Quartalsverlust Glyphosat-Vergleich kostet Bayer fast zehn Milliarden

Wegen eines milliardenschweren Vergleichs im Streit um das Glyphosat-Mittel Roundup hat Bayer im zweiten Quartal einen hohen Verlust gemacht. Auch für mögliche Klagen im Pharmageschäft sorgt der Konzern vor.
Roundup-Behälter 2019 in einem Geschäft in San Francisco

Roundup-Behälter 2019 in einem Geschäft in San Francisco

Foto: Haven Daley/ dpa

Weil Bayer sich mit US-Klägern im Streit um den Unkrautvernichter Glyphosat jüngst auf einen Vergleich einigte, muss der deutsche Chemiekonzern Rückstellungen in Milliardenhöhe bilden. In seiner Bilanz des zweiten Quartals steht deshalb nun auch ein üppiger Verlust.

Das Ergebnis liege "durch Sondereinflüsse aus Rechtsfällen bei minus 9,548 Milliarden Euro", teilte das Unternehmen mit. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 404 Millionen Euro gemeldet. Abgesehen von den Rückstellungen verlief das Geschäft nach Konzernangaben von April bis Juni trotz der Coronakrise stabil.

Bayer hatte den Vergleich um den Glyphosat-haltigen Unkrautvernichter Roundup der Konzerntochter Monsanto Ende Juni erzielt. Zur Beilegung von aktuell etwa 125.000 Klagen von Roundup-Nutzern gegen die US-Tochter Monsanto will der Konzern bis zu 10,9 Milliarden Dollar zahlen.

Neben Rückstellungen für den Streit um Roundup sorgte der Konzern auch für Rechtsfälle im Pharmageschäft vor, vor allem im Zusammenhang mit der umstrittenen Sterilisationsspirale Essure. Dafür fielen Sonderaufwendungen von 1,245 Milliarden Euro an. Bayer sieht sich in den USA wegen Essure mit Klagen von etwa 32.000 Anwenderinnen konfrontiert.

Roundup-Vergleich auf der Kippe

Der milliardenschwere Roundup-Vergleich steht derweil trotz Rückstellungen auf der Kippe: Der Bundesrichter Vince Chhabria äußerte Anfang Juli Bedenken gegen Teile des Vergleichs. Die Streitparteien beschlossen daraufhin, ihren Antrag zurückzuziehen, um sich umfassend mit den Fragen des Gerichts befassen zu können.

Zwei Wochen später musste Bayer dann eine Niederlage einstecken: Ein Berufungsgericht in Kalifornien bestätigte den Zusammenhang zwischen Roundup und der Krebserkrankung eines Klägers, Bayer prüft die Revision. Die Zahl der Glyphosat-Kläger in den USA war derweil zuletzt auf 56.200 angestiegen, rund 3700 mehr noch als Mitte April.

Konzernchef Werner Baumann hob hervor, dass Bayer dank Zuwächsen im Agrargeschäft den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Sondereinflüssen gesteigert habe - "und das unter schwierigen Rahmenbedingungen". In den Sparten Arzneimittel und Gesundheit hingegen habe sich der Umsatz verringert. Insgesamt ging der Konzernumsatz im zweiten Quartal um 2,5 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro zurück.

Die Prognose für 2020 senkte Bayer, nachdem der Konzern im April erklärt hatte, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Jahresziele noch unklar seien. Der Vorstand rechnet nun mit einem währungsbereinigten Umsatzanstieg von bis zu einem Prozent auf 43 bis 44 (bisher: 44 bis 45) Milliarden Euro und einem bereinigten Betriebsgewinn (Ebitda) von 12,1 (bisher: 12,3 bis 12,6) Milliarden.

apr/AFP/Reuters
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