen - pro Jahr. Damit werde das Wachstum zwar deutlich schwächer als im vergangenen Jahr ausfallen, aber immer noch höher als in den vergangenen fünf Jahren.

"In den Schwellenländern wird das Vermögen vor dem Hintergrund eines starken wirtschaftlichen Wachstums schneller zunehmen", sagte Ludger Kübel-Sorger, BCG-Geschäftsführer und Wealth-Management-Experte. "Wir erwarten, dass die Vermögenswerte in der Region Asien-Pazifik doppelt so schnell steigen wie im Rest der Welt. Ihr Anteil an den globalen Vermögenswerten wird sich auf 20 Prozent im Jahr 2014 ausweiten."

430.000 Millionäre in Deutschland

Mit dem globalen Aufschwung feiern auch die Reichen ein Comeback: Weltweit wurden im vergangenen Jahr 11,2 Millionen Millionärshaushalte ermittelt - 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Millionäre wohnten in den USA (4,7 Millionen), gefolgt von Japan (1,2 Millionen), China (670.000), Großbritannien (485.000) und Deutschland (430.000).

Mit einem Anstieg von 35 Prozent wuchs die Anzahl der Millionärshaushalte in Singapur am stärksten, gefolgt von Malaysia (33 Prozent), der Slowakei (32 Prozent) und China (31 Prozent). In Deutschland waren es immerhin noch 23 Prozent. Global zählten 2009 weniger als ein Prozent aller Haushalte zum Kreis der Millionäre; diese verfügten aber über 38 Prozent aller Vermögensanlagen.

Anlagen in Ländern, in denen der Anleger keinen gesetzlichen oder steuerlichen Wohnsitz hat, wuchsen 2009 auf 7,4 Billionen Dollar. 2008 betrug das Gesamtvermögen in sogenannten Offshore-Gebieten noch 6,8 Billionen. Wichtigstes Anleger-Mekka ist die Schweiz mit einem Anteil von 27 Prozent der weltweiten Offshore-Vermögenswerte.

Laut der Studie haben die traditionellen Offshore-Zentren ihren Zenit allerdings überschritten - zumindest vorläufig. BCG prognostiziert einen leichten Rückgang des Offshore-Vermögens an den gesamten Vermögenswerten von aktuell sieben Prozent auf rund sechs Prozent bis 2014.

Hauptgrund sei, dass immer mehr Länder ihre Anlegergesetze verschärften. "Obwohl nicht angegebene Vermögenswerte nur einen kleinen Anteil des Offshore-Vermögens ausmachen, wird der Vorstoß zu mehr Transparenz viele Kunden dazu veranlassen, ihre Anlagen abzuziehen", sagte BCG-Experte Kübel-Sorger. "Für Privatbanken bedeutet dies, dass sie ihre Strategien anpassen müssen." Manche Märkte müssten sie möglicherweise ganz aufgeben.

ssu

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