Glyphosat-Prozess Bayer-Aktie stürzt ab

Die Richterin im Glyphosat-Prozess will das Strafmaß für Bayer deutlich reduzieren. Weil sie aber ein früheres Urteil grundsätzlich bestätigte, brach die Aktie ein.
Bayer-Zentrale (Archiv)

Bayer-Zentrale (Archiv)

Foto: Oliver Berg/ dpa

Ein US-Gericht hat im Glyphosat-Prozess gegen die Bayer-Tochter Monsanto das Urteil gegen den Herbizid-Hersteller grundsätzlich bestätigt. Die Strafsumme wurde aber deutlich reduziert. Die Aktie von Bayer   stürzte dennoch ab.

Die Entscheidung kam unerwartet: Vor knapp zwei Wochen hatte Richterin Suzanne Bolanos noch signalisiert, den Fall im Sinne von Monsanto ganz neu aufrollen zu lassen.

Doch jetzt bekräftigte sie eine Gerichtsentscheidung vom August, wonach Monsanto-Mittel wie Roundup verantwortlich für die Krebserkrankung des Klägers sind. Monsanto weist die Vorwürfe zurück. Bayer bekräftigte seine Position, Glyphosat sei sicher - und kündigte Berufung an. Die verringerte Strafsumme beträgt 78 Millionen Dollar.

Aktie bricht ein

Glyphosat zählt zu den am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtern in der Landwirtschaft. Erstmals gab es nun einen Prozess in den USA, der sich mit der Frage befasste, ob der Wirkstoff Krebs verursachen kann. Analysten werteten die Kehrtwende der Richterin als Rückschlag für Bayer. Und die Anleger sind nervös: Die Bayer-Aktie brach zeitweise um acht Prozent ein. In den USA sind rund 8700 weitere Klagen anhängig.

Glyphosat - Das Wichtigste im Überblick

Die Geschworenen des Gerichts in San Francisco hatten Monsanto in ihrem Urteil vom August noch zu einer Strafzahlung von insgesamt 289 Millionen Dollar verurteilt: 250 Millionen Schadensersatz und 39 Millionen Entschädigung.

Vor knapp zwei Wochen gab Richterin Bolanos aber vorläufig dem Antrag des US-Saatgutherstellers statt, den Fall neu zu verhandeln. Daraufhin drängten mindestens fünf der Geschworenen Bolanos schriftlich dazu, das Urteil doch zu bestätigen. Das tat die Richterin nun, schlug aber eine Senkung des Schadensersatzanteils auf ebenfalls 39 Millionen Dollar vor. Damit müsste Monsanto insgesamt 78 Millionen zahlen, wenn die Klägeranwälte dem Vorschlag zustimmen.

Geklagt hatte Dewayne Johnson, der unheilbar an Lymphdrüsenkrebs erkrankt ist. Als Platzwart einer Schule hatte der Mann jahrelang mit Monsanto-Mitteln hantiert und führt seinen Krebs auf den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat zurück.

"Wir sind erfreut", kommentierten Johnsons Anwälte das Urteil, gleichwohl seien sie der Meinung, dass eine Senkung der Strafzahlungen nicht gerechtfertigt sei. Johnson kann die Entscheidung der Richterin bis zum 7. Dezember akzeptieren. Andernfalls soll der Schadensersatz in einem neuen Prozess festgelegt werden. Seine Anwälte teilten mit, sie prüften nun ihr weiteres Vorgehen.

Bayer will in Berufung gehen

Der Monsanto-Konzern, den Bayer dieses Jahr für mehr als 60 Milliarden Dollar gekauft hatte, bestreitet einen Zusammenhang des Herbizids mit Krebsfällen. Bayer selbst führt Hunderte Studien sowie Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit an, die Glyphosat bei sachgerechtem Einsatz für sicher erklärt hatten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte die Chemikalie allerdings 2015 als "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" eingestuft. Der Kläger zog 2016 vor Gericht, sein Fall wurde wegen der Schwere seiner Erkrankung vorgezogen.

Bayer bezeichnet die Senkung des Schadensersatzes als "einen Schritt in die richtige Richtung". Der Konzern sei allerdings weiter davon überzeugt, dass das Urteil im Widerspruch zu den im Prozess vorgelegten Beweisen stehe. Bayer plane daher, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

brt/Reuters/AFP
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