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Schmähpreis: Die Top-Kandidaten für den "Windbeutel"

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Wahl zum "Goldenen Windbeutel" Wer ist der größte Werbsünder?

Die Organisation Foodwatch nominiert fünf Produkte für den "Goldenen Windbeutel", den Schmähpreis für den dreistesten Werbeslogan. Vom Schokoriegel bis zur Kinder-Tomatensauce - die Kandidaten im Überblick.

Gerade erst haben sich die Kinderärzte zu Wort gemeldet: Sie fordern ein Werbeverbot für Lebensmittel, die speziell auf Kinder zielen. Diese förderten zu oft Fettleibigkeit und enthielten zu viel Zucker. Unternehmen machten es Verbrauchern schwer, gesund zu leben, kritisiert auch die Verbraucherorganisation Foodwatch. Die Firmen führten Konsumenten teils in die Irre. Um die dreisteten Fälle transparent zu machen, vergibt Foodwatch jedes Jahr den Schmähpreis "Goldener Windbeutel" - die Verbraucher können den Gewinner wählen.

"Fitness-Schwindel", "Pseudo-Wissenschaft", "versteckte Preiserhöhungen" prangert Foodwatch bei mehreren Unternehmen an. Sie stellten Produkte als besonders gesund dar, obwohl diese viel Zucker oder geringwertige Zutaten enthielten. Dabei ist das Problem zuckerhaltiger und fettiger Nahrung immer gravierender: 62 Prozent der Männer in Deutschland sind laut Statistischem Bundesamt zu dick, fast die Hälfte der Frauen und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Und die Schuld daran trifft auch Lebensmittelhersteller.

Fünf Produkte, die Konsumenten aus ihrer Sicht besonders unverschämt getäuscht haben, hat Foodwatch nominiert. Auch wahre Geldschneider unter den Herstellern, die geschickt Preiserhöhungen tarnen, spießt die Organisation mit ihrer Auswahl auf, genauso wie Produkte mit weniger wertvollen Inhaltsstoffen als es scheint. Bis zum 1. Dezember können Verbraucher unter www.goldener-windbeutel.de  abstimmen, welcher Kandidat den Schmähpreis verdient. Falls dieses Mal der Gewinner den Preis auch annimmt, würde er am Firmensitz verliehen.

Nominiert für den Negativpreis, der dieses Jahr zum neunten Mal verliehen wird, sind: der Bio-Karottensaft von Hipp, die "Wasabi Erdnüsse" von Rewe, der "Corny Protein Lower Carb"-Schokoriegel von Schwartau, das Getränk "Yakult" und die Kinder Tomatensauce des Bio-Herstellers Zwergenwiese. Die Produkte hat Foodwatch aus rund 200 Produkten ausgewählt, die Konsumenten in den vergangenen zwölf Monaten auf der Beschwerdeplattform www.schummelmelder.de  gemeldet haben. Versteckte Preiserhöhungen, vermeintlich "natürliche" Lebensmittel voller Zusatzstoffe oder angeblich "gesunde" Zuckerbomben seien dort eingegangen, so Foodwatch.

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Die Vielzahl der Verbraucherbeschwerden zeige, dass das Problem des ganz legalen Etikettenschwindels noch lange nicht gelöst sei, kritisiert die Organisation. Irreführende Werbeaussagen seien im Supermarkt die Regel und nicht die Ausnahme, obwohl die EU Verbrauchertäuschung verbietet. Doch dieses Täuschungsverbot sei nicht konkret genug und lasse der Lebensmittelindustrie zu viel Spielraum. So würden Kunden hinters Licht geführt, ohne dass die Firmen dabei gegen die geltenden Kennzeichnungsregeln verstoßen.

Die Bundesregierung habe das Problem zwar 2011 anerkannt. Die daraufhin gestartete Initiative "Klarheit und Wahrheit" habe jedoch nicht für bessere Gesetze und einen umfassenden Schutz gesorgt. "Die Lebensmittelindustrie kann sich weiter ihrer Tricks und Täuschungsmaschen bedienen - und damit Gewinne auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher einstreichen", kritisiert Foodwatch.

Zuletzt sorgte die Diskussion um eine klarere Kennzeichnung von Lebensmitteln für Zündstoff. Lange wurde zwischen Verbraucherorganisationen, Politik und Unternehmen debattiert, welches System zeigen soll, wie viel Zucker oder Fett Produkte enthalten. Die Industrie versuchte lange, ein unübersichtliches Format durchzusetzen. Nun soll die Nährwertkennzeichnung Nutri-Score kommen, wie Julia Klöckner (CDU), Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, kürzlich festgelegt hat. Doch die Kennzeichnung bleibt für die Unternehmen freiwillig.

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