GM-Europachef Reilly trifft Betriebsrat Opelaner erwarten den Sanierungs-Showdown

Für die rund 25.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland naht die Stunde der Wahrheit. GM-Europachef Nick Reilly will dem Betriebsrat an diesem Mittwoch sein Sanierungskonzept vorstellen. Vor allem die Mitarbeiter des Werks Eisenach erwarten die Gespräche mit Sorge.
Opel-Mitarbeiter: Tausende bangen um ihren Job

Opel-Mitarbeiter: Tausende bangen um ihren Job

Foto: Michael Probst/ AP

Erfurt/Rüsselsheim - Für die rund 25.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland könnte dieser Mittwoch entscheidend sein: Im Laufe des Vormittags sollen sie Näheres über die Sanierungspläne des Mutterkonzerns General Motors für ihr Unternehmen erfahren. Nach den bisher bekannten Plänen sollen die Fixkosten bei der Europa-Tochter um 30 Prozent und die Kapazität um bis zu 25 Prozent reduziert werden. Außerdem sollen binnen eines Jahres 9000 bis 10.000 der insgesamt rund 50.000 Stellen wegfallen.

In Erfurt und Wiesbaden will GM-Europachef Nick Reilly außerdem mit der thüringischen Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und dem hessischen Regierungschef Roland Koch (beide CDU) über die Zukunft der Opel-Standorte Eisenach und Rüsselsheim sprechen. Am Dienstag hatte Reilly Standortgarantien für Bochum und Kaiserslautern abgegeben.

Unklar sind die Perspektiven insbesondere für Eisenach, wo rund 1800 Beschäftigte den Opel Corsa produzieren. Die dortige Opel Eisenach GmbH hat nach einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" im vergangenen Jahr einen Verlust von 569 Millionen Euro verbucht, nach einem Minus von 41 Millionen Euro im Jahr 2007. Der Umsatz sei aufgrund des Absatzeinbruchs vor allem im Ausland um 18,2 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurückgegangen, schreibt das Blatt laut Vorabmeldung. Der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte der Zeitung, der Absatz habe sich 2009 wegen der Abwrackprämie aber wieder erholt. Das Eisenacher Werk sei von allen deutschen Opel-Standorten das modernste Werk mit einer vergleichsweise preiswerten Belegschaft.

Zittern in Eisenach

Während sich GM bislang noch nicht zu den Perspektiven des Werks geäußert hat, gilt der Fortbestand des hessischen Opel-Stammsitzes durch die angekündigte Verlagerung der GM-Europazentrale von Zürich nach Rüsselsheim als gesichert. Das Werk südwestlich von Frankfurt am Main ist mit rund 15.600 Mitarbeitern das Herz von Opel. In Rüsselsheim ist zudem das Internationale Entwicklungszentrum (ITZ) angesiedelt.

Lieberknecht will nach Angaben der Staatskanzlei bei dem Treffen mit Reilly deutlich machen, welche Bedeutung das Werk Eisenach für Thüringen hat. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hatte berechnet, dass bei einer Schließung Steuerausfälle von rund 382 Millionen Euro drohen und bundesweit bis zu 22.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten. Die 1992 eröffnete Fabrik gehört zu den größten Industriearbeitgebern in Thüringen.

Nach einem Treffen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) hatte Reilly am Dienstag bekräftigt, dass das zeitweise bedrohte Opel-Werk in Bochum mit 6000 Mitarbeitern erhalten bleibt. Noch im Frühjahr hatte GM einen Abbau von gut 2000 Stellen in dem Werk geplant. GM habe zugesagt, sich an diesen Sanierungsplänen orientieren zu wollen, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel im WDR.

GM erwartet Beihilfen

Auch der Standort Kaiserslautern bleibe bestehen, sagte Reilly nach einem Gespräch mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD). In Kaiserslautern gibt es ein Komponentenwerk mit etwa 2300 Beschäftigten und eine Motorenfertigung ("Powertrain") mit noch einmal rund 1100 Mitarbeitern. Opel ist damit einer der größten Arbeitgeber in der strukturschwachen Westpfalz.

Mit der Rückzahlung der letzten Rate eines deutschen Überbrückungskredits liegt Opel seit Dienstag wieder ganz in der Hand des US-Mutterkonzerns GM. Dadurch kann die Opel-Treuhand aufgelöst werden, bei der 65 Prozent der Firmenanteile für einen möglichen Käufer geparkt worden waren. Insgesamt belief sich der Kreditrahmen auf 1,5 Milliarden Euro.

GM rechnet bei seinem auf 3,3 Milliarden Euro bezifferten Sanierungsplan auch mit Staatshilfen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kündigte an, mögliche Beihilfen für den Autobauer auch künftig "strikt" auf deren Vereinbarkeit mit EU-Vorschriften prüfen zu lassen. Ein Wettbewerb in Sachen Subventionen liege nicht im Interesse der EU, sagte Barroso am Dienstag vor dem Europaparlament in Straßburg.

mik/dpa/AP