Jahresbericht Glyphosat-Klagen bleiben schwere Last für Bayer

Die Geschäftszahlen bei Bayer sind ordentlich, der Gewinn hoch. Eine weiter steigende Zahl an Klagen gegen Konzerntochter Monsanto wegen des Unkrautvernichters Glyphosat überschattet aber das Ergebnis.
Bayer-Chef Baumann: Unter Druck trotz guter Zahlen

Bayer-Chef Baumann: Unter Druck trotz guter Zahlen

Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERS

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat 2019 Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Der Konzernumsatz sei um 18,5 Prozent auf 43,5 Milliarden Euro angewachsen, teilte das Leverkusener Unternehmen mit. Bayer habe unter anderem von einem Wachstum der Pharmasparte und einer Erholung des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten profitiert. In beiden Bereichen stieg der Umsatz etwas stärker, als Analysten im Mittel erwartet hatten. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um rund 28 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro.

Der Umsatz lag einen Tick über den Schätzungen, das operative Ergebnis auf dem Niveau der Erwartungen. Die deutlichen Zuwächse lagen aber auch an der Übernahme des US-Saatgutkonzerns Monsanto. Unter dem Strich blieben mit 4,09 Milliarden Euro auch dank des Verkaufs von Unternehmensteilen 141 Prozent mehr hängen als vor einem Jahr. Die Dividende soll dennoch unverändert bei 2,80 Euro je Aktie bleiben.

Rechtskosten in Milliardenhöhe erwartet

Mit großer Spannung wurden neben dem Ergebnis auch Informationen zum Fall Monsanto erwartet. Die gute Nachricht für die Aktionäre: Die Welle der Glyphosat-Klagen gegen Bayer ebbt Unternehmensangaben zufolge etwas ab. Die Zahl der Kläger wegen der womöglich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters habe sich bis zum 6. Februar zwar auf etwa 48.600 erhöht. Demnach stieg aber die Klägerzahl in den USA deutlich geringer als zuletzt. Ein vom Gericht bestellter Schlichter hatte im Januar allerdings deutlich höhere Zahlen genannt - und von 75.000 bis 85.000 Klagen gesprochen. Bayer widersprach dieser Darstellung.

Im vergangenen Oktober hatte Bayer vor allem die Werbekampagnen der großen Anwaltskanzleien dafür verantwortlich gemacht, dass sich die Zahl der Glyphosat-Kläger innerhalb von nur drei Monaten auf 42.700 erhöht und damit mehr als verdoppelt hatte. Vorstandschef Werner Baumann sagte, der Konzern werde die Berufungsverfahren entschieden weiter verfolgen. Hinter den Kulissen laufen aber auch Vergleichsgespräche. Analyst Markus Mayer von der Baader Bank rechnet mit einem groß angelegten Vergleich bis zur Hauptversammlung Ende April. Er hält dafür und für andere Rechtskosten eine Summe von zwölf Milliarden Euro für wahrscheinlich.

Auch Bayer selbst ging in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2019 explizit auf die Risiken durch den Glyphosat-Rechtsstreit in den USA ein. Im Zuge der Verfahren könnten bei einer Verurteilung, aber auch durch außergerichtliche Vergleiche, erhebliche Kosten entstehen, was zusätzliche Finanzmittel erfordern würde. Dafür sei eventuell auch eine Kapitalerhöhung oder ein Verkauf von Unternehmensteilen nötig.

apr/dpa/Reuters
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