Bedrohtes Siemens-Werk Görlitz ist gerettet

Trotz Milliardengewinnen wollte Siemens den Standort Görlitz schließen. Nach heftigen Protesten bleibt er nun doch erhalten - allerdings werden Jobs gestrichen.
Turbinenwerk in Görlitz

Turbinenwerk in Görlitz

Foto: imago/photothek

Die umstrittenen Schließungspläne für den Siemens-Standort im sächsischen Görlitz sind Geschichte. In der Nacht einigten sich Unternehmensführung, Gesamtbetriebsrat und IG Metall auf einen Zukunftspakt für die Kraftwerks- und Antriebssparte. Das gab Siemens am Dienstag bekannt.

Der Konzern hatte zuvor angekündigt, in diesen Sparten weltweit rund 6900 Stellen streichen zu wollen, davon rund 3400 in Deutschland. Außerdem sollten die Standorte im sächsischen Görlitz und in Leipzig geschlossen werden. Die Pläne waren bei Arbeitnehmervertretern und auch in der Politik auf heftigen Widerstand gestoßen, weil der Konzern zuletzt Milliardengewinne verbucht hatte.

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Durch den Zukunftspakt soll das Werk in Görlitz nun doch erhalten bleiben. Der Standort solle zur weltweiten Zentrale für das Industriedampfturbinengeschäft ausgebaut werden, teilte Siemens mit. Ein Teil der rund 700 Mitarbeiter müsse dennoch entlassen werden.

Auch zum Siemens-Standort Leipzig liefen intensive Gespräche, bei welchen auch Vorschläge der Belegschaft einfließen sollen, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "Wir sind zuversichtlich, dass auch hier viele Arbeitsplätze erhalten werden können."

Ein weiterer Standort in Offenbach soll in dem in Erlangen aufgehen, inklusive eines Teils der Belegschaft. IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner sprach insgesamt von einem "für beide Seiten akzeptablen Ergebnis".

Der Zukunftspakt bilde die Grundlage für weitere Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan. Diese sollen bis Ende September abgeschlossen werden. Bis dahin soll dann auch entschieden werden, wie viele Siemens-Jobs in Deutschland noch wegfallen.

Nach Angaben von Siemens-Personalchefin Janina Kugel ist dies bislang noch offen. Man sei bereit, nach kreativen Lösungen zu suchen. Wichtig sei, dass letztlich das Sparziel erreicht werde. Der Konzern will insgesamt einen "großen" dreistelligen Millionenbetrag einsparen.

ssu/dpa/Reuters
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