GM-Debakel Henderson kam mit Linienflug nach Frankfurt

General-Motors-Chef Henderson ist nach Rüsselsheim gereist, um die Wogen im Opel-Konflikt zu glätten. Ergebnisse blieben zunächst aus. Der Spitzenmanager kam mit einem Linienflug nach Deutschland - nicht etwa im Businessjet wie einst sein Vorgänger bei den Washingtoner Sanierungsgesprächen.

General-Motors-Chef Fritz Henderson: Er versucht die Wogen zu glätten
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General-Motors-Chef Fritz Henderson: Er versucht die Wogen zu glätten


Rüsselsheim - General-Motors-Chef Fritz Henderson hat offenbar aus den Fehlern seines Vorgängers Rick Wagoner gelernt. Er ist mit einer Linienmaschine zu den Gesprächen im Opel-Stammwerk in Rüsselsheim gereist. "Wir fliegen alle Linie", sagte ein Mitarbeiter.

2008 waren Wagoner und andere Chefs großer Autokonzerne in den USA von Politikern scharf kritisiert worden, weil sie mit einem Business-Jet statt per Linienflug zu einer Anhörung im US-Senat nach Washington gereist waren. Dort hatten sie Milliardenhilfen gefordert. Wenig später hatte General Motors in den USA angekündigt, einen Teil der Firmenjets abzuschaffen.

Henderson will in Deutschland versuchen, die Wogen nach der überraschenden Entscheidung von GM gegen einen Verkauf von Opel zu glätten. Bei seinem mehrtägigen Besuch ist auch ein Treffen mit dem Betriebsrat geplant.

Die Gespräche in Rüsselsheim haben am Montag noch keine Klarheit über die Zukunft von Opel gebracht. Der GM-Chef schloss seine Unterredungen in der Opel-Zentrale am Abend ab, ohne dass die Pläne über den künftigen Chef des deutschen Autobauers oder mögliche Werksschließungen bekannt wurden. Die Gespräche sollen am Dienstag fortgesetzt werden.

Henderson hat Agenturberichten zufolge die erste Vorlage eines Zukunftskonzepts für Opel im Gepäck. Demnach will GM seiner deutschen Tochter künftig mehr Eigenständigkeit erlauben. Dies hatte zuletzt der Betriebsrat als Vorbedingung für neue Verhandlungen genannt.

"Der Staat soll sich aus dem Debakel heraushalten"

Ein Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle steht offenbar nicht auf dem Programm. Brüderle sagte am Vormittag, ein Treffen mit Henderson sei nicht vorgesehen. Zur Frage möglicher Staatshilfen an General Motors für die Sanierung von Opel sagte der FDP-Politiker, einen Anspruch darauf gebe es nicht. GM habe ein Konzept angekündigt, darauf warte die Bundesregierung jetzt.

Derweil hat der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, die Bundesregierung und die Länder mit Opel-Standorten aufgerufen, keine staatlichen Beihilfen mehr für den angeschlagenen Autobauer Opel und dessen US-Mutterkonzern General Motors (GM) zu geben. "Der Staat sollte sich aus dem gesamten Debakel jetzt endgültig heraushalten", sagte Haucap der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe).

Wie GM mit der Absage an den zuvor favorisierten Investor Magna sollte auch die Bundesregierung "eine Kehrtwende machen und die selektive Unterstützung für Opel einstellen", sagte der Wettbewerbsexperte. Wenn andere Regierungen in Europa Staatshilfen in Aussicht stellten, müsse man dies nicht nachahmen. Zudem seien Beihilfen für Unternehmen "im Niedergang" meist schlecht investiert.

Ulf Böge neuer Bundesvertreter im Beirat der Opel-Treuhand

Wirtschaftsminister Brüderle gab unterdessen eine neue Personalie bekannt: Der frühere Präsident des Bundeskartellamtes, Ulf Böge, ist neuer Bundesvertreter im Beirat der Opel-Treuhand. Böge habe sich auf Brüderles Wunsch bereit erklärt, als Vertreter des Bundes für den zurückgetretenen Manfred Wennemer in das Gremium einzutreten. Kürzlich hatten die Länder ihren Treuhand-Vertreter Dirk Pfeil aus dem Gremium entlassen.

Die Treuhand verwaltet derzeit noch 65 Prozent der Opel-Anteile. Wenn General Motors (GM) den staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro zurückgezahlt hat, wird die Treuhand aufgelöst.

Auch die EU-Kommission beschäftigt weiterhin das Thema Opel. Sie plant ein neues Minister-Treffen. "Wir prüfen, ob es möglich ist, ein solches Treffen abzuhalten, sagte der Sprecher des EU-Industriekommissars Günter Verheugen. Die verantwortlichen Fachminister aus den von der Opel-Krise betroffenen EU-Ländern hatten sich schon öfter getroffen. Ziel war eine europäische Koordinierung.

fro/Reuters/dpa/ddp



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Seite 1
mr green 03.11.2009
1.
was soll man sagen?das ganze ist so irrwitzig und abstrakt, dass einem schlicht die worte fehlen...dumm gelaufen....wär fast eine lustige parodie, wenn es dabei nicht um menschen gehen würde. aber rational gesehen, handhaben wir ja zwischenzeitlich alles systemisch...von demher: naiv ist der, der sich noch über irgendetwas wundert!
Haio Forler 03.11.2009
2.
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Kann nicht Quelle mal langsam Opel übernehmen? Oder Ravensburger? Ich kann das widerlich-langweilige Thema langsam nicht mehr hören. Macht mit Opel, was ihr wollt. Nur lasst uns langsam in Ruhe mit dem Gähnfaktor. Wer kauft schon einen Astra.
erben2 04.11.2009
3. Blamage??
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Blamiert? Wieso? Die Herren Koch, Rüttgers und zu Gutenberg haben sich schon vorher der Lächerlichkeit preis gegeben. Herr Rüttgers flog in den USA um für die Arbeiter in Bochum zu kämpfen. Herr zu Gutenberg stand als bestangezogener Politiker Deutschlands in New York und war kurz davor den Ackemann zu machen (Victory) und Herr Koch gab uns schon vor Monaten den Schwätzer. Es geht nicht um die Blamage der deutschen Politik, dazu braucht man auch keine Opel-Krise. Es geht um Tausende Menschen, die sich von der Geschwätzigkeit, der Eitelkeit und der Unehrlichkeit der meisten Beteiligten haben veralbern lassen. Es geht um Arbeiter und Angestellte in den Fabriken, denen in deutscher Sprache das Hemd ausgezogen wurde und die jetzt zu hören bekommen, dass die Manager bei GM schuld sind. Die Krise und Wahlkampf - eine schlimme Kombination.
smokeonit 04.11.2009
4. richtig
richtige Entscheidung! nur unter GM hat Opel eine Chance zu überleben!
Philip Marlowe 04.11.2009
5. Die deutsche Politik
hat nur einmal mehr ihre Realitätsverweigerung bewiesen. Spätestens seit der de facto Verstaatlicheung von General Motors steht der Konzern nicht mehr finanziell mit dem Rücken zur Wand und der (Not-)Verkauf eines der produktivsten Unternehmensteile ist unternehmerischer Widersinn geworden. In Detroit konnte man sich beruhigt zurücklehnen und abwarten, wieviele Milliarden die Deutschen bis zur Bundestagswahl noch lockermachen. Und jetzt sagt man den Schwachsinn mit Magna und der quasi-staatlichen russischen Bank eben wieder ab. That's life...
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