GM-Pläne für Opel Was den deutschen Beschäftigten droht

Seit einem Jahr steckt Opel in der Krise. GM hatte viel Zeit für ein detailliertes Sanierungsprogramm - trotzdem hat der US-Mutterkonzern bislang keine konkreten Pläne präsentiert. Doch jetzt sickern erste Details durch. SPIEGEL ONLINE analysiert, was auf die deutschen Standorte zukommen könnte.

DDP

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Hamburg - Rüsselsheim, Bochum, Eisenach, Kaiserslautern: An allen vier Opel-Standorten in Deutschland sammeln sich an diesem Donnerstag Zehntausende Mitarbeiter zu Massenprotesten. Der Zorn der Beschäftigten richtet sich gegen den Mutterkonzern General Motors in den USA - weil dieser Opel nun doch behalten und nicht an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna Chart zeigen verkaufen möchte.

Die Wut auf GM ist in Deutschland groß - dabei wissen die Beschäftigten gar nicht genau, was auf sie zukommt. Denn die Amerikaner verraten nicht, was sie mit ihrer europäischen Tochter vorhaben, bisher sind nur wenige Details durchgesickert. Er wisse auch nicht, "wie es weitergeht", sagte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster mit entwaffnender Ehrlichkeit. Er glaube, "die wichtigen Herren" bei GM in Detroit "wissen es selbst nicht".

Die wichtigsten Fragen sind deshalb offen: Müssen deutsche Standorte schließen? Drohen gar Massenentlassungen?

Fest steht: GM will einen alten Sanierungsplan wieder reaktivieren, der zu Beginn des Jahres schon einmal erstellt worden war (siehe PDF in der linken Spalte). Das Papier ist in weiten Teilen zwar schwammig gehalten. Doch einige Punkte lassen sich herausarbeiten:

  • Demnach will GM die Kosten bei Opel um 30 Prozent senken ...
  • ... und 10.000 der rund 50.000 GM-Jobs in Europa streichen.
  • Insgesamt soll die Schließung von drei Werken geprüft werden, sagte John Smith, Opel-Chefunterhändler beim US-Konzern.

Vor allem das Werk im belgischen Antwerpen steht offenbar vor dem Aus. Zunächst hieß es, auch Eisenach in Thüringen könnte es treffen. Später erklärte Smith, für Eisenach gebe es eine Lösungsvariante - ob dies auch die Option eines Verkaufs beinhaltet, sagte er nicht.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sagte am Mittwoch, er halte drei Werke für "akut gefährdet": neben Antwerpen auch Bochum und Kaiserslautern. Am Abend stellte Smith dann jedoch klar, dass für das Werk in Bochum ein neuer Vorschlag geprüft werde - es könnte zum Beispiel in verkleinerter Form erhalten bleiben. Doch Genaues weiß man nicht.

Was Kaiserslautern betrifft, kann ebenfalls nur spekuliert werden. Im Gespräch war immer wieder, die dortige Komponentenproduktion zu schließen - möglicherweise übernimmt GM nun diesen Plan.

Das besondere daran: Bei Magna hätte es nicht viel anders ausgesehen. Auch die Austro-Kanadier hatten mit einer ähnlichen Größenordnung beim Jobabbau kalkuliert - und auch sie wollten Antwerpen dicht machen. "Wer den Magna-Plan mochte, wird auch den GM-Plan mögen", sagt denn auch GM-Manager Smith.

Doch warum sind die deutschen Betriebsräte dann so empört? Wenn sie mit dem Magna-Konzept hätten leben können - warum dann nicht mit dem von GM?

Die Amerikaner kündigen "harte Einschnitte" an

Es ist wohl das Klima zwischen den Arbeitern in Deutschland und den Managern in den USA, das völlig zerrüttet ist. Immer wieder habe man die Chefs auf Fehlentwicklungen hingewiesen, heißt es in Betriebsratskreisen. Immer wieder habe Detroit die Warnungen ignoriert.

Der Führungsstil der Amerikaner gilt als extrem rüde.Am Mittwoch, unmittelbar nach der Entscheidung, Opel zu behalten, forderte GM die Arbeitnehmer in Deutschland auf, Konzessionen zu machen. Sie sollten sich an den Sparmaßnahmen beteiligen - zum Beispiel mit einem Lohnverzicht. Auch GM-Europa-Chef Forster machte klar, dass es "harte Einschnitte" geben werde.

Die Replik von Opel-Betriebsratschef Franz kam denn auch sofort: Einem Verzicht auf Urlaubs- oder Weihnachtsgeld würden die Arbeitnehmer nicht zustimmen. Stattdessen kündigte er Proteste und Warnstreiks an.

Dabei wären die Arbeitnehmer im Falle einer Magna-Übernahme durchaus zu Einsparungen von 265 Millionen Euro pro Jahr bereit gewesen. Auf mindestens diesen Betrag spekuliert offenbar auch GM - bisher allerdings vergebens.

Gibt es deutsche Staatshilfe auch für GM?

Insgesamt setzt GM drei Milliarden Euro für die Sanierung von Opel an. Experten halten das jedoch für unrealistisch - allein schon, weil Opel hohe Verluste einfahren dürfte. Eine mögliche Lösungen wären Staatshilfen, auf die GM vermutlich spekuliert. Sollte die Bundesregierung die Gelder, die Magna versprochen worden waren, nun für GM locker machen, wären die Amerikaner fein raus.

Tatsächlich könnte die deutsche Politik neue Staatshilfen zahlen - einfach deshalb, um Arbeitsplätze zu retten. Diese Option brachte zumindest der neue SPD-Wirtschaftsminister von Thüringen, Matthias Machnig, ins Gespräch. Allerdings stellte er Bedingungen: "Öffentliche Mittel kann es nur dann geben, wenn die Standorte und damit die Beschäftigung in Deutschland gesichert werden."

In Kürze will GM die Gespräche mit Regierung und Betriebsräten beginnen - und verbindet diese Ankündigung unverhohlen mit einer Drohung: Es sei nur im Interesse der Arbeitnehmer, mit GM zu verhandeln. Denn wenn es zu keiner Einigung kommen sollte, dann habe dies die Insolvenz von Opel zur Folge.

Für Betriebsratschef Franz gibt es dafür nur ein Wort: Das sei "Erpressung".

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Seite 1
mr green 03.11.2009
1.
was soll man sagen?das ganze ist so irrwitzig und abstrakt, dass einem schlicht die worte fehlen...dumm gelaufen....wär fast eine lustige parodie, wenn es dabei nicht um menschen gehen würde. aber rational gesehen, handhaben wir ja zwischenzeitlich alles systemisch...von demher: naiv ist der, der sich noch über irgendetwas wundert!
Haio Forler 03.11.2009
2.
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Kann nicht Quelle mal langsam Opel übernehmen? Oder Ravensburger? Ich kann das widerlich-langweilige Thema langsam nicht mehr hören. Macht mit Opel, was ihr wollt. Nur lasst uns langsam in Ruhe mit dem Gähnfaktor. Wer kauft schon einen Astra.
erben2 04.11.2009
3. Blamage??
Zitat von sysopGeneral Motors will Opel jetzt doch behalten - und lässt den Deal mit Magna platzen. Wie blamiert ist die deutsche Politik nach dem Hin und her?
Blamiert? Wieso? Die Herren Koch, Rüttgers und zu Gutenberg haben sich schon vorher der Lächerlichkeit preis gegeben. Herr Rüttgers flog in den USA um für die Arbeiter in Bochum zu kämpfen. Herr zu Gutenberg stand als bestangezogener Politiker Deutschlands in New York und war kurz davor den Ackemann zu machen (Victory) und Herr Koch gab uns schon vor Monaten den Schwätzer. Es geht nicht um die Blamage der deutschen Politik, dazu braucht man auch keine Opel-Krise. Es geht um Tausende Menschen, die sich von der Geschwätzigkeit, der Eitelkeit und der Unehrlichkeit der meisten Beteiligten haben veralbern lassen. Es geht um Arbeiter und Angestellte in den Fabriken, denen in deutscher Sprache das Hemd ausgezogen wurde und die jetzt zu hören bekommen, dass die Manager bei GM schuld sind. Die Krise und Wahlkampf - eine schlimme Kombination.
smokeonit 04.11.2009
4. richtig
richtige Entscheidung! nur unter GM hat Opel eine Chance zu überleben!
Philip Marlowe 04.11.2009
5. Die deutsche Politik
hat nur einmal mehr ihre Realitätsverweigerung bewiesen. Spätestens seit der de facto Verstaatlicheung von General Motors steht der Konzern nicht mehr finanziell mit dem Rücken zur Wand und der (Not-)Verkauf eines der produktivsten Unternehmensteile ist unternehmerischer Widersinn geworden. In Detroit konnte man sich beruhigt zurücklehnen und abwarten, wieviele Milliarden die Deutschen bis zur Bundestagswahl noch lockermachen. Und jetzt sagt man den Schwachsinn mit Magna und der quasi-staatlichen russischen Bank eben wieder ab. That's life...
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